let's techle it · Anthropic Rechtsstreit

Clawdbot: Der KI-Assistent, der Anthropic nervt – und deine Daten freilegt

Clawdbot heißt jetzt Moltbot und ist in aller Munde
Moltbot Clawdbot heißt jetzt Moltbot und ist in aller Munde
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Peter Steinbergers KI-Assistent Clawdbot (jetzt Moltbot) ging viral, kassierte eine Abmahnung von Anthropic – und offenbart massive Sicherheitslücken. Hunderte ungeschützte Server liegen offen im Netz.

Ein österreichischer Entwickler baut einen KI-Assistenten, der lokal auf dem eigenen Rechner läuft, binnen Tagen viral geht und dann von Anthropic zum Rebranding gezwungen wird. Klingt nach einem Tech-Märchen – wäre da nicht das Sicherheitsdesaster, das sich parallel entfaltet. Moltbot, ursprünglich Clawdbot genannt, zeigt gerade exemplarisch, wie schnell aus einem cleveren Open-Source-Projekt ein Albtraum für Datenschutz werden kann. Über 44.200 GitHub-Sterne in wenigen Wochen sprechen für die Faszination. Hunderte offene Server ohne Authentifizierung sprechen gegen die Umsetzung.

Vom Hummer zum Rechtsstreit

Peter Steinberger, bekannt als @steipete, entwickelte Moltbot als persönlichen Assistenten – eine KI, die tatsächlich Dinge erledigt, statt nur zu plaudern. Kalender verwalten, Nachrichten verschicken, Flug-Check-ins durchführen. Das Projekt startete als Soloprojekt eines Entwicklers, der nach drei Jahren Pause seine Leidenschaft fürs Coden wiederfand.

Steinberger nannte seinen Bot zunächst nach Anthropics Flaggschiff-Modell Claude – ein Fehler, wie sich herausstellte. Anthropic zwang ihn laut TechCrunch zum Rebranding wegen Markenrechtsverletzungen. Aus Clawdbot wurde Moltbot, die Hummer-Seele blieb. Der Rechtsstreit zeigt: Selbst Open-Source-Projekte kollidieren mit Corporate-Interessen, sobald sie Reichweite entwickeln.

Was Clawdbot/Moltbot kann – und wo es versagt

Moltbot integriert sich in Telegram, WhatsApp, Signal und iMessage, verbindet verschiedene Sprachmodelle und läuft komplett lokal. Kein Cloud-Zwang, keine Big-Tech-Abhängigkeit. Die Theorie klingt verlockend: Ein Assistent mit Gedächtnis, der proaktiv Briefings sendet und Aufgaben automatisiert – für fünf Dollar monatliche Server-Kosten. Die Praxis offenbart fundamentale Schwächen.

Sicherheitsforscher Jamieson O’Reilly dokumentierte laut Trendingtopics, dass hunderte Nutzer ihre Kontrollserver ungeschützt betreiben. Eine simple Shodan-Suche nach „Clawdbot Control“ liefert binnen Sekunden hunderte exponierte Instanzen. API-Schlüssel, Bot-Tokens, OAuth-Credentials, komplette Chat-Verläufe – alles öffentlich einsehbar.

Das Authentifizierungs-Desaster

Die technische Ursache liegt im Design: Moltbot genehmigt Localhost-Verbindungen automatisch ohne Authentifizierung. Praktisch für lokale Setups, fatal für reale Deployments hinter Reverse-Proxies. Alle Verbindungen erscheinen als lokal, externe Zugriffe werden durchgewunken. Borncity berichtet von Fällen, in denen Nutzer Signal-Konten auf öffentlich zugänglichen Servern einrichteten – Pairing-Credentials weltweit lesbar in temporären Dateien.

Ein exponiertes System einer KI-Agentur erlaubte sogar die Ausführung beliebiger Befehle mit Root-Rechten. Matvey Kukuy, CEO von Archestra AI, extrahierte per Prompt-Injection binnen fünf Minuten einen privaten Schlüssel. Die Blockchain-Sicherheitsfirma SlowMist identifizierte mehrere hundert kompromittierte API-Schlüssel.

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.