Deluxe & Destinations Keeping Up: Ich habe ChatGPT zum Thema „Arbeiterkind“ und Karriere befragt

Keeping Up: Ich habe ChatGPT zum Thema „Arbeiterkind“ und Karriere befragt

Als ich den Begriff „Arbeiterkind“ das erste Mal hörte, konnte ich mir nicht viel darunter vorstellen. Alle Menschen arbeiten, ich bin erwachsen. Also: Hä? Wie so viele Begriffe reduziert er nur ein komplexes Gefüge in einen Frame. Welche Glaubenssätze ich erst mal als „Arbeiterkind“ loswerden musste, habe ich im zweiten Teil meiner Artikelreihe geschrieben. All das heißt auch: gewisse Stereotype, Kontexte und vor allem auch Themen sind mit dem Begriff verknüpft. Welche?

Das habe ich mit ChatGPT versucht herauszufinden. Denn wenn man bedenkt, dass ChatGPT ein Sprachmodell ist und Wörter in ihrem Zusammenhang ermittelt, müssen sich damit doch verwandte Themen finden lassen. Also habe ich ChatGPT „interviewt“ und mir sowohl Fragen als auch Antworten geben lassen. Die Prompts habe ich sehr einfach gehalten. Für die Fragen: „Nenne mir sieben Fragen, die ich einem Arbeiterkind zum Thema Karriere stellen kann“. Für die Antworten: „Beantworte mir [Frage] aus der Perspektive eines Arbeiterkindes.

Persönliche Einschätzung der Antworten

An der Stelle ist anzumerken: Gibt man den Prompt genau so ein, erhält man immer wieder andere Fragen. Gleiches gilt für die Antworten. Die Themenfelder bleiben aber gleich: Bildung, Netzwerk, begrenzte Ressourcen, Hindernisse, Selbstvertrauen. Tatsächlich sind das häufige Themen im Diskurs über „Arbeiterkinder“. Sie sind auch alle wichtig und im Gegensatz zu den Antworten von ChatGPT mit Abstand nicht so generisch.

Dennoch konnte ich mich in den Antworten teilweise wiederfinden: Schulische Bildung hatte oberste Priorität. Erst Hausaufgaben, dann Hobbys. Ich sollte es mal „besser“ haben, mehr Auswahlmöglichkeiten für meine berufliche Zukunft.

Finanzieller Erfolg bedeutet, sich ohne Probleme den Lebensunterhalt sichern zu können. Durch fehlende Netzwerke und Vorbilder im näheren Umfeld, kommt man teilweise erst gar nicht auf den Gedanken gewisse Berufe auszuüben, weil sie unerreichbar scheinen. Hatte sicherlich einen Einfluss auf die Karriere, aber vielleicht wäre ich auch mit Netzwerk den Weg gegangen, den ich gegangen bin. I will never know.

Ich persönlich hatte das Glück, nicht auf Vorurteile oder Ähnliches gestoßen zu sein. Vielleicht, weil ich auf dem Gymnasium war, studiert habe und damit quasi mehr oder weniger „undercover“ war. Nebenjobs, klar. Während andere nach dem Abi in Australien waren, habe ich Praktika und Mini-Jobs gemacht, um Geld zu verdienen, um es „für später“ auf die Seite zu legen. Auf Bildung konzentrieren war auch im Studium mehr als wichtig, man will es sich schließlich zu keinem Zeitpunkt „versauen“, sich einen Weg abkappen, wegen schlechter Leistung. Alle Wege müssen möglichst lange offen sein. Denn man wird nicht immer den Favorite-Weg gehen können.

Unterstützung gab es meist, dass sich das Umfeld wünscht, dass man es schafft und finanziell unterstützt wo es geht. Ich wusste damals nichts von Netzwerken für „Arbeiterkinder“. Für sowas sind dann Plattformen wie Linkedin tatsächlich gut. Man hat Vorbilder, kann in Kontakt gehen, nach Hilfe fragen. Diese mögliche Nähe ist wertvoll.

Übrigens: Ich habe ChatGPT auch Fragen für „Akademikerkinder“ stellen lassen. Auffallend: Das Wort Hindernis tauchte nicht auf, stattdessen das Wort Vorteil. Sprich: „Welche Vorteile und Herausforderungen“ statt wie bei „Arbeiterkindern“: „Hindernisse und Herausforderungen“. Auch interessant: Fragen der Erwartungshaltung wie: „Wie gehst du damit um, dass deine Eltern oder andere Familienmitglieder möglicherweise hohe Erwartungen an deine beruflichen Leistungen haben?“. Gibt es bei Arbeiterkindern übrigens auch, wenn sie es unbedingt besser haben sollen und man weiß, die Eltern geben alles, was sie können.

Hier geht es zum ersten Artikel der Reihe.

Das könnte dich auch interessieren