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Dreckiger Typ 

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Erschienen
Lesezeit4 Min · 852 Wörter

Der neue Defender Octa sieht dreckig besser aus als sauber, meint Mark Cameron, der ihn entwickelt hat. Für Punker könnte das ein unschlagbares Argument sein. Welche Vorzüge hat er sonst noch? 

Ihr seid harte Outdoor-Typen? Oder mögt Ihr es doch lieber bequem und edel? Oder darf es ein bisschen schneller sein? Egal, wer mindestens 185 000 Euro locker machen kann, hat jetzt die Chance sich einen Defender Octa zu bestellen. 635 PS und 750 Nm Drehmoment verbergen sich unter seiner bulligen Haube. Zwingt man ihn in den sogenannten Dynamic Launch Modus, sind sogar 800 Nm drin.  

Der Über-Defender beherrscht den Ritt durchs Gelände genauso wie das Vorfahren vor der Oper. Er liegt etwas höher als der normale Defender, fährt also durch tieferes Wasser, was bei der derzeitigen Starkregenneigung ja nicht zu verachten ist. Er beschleunigt in gut vier Sekunden auf 100 km/h und schafft 250 km/h Spitze. Hinten ragen vier Endrohre raus, freiliegende Abschleppösen in Bronze sehen auch ganz schön aus. Mir hat am besten das „Body and Soul“-Gestühl gefallen, das den Bass der Musik in die Sitzlehnen überträgt und einen durch und durch vibrieren lässt. 

Mark Cameron ist der Defender-Chef, wir treffen ihn bei einer hochgeheimen Preview bei einem Düsseldorfer Petrol Head mit umfangreicher Sammlung. Cameron hat zwei Octas mitgebracht, wir dürfen probesitzen, während Mark von seinem Octa schwärmt. 

Hi Mark, der Defender Octa ist eine Mischung aus Luxus und Abenteuer. Was überwiegt? 

Es ist das Versprechen von Abenteuer, dass die Kunden lieben. Die meisten nutzen ja oft gar nicht die Off-Road-Möglichkeiten, die ein Defender bietet, aber sie lieben es, es tun zu können. Dazu kommt ein bisher nicht dagewesenes Maß an Leistungsfähigkeit, Performance und Luxus – nicht der Luxus eines Range Rover, der Octa bleibt ein Defender. Aber die Sitze zum Beispiel, die den Sound der Musik unterstützen. Das ist einmalig. 

Wieviel nutzen denn tatsächlich ein Auto wie den Octa für das Abenteuer? 

Die Hälfte der Defender-Fahrer in Großbritannien macht etwa einmal im Monat einen ernsthaften Ausflug ins Gelände. Die Deutschen sind auch ziemlich abenteuerlustig. Die Chinesen und Amerikaner haben allerdings mehr Platz außerhalb der großen Städte und nutzen die Offroad-Funktionen noch stärker. Aber es geht um den Traum und gar nicht so sehr darum, ihn verwirklichen zu können. Die meisten fahren natürlich in der Stadt. Sie bringen die Kinder zur Schule, fahren zur Oper – der Octa macht überall eine gute Figur. Er ist eines der wenigen Autos, die dreckig manchmal noch besser aussehen als sauber. 

Der Defender hat eine lange Historie und ist eine Ikone. Wie schwer ist es, ihn zu modernisieren, ohne das Ikonenhafte zu zerstören? 

Für viele Menschen auf der Welt ist der Defender das erste Auto, was sie jemals zu Gesicht bekommen haben. Und es ist ziemlich schwer, da etwas zu verändern. Wir arbeiten natürlich an einer elektrischen Version, das wird den Charakter des Autos aber verändern, was nicht allen gefällt. Um eine hohe Reichweite zu erzielen, müssen wir auch an der Aerodynamik arbeiten. Da wird es Kompromisse geben müssen. Bis 2030 wollen wir das aber ungesetzt haben. 

Wollen die Defender-Fans wirklich eine Elektrokarre haben? 

In manchen Fällen nicht, in anderen schon. Einige Kunden wollen elektrisch fahren, zudem gibt es zum Beispiel steuerliche Gründe, die für eine E-Version sprechen. Und dann ist da die Regulierung, die uns vorgibt, E-Versionen anzubieten. Ich denke, dass wir noch länger eine breite Auswahl an Antrieben anbieten werden, um den verschiedenen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. 

Worauf legen die Octa-Kiunden wert? 

Du brauchst eine technologische Glaubwürdigkeit. Es ist ein bisschen wie bei der Rolex, mit der kannst Du 1000 Meter oder tiefer tauchen, aber das macht natürlich niemand. Aber die Kunden wissen, dass es diese Reserve gibt. Das ist es auch, was die Kunden am Octa lieben. Sie lieben die Leistungsreserven, die er hat. 

Wenn der Octa ein Charakter in einem Film wäre – wäre er eher James Bond oder Indianer Jones? 

Das ist witzig: Der Defender wurde in James Bond Filmen oft als Vehikel eingesetzt, das die Bösewichte fuhren. Ich glaube, der Octa ist eher was für Indianer Jones. 

Welche Details am Defender lieben Sie? 

Ich gucke da zum Beispiel auf die Statistik: etwa 70 Prozent der gebauten Defender sind noch im Einsatz. Sie haben eine Aluminium-Karosserie, die nicht rostet. Das ist nachhaltiger als alles andere.  Und wenn Du in einen Defender einsteigst, dann hast Du das Gefühl, als ob du alles tun könntest. Auch wenn du nicht in die Berge fährst, sondern auf der Autobahn und es regnet in Strömen und die Sicht ist schlecht, dann hast du einfach dieses Selbstvertrauen, dass Du eigentlich alles schaffen kannst. 

Welche Ausrüstung würden Sie auf eine Offroad-Reise mitnehmen? 

Ich habe einen großen Hund, 35 Kilo wiegt er, der muss Platz finden. Dann die Off-Road-Reifen und ein guter Sound aus meiner Spotify-Playlist 

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.