Cybercab-Start in Austin: Robotaxi ohne Lenkrad, Launch ohne Öffentlichkeit
Tesla lässt sein lenkradloses Cybercab in Austin fahren, schottet die Präsentation aber mit Verschwiegenheitserklärung und ohne Livestream ab; ein seltsames Signal im Rennen gegen Waymo.
Ein Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale fährt jetzt durch Austin, doch wer live zusehen wollte, hatte keine Chance: Tesla ließ zur Vorstellung seines Cybercab keine Kameras zu und verpflichtete Gäste auf Verschwiegenheit. Genau dieser Widerspruch zwischen großer Ankündigung und kleiner Bühne macht den Start bemerkenswert.
Elon Musk hatte auf der Plattform X einen „Sturm von Cybercabs“ versprochen, geliefert wurde ein privates Event unter Ausschluss klassischer Medien. Der Konzern selbst bewarb die goldglänzenden Zweisitzer mit Flügeltüren später in mehreren Videos, in denen Fahrgäste auf den Sitzen lümmeln oder sich mit Videospielen ablenken.
Verschwiegenheitserklärung statt Livestream
Zur Präsentation am Donnerstagabend in Austin lud Tesla ausschließlich handverlesene Gäste ein, größtenteils Pro-Tesla-Accounts, wie Google News Wirtschaft (DE) berichtet. Klassische Medien waren laut Handelsblatt nicht zugelassen, einen Livestream gab es nicht. Besucher mussten Berichten auf X zufolge vorab eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Diese Informationskontrolle wirkt ungewöhnlich für ein Produkt, das Musk selbst als „Zukunft von Tesla“ bezeichnet.
Auffällig ist zudem, dass selbst sonst kritische Tesla-nahe Accounts nicht eingeladen wurden. Musk selbst blieb auf seinem eigenen Account bemerkenswert zurückhaltend und teilte laut Google News Wirtschaft (DE) nur wenige Beiträge ohne größere Details, was angesichts seiner sonstigen Ankündigungsfreude auffällt. Ob dahinter technische Unsicherheit oder schlicht eine bewusste Hype-Strategie steckt, mit der Tesla Vorfreude statt Details verkauft, lässt sich von außen nicht abschließend klären.
Zweisitzer ohne Lenkrad startet in Austin
Ashok Elluswamy, Teslas KI-Chef, erklärte laut Handelsblatt: „Das Cybercab ist da. Es ist wirklich da.“ Er ergänzte: „Das Cybercab gehört jetzt offiziell zur Robotaxi-Flotte. Sie können rausgehen und mitfahren. Es steht der gesamten Öffentlichkeit offen.“ Der goldglänzende Zweisitzer mit Flügeltüren hat weder Fahrersitz noch klassische Bedienelemente und lässt sich laut Tesla per App für Fahrten zur Arbeit oder für Besorgungen rufen. Platz bietet der Zweisitzer laut Unternehmensangaben außerdem für Gepäck, Golfschläger oder Roller.
Das Fahrzeug wird in bestehende Robotaxi-Strukturen in Austin integriert und soll laut Recherchen zunächst nur in begrenzten Bereichen der Stadt unterwegs sein. Details zu Tarifen und dem Zeitpunkt eines breiteren, regulär bezahlten Angebots blieben unklar, obwohl Tesla nach eigenen Angaben bereits jetzt bezahlte Fahrten anbietet. Treffen diese Angaben zu, befördert damit erstmals ein Serien-Tesla Passagiere, ohne dass ein Mensch an Bord eingreifen kann.
Wettlauf mit Waymo bleibt offen
Damit tritt Tesla in direkte Konkurrenz zu Waymo, der Robotaxi-Tochter von Google, die in mehreren US-Städten bereits im regulären, öffentlich einsehbaren Betrieb fährt. Während Waymo auf Transparenz bei Sicherheitsdaten und Betriebszahlen setzt, hält sich Tesla bei genau diesen Informationen bedeckt.
Der abgeschottete Launch nährt die Frage, ob das Cybercab technisch schon so weit ist, wie Musk es öffentlich darstellt, oder ob die Geheimhaltung vor allem eine kontrollierte Erzählung sichern soll. Eine belastbare, unabhängige Prüfung der Sicherheitsleistung des fahrerlosen Systems steht bislang aus. Für Musk geht es dabei um mehr als ein neues Fahrzeug: Das Cybercab soll beweisen, dass Teslas Wette auf vollautonomes Fahren aufgeht, während Waymo längst im Alltag angekommen ist.
Business Punk Check
Fakt ist: Tesla bietet in Austin erstmals ein Serienfahrzeug ohne Lenkrad im bezahlten Betrieb an, bestätigt durch Aussagen von Elluswamy laut Handelsblatt. Fakt ist auch, dass die Präsentation ohne Livestream, ohne unabhängige Presse und mit Verschwiegenheitserklärung ablief, wie Handelsblatt und Google News Wirtschaft (DE) übereinstimmend berichten.
Interpretation: Diese Informationskontrolle passt schlecht zu Musks Anspruch, die „Zukunft des Transports“ zu zeigen. Offen bleibt, ob sich hinter der Geheimhaltung technische Zurückhaltung oder reines Kalkül verbirgt und wie das Cybercab im direkten Sicherheitsvergleich zu Waymo abschneidet.
Auf einen Blick
- Tesla startet das lenkradlose Cybercab als bezahlten Robotaxi-Dienst in Austin, Texas.
- Der Launch fand ohne Livestream und unter Ausschluss klassischer Medien statt, Gäste unterschrieben eine Verschwiegenheitserklärung.
- Teslas KI-Chef Ashok Elluswamy bestätigte die Aufnahme des Cybercab in die bestehende Robotaxi-Flotte.
- Details zu Tarifen und einem breiteren öffentlichen Angebot blieben unklar, während Waymo bereits transparenter operiert.
Quellen: Handelsblatt, Google News Wirtschaft (DE), Motor1, Electrek