Elektrischer Urknall: Die G-Klasse wird zum Stromer
Stellen Sie sich vor, ein Geländewagen-Urgestein lernt plötzlich, lautlos zu gleiten. Genau das erlebe ich bei der Vorstellung der elektrischen G-Klasse von Mercedes in Südfrankreich. Eine Begegnung der dritten Art? Nicht ganz, aber fast.
Die Reise beginnt am malerischen Domaine de Verchant nahe Montpellier. Schon die Anfahrt im klassischen G, ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Zwischen Weinreben und unter der provenzalischen Sonne spüre ich die Ambivalenz dieses Fahrzeugs. Ursprünglich 1979 als robustes Militärfahrzeug konzipiert und liebevoll „Wolf“ getauft, hat die G-Klasse einen bemerkenswerten Wandel vollzogen – vom harten Dienstleister zum luxuriösen Lifestyle-Objekt, das nun in die elektrische Zukunft geführt wird.
Unter der sengenden Sonne des Château de Lastours nehme ich hinter dem Steuer des neuen G 580 mit EQ-Technologie Platz. Von außen der altbekannte Kantenklotz, aber im Inneren pulsiert die Zukunft. Statt Sprit fließt hier Elektrizität durch die Adern – und zwar nicht zu knapp.
Mit einer Leistung von 587 PS katapultiert sich der Koloss trotz seiner drei Tonnen in weniger als fünf Sekunden auf 100 km/h. Ein Gefühl, als würde man von einem Blitz getroffen – nur in geschmeidig. Die 116 kWh-Batterie verspricht bis zu 473 km Reichweite, aber seien wir ehrlich: Wer einen G fährt, tut das nicht aus Sparsamkeit.
Vier einzeln ansteuerbare Elektromotoren verleihen dem G 580 fast übernatürliche Fähigkeiten. Der „G-Turn“ lässt das Fahrzeug auf der Stelle rotieren – ein Manöver, das den ein oder anderen Influencer unter uns ins Schwitzen bringt. Es erfordert offensichtlich ein gewisses Maß an Überwindung und Selbstbeherrschung, dem Instinkt des Gegenlenkens zu widerstehen und das Lenkrad einfach ruhig zu halten.
Artgerechte Haltung erst abseits befestigter Straßen
Der G 580 nimmt alle Herausforderungen im Offroad an. Gewässer bis 85 cm Tiefe? Ein Kinderspiel. Steile Anstiege? Lächerlich. Mit zuschaltbarer Untersetzung und der präzisen Steuerung der vier Motoren klettert der Elektro-G wie Alain Robert auf Montes „GÖNRGY“. Dabei kann man sich als Fahrer gemütlich zurücklehnen und mit dem Instructor nebenbei ein Tässchen Tee schlürfen, während der Stromer gefühlt voll automatisch den Berg hinaufklettert. Sicherlich nichts für Offroad-Puristen, aber irgendwie verdammt beeindruckend und surreal zugleich – eine Ode an die Entwickler und Tüftler, die dieses Kunststück vollbracht haben.
Was mich wirklich überrascht, ist, wie schnell ich Vertrauen finde. Nach nur wenigen Minuten vermittelt mir der G 580 ein außergewöhnliches Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Man hat nicht Angst um sich selbst, eher um den Bodyguard an seiner Seite. Wenn wir mal über einen Geröllbrocken poltern, zuckt der Unterboden nicht mal mit der Wimper. Kein Wunder, denn die Bodenplatte ist ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst. Aus hochfestem Stahl gefertigt und mit über 200 Schrauben alle paar Zentimeter verschraubt, ist dieses Ding so steif, dass man theoretisch zwei G-Klassen darauf stapeln könnte, ohne dass sich die Platte (auf einem Stein liegend) auch nur einen Millimeter nach unten krümmt. Die Batterie ist dabei wie in einem Tresor geschützt – sicher vor Steinschlag, Wasser und allem, was Mutter Natur sonst noch zu bieten hat.

Zwischen den Testfahrten gibt es reichlich Zeit für individuelle Content-Produktion, wenn nicht gerade das Lunch im Michelin-Stern-gekrönten La Chassagnette eskaliert, wo Chef Armand Arnal seine intuitive, naturverbundene Küche präsentiert – passend zum nachhaltigen Konzept des elektrischen G.
Die von Mercedes sorgfältig ausgewählten Spots bieten eine Vielfalt an Kulissen – von natürlichen Landschaften bis hin zu historischen und modernen Architekturen. Things-to-Do der Besuch bei LUMA Arles, wo Frank Gehrys futuristische Architektur den idealen Kontrast zum traditionellen Design des G bildet.
Die Offroad-Skills sind beeindruckend, doch auch auf der Straße überrascht der Koloss. Die Lenkung ist präzise, das Handling erstaunlich wendig, die Fahrdynamik auf Asphalt bemerkenswert gut, trotz des hohen Gewichts und der kantigen Form. Es ist, als hätte man einem Panzer Ballettstunden gegeben.

Besonderes Lob gebührt dem Mercedes-Team und den Organisatoren unserer Journo-Gruppe. Jedes Detail wurde mit Bedacht gewählt. Die Herzlichkeit des Teams und ihre offensichtliche Begeisterung für die G-Klasse trugen dazu bei, dass der Trip mehr als eine Produktvorstellung war; eine gelungene Verschmelzung von Luxus, Nachhaltigkeit und Abenteuerlust.
Apropos Luxus: Mit einem Grundpreis von 142.622 Euro ist der G 580 Electric gelinde gesagt kein Schnapper. Wer das Sondermodell „Edition One“ will, muss dann auch nochmal 50k mehr hinlegen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Das Teil ist mehr als nur ein Elektroauto. Es ist eine Aussage. Ein Beweis dafür, dass selbst die größten Ikonen sich weiterentwickeln können, ohne ihre Identität zu verlieren. Imposant, extravagant, absolut unnötig – und genau deshalb so verdammt faszinierend.