Business & Beyond MediaMarktSaturn geht nach China: Berlin sagt Ja, Brüssel bremst

MediaMarktSaturn geht nach China: Berlin sagt Ja, Brüssel bremst

Berlin gibt grünes Licht für die 2,2-Milliarden-Übernahme von MediaMarktSaturn durch JD.com – aber nur unter strengen Auflagen. Brüssel vermutet chinesische Staatssubventionen und prüft bis Oktober.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat JD.com die Übernahme von Ceconomy genehmigt – Europas größter Elektronikfachhändler wechselt den Besitzer. Doch die Freigabe kommt mit scharfen Bedingungen: Kundendaten bleiben in Deutschland, die Bundesregierung erhält weitreichende Kontrollrechte und kann die Genehmigung bei Verstößen widerrufen.

Der chinesische Konzern zeigt sich zufrieden und rechnet mit dem Abschluss der Übernahme im ersten Halbjahr 2026. Doch die eigentliche Hürde steht noch bevor – und sie sitzt in Brüssel.

Brüssel wittert unfairen Wettbewerb

Die EU-Kommission hat nach einer ersten Prüfung Zweifel angemeldet. Der Verdacht: JD.com könnte den Kauf mit staatlichen Subventionen aus China finanziert haben. Das würde dem Konzern ermöglichen, ein höheres Gebot als europäische Wettbewerber abzugeben – und den Markt verzerren. Bis zum 2. Oktober muss Brüssel entscheiden, ob die Übernahme den EU-Binnenmarkt gefährdet.

Ohne grünes Licht der Kommission bleibt der Deal blockiert, egal was Berlin sagt. JD.com erwirbt für 2,2 Milliarden Euro Zugriff auf über 1.000 Filialen, rund 50.000 Mitarbeiter und den viertgrößten Onlineshop Deutschlands. MediaMarktSaturn erzielte 2024 einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro – ein Hebel, um gegen Amazon und Alibaba im Europageschäft anzutreten. Nach dem Vollzug will JD.com Ceconomy von der Börse nehmen.

Was Deutschland wirklich kontrollieren kann

Die Auflagen des Wirtschaftsministeriums klingen streng, doch ihre Wirksamkeit bleibt fraglich. Kundendaten sollen in Deutschland bleiben – aber wie lässt sich das bei einem global vernetzten Konzern mit rund einer halben Million Mitarbeitern weltweit durchsetzen? JD.com erwirtschaftet 159 Milliarden Dollar Jahresumsatz und operiert in Technologie, Logistik und Gesundheit.

Die Kontrollrechte der Bundesregierung mögen auf dem Papier weitreichend sein, in der Praxis dürfte die Überwachung komplex werden. Frankreich, Italien und Deutschland haben bereits zugestimmt, Spanien und Österreich stehen noch aus. Das Bundeskartellamt sah im September keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken – JD.com sei in Deutschland bislang kaum aktiv. Genau das macht die Übernahme so brisant: Der Konzern verschafft sich mit einem Schlag Marktmacht in Europa, statt sie organisch aufzubauen.

Handelspolitik trifft Realität

Der Fall zeigt, wie komplex Wirtschaftspolitik in Zeiten geopolitischer Spannungen wird. Deutschland braucht chinesische Investoren, will aber keine strategische Abhängigkeit riskieren. Die EU versucht, unfaire Subventionspraktiken zu unterbinden, ohne den Binnenmarkt abzuschotten. MediaMarktSaturn braucht frisches Kapital, um gegen Amazon zu bestehen – aber zu welchem Preis?

Die Frage ist nicht, ob JD.com die Übernahme schafft, sondern unter welchen Bedingungen. Brüssel wird den Deal vermutlich durchwinken, aber mit Auflagen versehen, die den Handlungsspielraum einschränken. Für deutsche Mittelständler und Einzelhändler bleibt die Botschaft klar: Chinas Tech-Giganten expandieren nach Europa – mit oder ohne faire Wettbewerbsbedingungen.

Business Punk Check

Die Übernahme von MediaMarktSaturn durch JD.com ist kein gewöhnlicher M&A-Deal – sie ist ein Lehrstück in geopolitischer Handelspolitik. Berlin genehmigt unter Auflagen, die auf dem Papier streng klingen, in der Praxis aber schwer durchsetzbar sein dürften. Wie will Deutschland bei einem global vernetzten Konzern mit rund einer halben Million Mitarbeitern weltweit sicherstellen, dass Kundendaten wirklich in Deutschland bleiben? Die Kontrollrechte der Bundesregierung sind ein politisches Signal, mehr nicht. Brüssels Subventionsverdacht trifft den Kern: Wenn China seine Konzerne mit Staatsgeldern ausstattet, können europäische Wettbewerber nicht mithalten.

Die EU muss entscheiden, ob sie fairen Wettbewerb durchsetzen oder den Binnenmarkt für chinesische Expansion öffnen will. Ein Mittelweg – Genehmigung mit Auflagen – ist wahrscheinlich, löst aber das Grundproblem nicht. Für deutsche Unternehmen bleibt die unbequeme Wahrheit: Chinas Tech-Giganten expandieren nach Europa, ob mit oder ohne faire Bedingungen. Wer im Einzelhandel, in der Logistik oder im E-Commerce tätig ist, bekommt neue Konkurrenz – kapitalstark, staatsgestützt und strategisch aggressiv. Die Frage ist nicht, ob JD.com kommt, sondern wer als nächstes übernommen wird.

Quellen: Zeit, Handelsblatt, Stadt Bremerhaven

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