Diese klimafreundliche Sparmöglichkeit kennen (zu) wenige Unternehmen
Gastbeitrag von Florian Resatsch, CEO von Elevion Green.
Wenn man sich einmal fünf Minuten Zeit nimmt und mit Google Maps über ein beliebiges Industriegebiet in einer deutschen Stadt surft, dann sieht man die Chance und das Problem. Die Chance ist, dass wir die Energiewende schaffen, weil es genügend Dächer gibt, die sich für eine Photovoltaik-Anlage eignen würden. Das Problem: Man sieht einfach nicht genug Dächer, die PV haben. Das sollten wir schleunigst ändern.
Über 100 Kohlekraftwerke ersetzen? Könnten unsere Gewerbedächer
Deutschlands Gewerbedächer bieten ein enormes Potenzial für Photovoltaikanlagen. Laut einer Analyse vom Unternehmensimmobilien-Spezialisten Garbe Industrial Real Estate könnte die Nutzung dieser Dächer eine Leistung von 121 Gas- oder Kohlekraftwerken erbringen. Doch bisher werden nur etwa zehn Prozent dieser Flächen genutzt. Warum? Einige Gewerbe zögern aufgrund der Einstiegskosten, viele scheuen bisher den scheinbar komplizierten und analogen Beauftragungsprozess. Die Realität sieht aber mittlerweile anders aus.
B2B-Solar: Ein klarer Business Case
Die Fakten: Selbst erzeugter Strom ist auf lange Sicht günstiger als zugekaufte Energie. Denn die Investition in Photovoltaik amortisiert sich oft schon nach sieben Jahren – bei einer Lebensdauer der Anlagen von 30 bis 40 Jahren. Damit wird PV zu einem handfesten Business Case, denn sie sparen durch Energiekosten.
Hinzu kommt die gewonnene Unabhängigkeit. Zwar mögen Ereignisse wie der kürzliche technische Fehler an der Strombörse oder geopolitische Konflikte hoffentlich die Ausnahme bleiben. Doch führen sie uns vor Augen, welche Abhängigkeiten wir in unserer komplexen Struktur der Energiewirtschaft haben. Dezentrale Energieversorgung kann also dabei helfen, die Risiken in der Energieabdeckung zu reduzieren.
Seilbahn fährt mit Sonne – auch das ist dezentrale Stromversorgung
Die Use-Cases sind dabei vielfältig. Ein niederländisches Stahl-Produktionsunternehmen hat beispielsweise 760 Solarmodule sowie Energiespeichersysteme installiert, um den Bedarf der Firma über die bestehende Stromversorgung hinaus zu decken. In Österreich hingegen wird eine Seilbahn mit Solarenergie betrieben. Dezentrale Stromversorgung kann also ganz unterschiedliche Gesichter haben und weit über die “klassische” Lösung für Flachdächer von Bürokomplexen oder Hallen hinausgehen.
Fortschritt bei Technologie macht Solar noch attraktiver
Und die Möglichkeiten für den Einsatz im Gewerbesektor werden noch zunehmen. Einerseits durch Leichtbau-Module, durch die die Statik des Dachs noch weiter geschont werden kann. Dadurch können z. B. auch ältere Hallen für PV genutzt werden, für die das bisherige Gewicht der Anlagen zu viel gewesen wäre. Interessant sind auch sogenannte “bifaziale” Module. Sie können Licht sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite aufnehmen – das ist gut, wenn die Sonne nicht direkt scheint, sondern eher diffus durch die Wolken dringt. Noch sind diese Module teurer, aber sie versprechen höhere Erträge.
Andererseits wird auch im Zuge der Digitalisierung die Berechnung des PV-Potenzials und die Planung der Module leichter. Bisher war das Business noch sehr auf Pen-und-Paper fixiert, das ändert sich aber langsam.
Denn die Energiewende ist weltweit längst angeschoben und ein ständig wachsender Geschäftszweig. Die Frage ist längst nicht mehr, ob sie kommt, sondern wer die daraus resultierenden Chancen nutzt. Wenn dann auch noch die Politik, wie im Solarpaket 1, Gewerbeimmobilien mitdenkt und etwa eine höhere Einspeisevergütung ausgibt, wird der Business Case hinter PV auf Gewerbedächern noch eindeutiger. Denn wirtschaftlich handeln und noch etwas für das Fortbestehen der Menschheit tun – ist das nicht, was wir Unternehmer:innen uns wünschen?