work wise · Christian Lindner

Danke FDP, wir wissen jetzt: Die ganze Welt ist eine Bühne

Christian Lindner steht im Kreuzfeuer
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Aktualisiert
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Die FDP hat den Koalitionsbruch nicht nur detailliert vorbereitet, sie hat auch in einem „D-Day“-Papier versucht, ihn haarklein zu inszenieren. Damit führt sie vor, dass Politik vor allem eines ist: ein Schauspiel. Irgendwie hatten wir uns mehr erhofft.

Danke FDP. Danke, dass Du uns jetzt schwarz auf weiß vor Augen hältst, dass Politik vor allem eines ist: Inszenierung. Du kennst Deinen Shakespeare vorzüglich: „Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“, schrieb dieser Großdichter, dem nichts Menschliches unbekannt gewesen ist, vor viereinhalb Jahrhunderten. Und es hat sich nichts geändert.

Die Liberalen haben ihren Koalitionsbruch nicht nur detailliert vorbereitet, was eine saubere Sache gewesen wäre, nein: Sie haben ihn auch haarklein inszeniert. Schließlich versteht sich ihr Anführer, Parteichef Christian Lindner auf den richtigen Auftritt. Unvergessen sind seine Wahlplakate einsam unter der Schreibtischlampe vor einem Aktenberg sitzend oder im Unterhemd am Handy. Das alles ist cool, wenn man gewinnt. Es sorgt aber für Spott, wenn man verliert. Und das ist jetzt passiert.

Die Überinszenierung von Politik ist eine Schwäche, der Politiker in dem Maße mehr verfallen, wie sich ihr ganzes Leben zum Stoff von Social-Media-Soaps entwickelt hat. Wird die Überinszenierung dann offensichtlich wie im Fall des „D-Day“-Papiers der FDP, sieht es eben nicht nach professionellem Tun, sondern nach Seifenoper aus. Und wer will schon offiziell einen Operettenstaat, auch wenn einem seine lustigen Seiten unterhalten?

Haken dran. Doch was nun, liebe FDP? Das Beste wäre, die Liberalen würden in einen Wahlkampfmodus finden, der dazu beiträgt, dass sie die Wählerinnen und Wähler als ernstzunehmende politische Alternative über die Fünf-Prozent-Hürde hieven. Ihre Stimme gegen Regulierung und Staatsbevormundung und für Selbstverantwortung und Freiheit wird unverändert gebraucht. Dummerweise sehen bloß die Protagonisten dieser liberalen Idee nach drei Jahren Ampel-Koalition auch ziemlich gebraucht aus. Sie verfangen sich in der Vergangenheitsbewältigung, anstatt sich ans Werk zu machen, und die nächsten vier Jahre in Angriff zu nehmen. Darin liegt gerade das wahre Problem der FDP.

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.