gesundheit! · Laborfleisch

Die Zukunft des Fleischkonsums: Wird Laborfleisch bald alltagstauglich?

Laborfleisch
Laborfleisch, Quelle: Shutterstock
Erschienen
Lesezeit5 Min · 932 Wörter

Fleisch aus dem Labor. Dieser Begriff geistert nun bereits seit einigen Jahren herum. Die einen finden das spannend, die anderen völlig absurd. Könnte das Fleisch aus dem Labor entscheidende Vorteile für Umwelt und Tierwohl haben? Wir klären über das ominöse Laborfleisch auf.

Clean Meat, In-vitro-Fleisch oder kultiviertes Fleisch – wie auch immer man es nennen mag, das Konzept dahinter klingt futuristisch. Doch schon lange ist die Vorstellung eines herangezüchteten Stücks Fleisch oder Fisch kein Science-Fiction-Szenario mehr. In manchen Ländern wird das Clean Meat bereits verkauft. Umweltfreundlicher soll diese Fleischproduktion auch sein. Doch ist das alles wirklich so “clean”, wie der Name verspricht?

Fleisch aus dem Labor: Ein Blick auf die Herstellung

In-vitro-Fleisch wird in Zellkulturen gezüchtet, ein Verfahren, das „Tissue Engineering“ genannt wird. Der Prozess beginnt mit der Entnahme von Muskelgewebe von lebenden Tieren wie Kühen. Aus diesem Gewebe werden dann Stammzellen isoliert und in einer Nährlösung kultiviert.

Das klingt auf den ersten Blick tierleidfreier als herkömmliche Schlachtmethoden. Dennoch gibt es einen ethischen Haken: Um die Stammzellen wachsen zu lassen, wird fötales Kälberserum benötigt, das aus dem noch schlagenden Herzen eines Fötus gewonnen wird – dafür wird die Kuh getötet, und der Fötus stirbt auch. Forscherinnen und Forscher arbeiten jedoch bereits an der Verwendung alternativer, gentechnisch maßgeschneiderte Wachstumsfaktoren, um diese ethische Herausforderung zu überwinden.

Ein Trägergerüst unterstützt dann die Bildung von dünnen Fleischschichten, die in ihrer Konsistenz Hackfleisch ähneln. Dieses Trägergerüst stammt allerdings auch häufig aus tierischen Quellen, meist Kollagen aus Knochen, wobei auch das durch pflanzliche Alternativen ersetzt werden könnte.

Ist Laborfleisch wirklich so umweltfreundlich?

Ein Hauptargument zugunsten von Laborfleisch ist seine vermeintliche Umweltfreundlichkeit im Vergleich zur traditionellen Fleischproduktion. Verschiedene Studien widersprechen sich dahingehend, was auch daran liegt, dass die Produktion von Laborfleisch noch lange nicht massentauglich ist und über die Umweltauswirkungen deshalb nur spekuliert werden kann.

Weniger Landfläche nimmt die Züchtung von In-vitro-Fleisch in jedem Fall ein. Auch der Wasserverbrauch könnte beim Clean Meat deutlich geringer ausfallen. Beim Energieverbrauch sind sich Expertinnen und Experten uneinig. Es könnte sein, dass die Produktion von Fleisch in Petrischalen mehr Energie verbraucht als die konventionelle Tierhaltung. Eine Untersuchung der Beratungsfirma CE Delft aus dem Jahr 2021 ermittelte, dass Fleisch aus dem Labor in jedem Fall umweltfreundlicher ist, sofern erneuerbare Energien zur Produktion verwendet werden.

Grundsätzlich muss in Umweltfragen stark zwischen den verschiedenen Tierarten unterschieden werden. So brauchen Rinder viel Land und Futter und sie produzieren Methan. Bei Rindfleisch könnte sich die Herstellung im Labor demnach für die Umwelt extrem lohnen. Tierarten wie Schweine oder Hühner haben hingegen einen viel kleineren ökologischen Fußabdruck, weshalb auch die Vorteile von Laborfleisch geringer ausfallen. Vonseiten des Umweltbundesamtes ist es in jedem Fall die beste Alternative, überhaupt weniger Fleisch zu essen – sowohl für die Umwelt als auch für die Gesundheit.

