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„Die Natur gibt uns so viel – ich will mich revanchieren“

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Aktualisiert
Lesezeit7 Min · 1.302 Wörter

Es geht auch im Leben eines Profisurfers nicht immer nur um die perfekte Welle. Deshalb gründete Jon Rose vor rund zehn Jahren die Organisation Waves For Water, die sich dafür einsetzt, Menschen in aller Welt mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Dank einer Partnerschaft mit Dockers wird auf diese Mission in sozialen Medien verstärkt aufmerksam gemacht und es konnten durch Spenden 500 tragbare Wasserfiltersysteme gekauft werden. Die 1986 in Kalifornien gegründete Marke bemüht sich ihrerseits bei der Produktion ihrer Mode wie der legendären Khakihose um eine Reduktion des Wasserverbrauchs: 2020 wurden dadurch 24 Millionen Liter eingespart.

Mit dem Surfer, Globetrotter und Umweltaktivist Kepa Acero ist seit kurzem ein weiterer Top-Wellenreiter mit von der Partie, als Botschafter der Capsule Collection Jon Rose x Dockers. Zugleich ist Acero Mitbegründer des Start-ups Ocean52, das Mineralwasser in unendlich recyclebaren Aludosen verkauft und über die Hälfte seines Gewinns an gemeinnützige Zwecke weiterreicht. Im Vergleich zu Herstellung einer neuen Getränkedose reduziert das Recycling den Energieaufwand um 95 Prozent. Jede gesammelte Dose steht außerdem circa 60 Tage später wieder frisch befüllt im Supermarktregal.

Wir haben Kepa Acero unter anderem zum humanitären Engagement befragt, zu besonders prägenden Reisezielen und welcher Song seine Surf-Leidenschaft am besten ausdrückt.

Cheers, Kepa Acero! Quelle: Dockers

Herr Acero, wie geht ein Surfer, der sich sonst ständig irgendwo auf der Welt in die Wellen stürzt, mit so vielen Monaten im Lockdown um? 

Klar hat mir das Reisen gefehlt. Da gab es emotionale Höhen und Tiefen, wie bei anderen Menschen sicher auch. Immerhin ans Alleinsein war ich gewohnt, denn meist bin ich solo unterwegs. Was mich sehr nachdenklich gemacht hat: Unser Planet atmete auf, als wir im Lockdown waren. Das soll keineswegs die Gefahr durch das Virus und die oft tragischen Folgen für Erkrankte und deren Angehörige verharmlosen. Doch sobald Konsum, Produktion und Verkehr abnahmen, begann die Natur, sich von uns zu erholen, mobilisierte sie erstaunliche Selbstheilungskräfte. Wale näherten sich Häfen, die kein Schiff mehr ansteuerte. Rentiere spazierten durch die Straßen. Das Meerwasser in der Nähe großer Städte klarte auf. Solche Bilder erfüllen mich mit Hoffnung.

Welche Reise konnten Sie vor der Pandemie noch sicher antreten? 

Ich war mit ein paar Freunden im Senegal, als das Coronavirus ausbrach. Tief im Dschungel, wo wir den Einheimischen Boards spendeten, um sie zum Surfen zu inspirieren, bekamen wir mangels Strom und Internet nur zunächst nichts mit. Erst als wir in Madrid landeten, wurde uns die Lage bewusst. Und eine Woche später saß jeder isoliert bei sich Zuhause.

Welches Ihrer bisherigen Abenteuern hat Sie am meisten geprägt?

Nie vergessen werde ich meine erste Reise nach Namibia 2010, das damals noch nicht als grandioses Surfgebiet bekannt war wie heute. Ich hatte von der legendären Skeleton Coast gehört, im Norden des Landes und quasi mitten in der Wüste. Da wollte ich hin, hatte aber zugleich etwas Angst vor dem Flug ins Ungewisse und schlief in der Nacht vorher schlecht. Würde das Erlebnis den Stress wert sein? Am nächsten Tag in die Maschine zu steigen, stellte sich dann als beste Entscheidung meines Lebens heraus. Vor allem wegen der Familie, deren Stamm in der Nähe meines Ziels beheimatet war und bei denen ich eine zeitlang nicht bloß wohnte, sondern ihre Lebensweise übernahm. Wieder aufzubrechen war irre schwer, denn ich verließ sehr gute Freunde. Doch die gemeinsamen Wochen waren ein fester Teil von mir geworden, den ich bis heute in mir trage. Völlig egal, ob ich da perfekte Wellen gefunden hatte, die ganze Reise war wie eine Wiedergeburt für mich. Seitdem habe ich nie aufgehört, allein unterwegs zu sein und trotzdem überall aufs Neue Gemeinschaft gefunden.

