Business & Beyond VW streicht 5.500 Manager-Posten: Mittelmaß fliegt raus

VW streicht 5.500 Manager-Posten: Mittelmaß fliegt raus

Volkswagen krempelt seine Führungsebene radikal um: 5.500 Chefposten fallen weg, Boni werden an echte Leistung gekoppelt, Rückstufungen werden möglich. Oliver Blume setzt auf Kulturbruch statt Kuschelkurs.

Volkswagen dreht an der Leistungsschraube und zwar brutal. Der Konzern plant laut einem Bericht der Bild den größten Umbau seiner Managementstruktur seit Jahrzehnten. Von weltweit 21.500 Führungspositionen sollen 5.500 verschwinden. Wer künftig nur Dienst nach Vorschrift macht, wird zum Problemfall. Die Botschaft von VW-Chef Oliver Blume ist glasklar: Entweder liefern oder Platz machen.

Das alte Bonussystem war ein Witz

Das bisherige Vergütungssystem galt intern als Farce. Zwischen Spitzenkräften und Mitläufern wurde kaum unterschieden. Selbst Manager, deren Beitrag zum Unternehmenserfolg nicht messbar war, kassierten verlässlich ihre Boni. Ab 2027 ist damit Schluss. Der individuelle Leistungsanteil am Bonus steigt von mickrigen 13 bis 17 Prozent auf satte 35 Prozent – mehr als eine Verdopplung. Die neue Formel lautet: Was hat der einzelne Manager konkret bewegt?

Wie stark hat er die Transformation vorangetrieben? Allgemeine Konzernkennzahlen reichen nicht mehr aus. Wer keine messbaren Erfolge vorweisen kann, wird finanziell abgestraft. Parallel dazu sinkt der langfristige Bonusanteil von bis zu 60 Prozent auf 40 Prozent. VW braucht keine Visionäre mehr, die in fünf Jahren liefern wollen, sondern Macher, die jetzt Ergebnisse bringen.

Sterne-System macht Versager sichtbar

Um die neue Leistungskultur durchzusetzen, führt Volkswagen ein Bewertungssystem ein, das an Schulnoten erinnert. Die drei Säulen: Zielerreichung, Verhalten und Wirkung. Top-Performer werden über einen sogenannten Impact-Index hervorgehoben und mit Sternen belohnt. Klingt harmlos, hat aber Sprengkraft: Manager werden erstmals direkt vergleichbar.

Leistung wird transparent und damit auch Nicht-Leistung. Besonders pikant: Volkswagen prüft einen separaten Spar-Bonus. Der soll verhindern, dass hohe Restrukturierungskosten die Motivation der Führungskräfte bremsen. Übersetzt heißt das: Wer Stellen streicht und Kosten senkt, wird extra belohnt. Ein zynisches Signal in Zeiten, in denen Tausende Arbeitsplätze auf der Kippe stehen.

5.500 Chefposten fallen weg

Die bisherigen Führungskreise TMK und OMK werden durch ein simples Vier-Level-Modell ersetzt. Level 1 beherbergt die 400 absoluten Top-Manager, Level 2 weitere 1.200 strategische Führungskräfte. Level 3 und 4 kümmern sich ums operative Geschäft, insgesamt 14.400 Positionen. Brisant: Rückstufungen sind ausdrücklich vorgesehen.

Wer nicht liefert, rutscht eine Ebene tiefer oder fliegt komplett raus. Juli soll der Aufsichtsrat über den Rettungsplan abstimmen. Dann wird klar, ob Volkswagen den Kulturbruch wirklich durchzieht oder ob die Arbeitnehmervertreter das Konzept verwässern. Fakt ist: Der Konzern steckt tief in der Krise und braucht dringend Tempo. Die alte Konsenskultur hat VW in die Sackgasse geführt.

Business Punk Check

Volkswagen versucht mit dem Managementumbau, eine Dekade der Mittelmäßigkeit zu beenden. Das Problem: Die neue Leistungskultur kommt viel zu spät. Während Tesla und BYD längst auf Tempo und Agilität setzen, klebt VW noch immer an deutschen Konsenstraditionen. Der Spar-Bonus für Restrukturierungen ist besonders zynisch – Manager werden dafür belohnt, dass sie Kollegen rauswerfen. Das schafft keine Innovationskultur, sondern Angst. Die eigentliche Frage lautet: Kann ein Konzern, der Jahrzehnte lang auf Hierarchie und Status gebaut hat, wirklich über Nacht zur Leistungsgesellschaft werden?

Rückstufungen klingen gut auf dem Papier, aber in der Praxis werden Betriebsrat und IG Metall jeden Einzelfall bekämpfen. VWs Umbau ist ein notwendiger Schritt – aber ohne echten Kulturwandel bleibt es Kosmetik. Die Wahrheit: Solange der Konzern nicht bereit ist, auch im Vorstand konsequent auszumisten, wird sich fundamental nichts ändern. Leistung muss ganz oben anfangen, nicht nur in der mittleren Führungsebene.

Quellen: Bild

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