Zulassungen und Kosten: Die aktuellen Entwicklungen

In einigen Ländern wie Singapur ist Laborfleisch bereits seit 2020 auf dem Markt. Huber’s Bistro serviert beispielsweise Laborhühnchen des Herstellers “Good Meat”, und die Nachfrage ist hoch. Dabei soll eine Portion bei verhältnismäßig günstigen 15 Euro liegen – wobei die Laborhühnchen “gestreckt” sein sollen, also nicht aus reinem Laborfleisch bestehen. Auch in den USA darf “Good Meat” und “Upside Foods” seit Sommer 2023 Laborhühnchen verkaufen – allerdings erst einmal nur in Restaurants, nicht in Supermärkten. Die Lebensmittelbehörde FDA hält das Laborfleisch für genauso sicher wie herkömmliche Lebensmittel.

Obwohl die Herstellungskosten für Laborfleisch langsam sinken – so hat der erste Burger-Bratling aus Labor-Rindfleisch im Jahr 2013 noch 250.000 Euro gekostet –, übersteigen sie deutlich die Kosten für herkömmliches Fleisch. Eine Marktanalyse der niederländischen Beratungsfirma CE Delft schätzt, dass Laborfleisch mindestens 100-mal teurer ist. Selbst im günstigsten Szenario geht die Unternehmensberatung davon aus, dass der Preis für Laborfleisch bei etwa 15 Euro pro Kilogramm liegen würde. Dies wäre immer noch das Zehnfache der aktuellen Produktionskosten für Schweinefleisch in Deutschland. Doch stellt sich an dieser Stelle natürlich auch die berechtigte Frage, ob Fleisch nicht allgemein zu günstig ist. Auch hängen die Kosten von Laborfleisch vor allem vom Produktionsvolumen ab. Mit einer steigenden Produktionsmenge von Laborfleisch könnte es sich schneller einen wettbewerbsfähigen Preisvorteil auf dem Markt sichern.

Und wie finden das die Verbraucherinnen und Verbraucher?

Einer Umfrage der Universität Osnabrück zufolge würden 58 Prozent einen Burger aus kultiviertem Fleisch essen. In der Offenheit dieses Produkts zeichnet sich eine Tendenz, die der Biologiedidaktiker Dr. Florian Fiebelkorn wie folgt beschreibt: “Jüngere sind offener als Ältere, Männer offener als Frauen, Gebildete offener als Ungebildete.” Er ist außerdem der Meinung, dass das Marketing beim Erfolg des Laborfleisch eine große Rolle spielen wird. “Wenn ich Menschen frage, ob sie bereit sind, Fleisch aus dem Reagenzglas oder Laborfleisch zu essen, reagieren sie eher negativ. Fragt man nach der Bereitschaft, kultiviertes Fleisch zu essen und erklärt den Herstellungsprozess analog zu dem Wachstum eines Tieres, steigt die Akzeptanz”, so Fiebelkorn. „Food Neophobia“ nennt sich der Begriff, wenn Menschen ein Lebensmittel aus Angst vor einem neuen Lebensmittel ablehnen. Das scheint häufiger der Grund für eine Ablehnung von In-vitro-Fleisch zu sein. Auch finden viele Personen Laborfleisch eklig, wie Fiebelkorn erklärt.

Es bleibt also abzuwarten, ob wir neben den veganen Burgern als Alternative bald auch einen Laborfleisch-Burger im Restaurant bestellen können. Fiebelkorn ist optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass kultiviertes Fleisch für meine Kinder in vielleicht 15 Jahren ein normales Produkt sein wird.“

Portrait Business Punk Redaktion

Business Punk Redaktion

Hier schreibt die Business-Punk-Redaktion. Mal er, mal sie, mal gar keiner. Ach und kauft unser Heft! Danke.