Als Mitbegründer von Ocean52 wollen Sie einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten, mit Mineralwasser aus Dosen. Wie kam es dazu? 

Ich war 2016 über Weihnachten zum Surfen im baskischen Küstenort Mundaka, wo ich schon seit frühester Kindheit surfe. Ich nahm eine ganz normale Welle, wie Tausende vorher. Nur, dass mich diese vom Brett holte und ich mit dem Kopf auf dem Meeresgrund aufschlug. Es war, als hätte jemand den Fernseher ausgemacht. Glücklicherweise waren Freunde dabei, die mich aus dem Wasser fischten und ins Krankenhaus brachten. Nach einer sehr komplizierten Operation sagten mir die Ärzte, dass ich mir das Genick gebrochen hatte – aber mit viel Glück wieder würde laufen können. Als ich da so im Krankenbett lag mit fixiertem Nacken, wurde mir klar, dass ich von nun an jeden Tag wie ein Geschenk betrachten sollte. Ich war dem Tod und einer schweren Behinderung entronnen und stellte mir zwei Fragen: Mit wem möchtest du deine verbleibende Zeit verbringen – und was möchtest du tun? Nach der Reha fing ich wieder an zu reisen, aber mit zwei Herzensanliegen im Gepäck: Die Natur gibt uns so viel, da wollte ich mich revanchieren. Daraus wurde Ocean52, ein Start-up, mit dem wie Mineralwasser in ewig recyclebaren Aludosen verkaufen und 52 Prozent des Gewinns für den Schutz der Meere spenden. Wir sind vermutlich das einzige Wasser-Business, das empfiehlt, am besten Leitungswasser aus dem Hahn zu trinken. Mein zweiter Wunsch war es, den Menschen vor Ort, die uns Surfer so freundlich und selbstlos in ihrer Mitte aufnehmen, etwas zurückzugeben. Das haben wir mit dem Projekt „It’s Not Only About Waves“, das Einheimischen Surfbretter schenkt und sie anleitet, sowie dem gleichnamigen Dokumentarfilm auch geschafft.

Die Passion fürs Surfen mit einem Business und Umweltaktivismus zu verbinden, das gelingt nur wenigen. Was raten Sie allen, die das auch schaffen wollen? 

Ich glaube, man muss ein echter Träumer sein. Dazu noch irre mutig – und mit einer guten Erdung in der Wirklichkeit. Und manchmal passieren einfach tolle Dinge wie das Projekt von Jon Rose und Waves for Water mit Dockers, bei dem ich nun mit dabei bin. Ich bewundere Jon sehr und weiß aus eigener Erfahrung, dass Wasser zu Menschen zu bringen bedeutet, ihnen Leben zu bringen. Diesen Anstrengungen meine Stimme zu leihen, das ist einer dieser Träume, die in Erfüllung gegangen sind. 

Die größte Welle, die Sie bisher erobern konnten? 

Das war ein 7-Meter-Gigant daheim im Baskenland. Noch eindrucksvollere Exemplare habe ich aber auf Hawaii gesehen, da fühlt man sich als Ameise im Ozean. 

Welche drei Orte haben Sie persönlich weitergebracht? 

In Angola hat mich die Lebensfreude der Menschen angesteckt, die zwar oft mit sehr wenig Besitz auskommen müssen, dafür aber mehr im Jetzt leben und sich nicht so viele unnötige Sorgen machen wie wir. Im Senegal lernte ich, wie wichtig der Zusammenhalt und die Nächstenliebe eines Stammes für den Einzelnen ist. In einer kleinen Stadt in Indonesien konnte ich ganz pragmatische Nachhaltigkeit erleben, weil die Bewohner keinen einzigen Rest von Lebensmitteln wegwarfen. Was nicht auf ihren Tellern landete, kam als Futter den Tieren zugute. 

Der beste Film, um so richtig in Reiselaune zu kommen? 

Da fällt meine Wahl zunächst auf „Kon-Tiki“, der von einer spektakulären Expedition des Naturforschers Thor Heyerdahl erzählt. Der fuhr 1947 auf einem nach alter Handwerkskunst gebauten Holzfloß von Peru nach Polynesien, um eine Theorie früherer Migrationsströme zu überprüfen. Und „Into the Wild“ über den US-Studenten Christopher McCandless, der sich nach einem zweijährigen Roadtrip in der Einöde Alaskas von der Zivilisation zurückzieht. 

Wenn das Surfen ein Song wäre, wie würde er klingen? 

Wie eine von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Mal eher der euphorische Frühling und mal ein stürmischer Herbst. 

Siems Luckwaldt

Siems Luckwaldt ist unser Mann fürs Schöne. Er kümmert sich bei Business Punk um Mode, Beauty und andere total wichtige Themen.