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Elon Musk demaskiert: Tesla-Verkäufe brechen erstmals ein!

Elon Musk schießt über das Ziel hinaus
Foto: Anja Horn
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 934 Wörter

Jetzt wissen wir also, warum sich Elon Musk in den letzten Tagen auf dem Profilbild seines Kurznachrichtendienstes X als Frosch zeigte. Er hatte gehofft, dass ihn jemand wach küsst und er als schöner Weltretter erstrahlt und nicht als abgemeldeter Autokönig mit toxischer Krone. Das neue Jahr beschert ihm nun eine neue Erfahrung. Nämlich wie es ist, zu verlieren. Zum ersten Mal musste der reichste Mensch des Planeten gestern eine arme Jahresbilanz melden. Die Tesla-Verkäufe fallen weltweit schneller als seine Image-Werte. Kunden klagen, dass die Autos zu politisch geworden seien. Wer auf der Autobahn gern mal links überholt, will eben nicht gleich in der rechten politischen Ecke geparkt werden.

Elon Musk hat sich selbst demaskiert. Seine Aktien fielen gestern um mehr als 6 Prozent.

Täglich posten Unternehmer und CEOs auf LinkedIn, dass sie ihre Tesla-Firmenwagen verkaufen wollen. Andere versuchen sich kreativ zu distanzieren und fahren mit Aufklebern durch die Städte, auf den entschuldigend steht: „I bought this before Elon went crazy“. Bei Amazon lassen sich derartige Sticker sogar schon bestellen. Preis: 7.50 Euro.

Die Allmachtsfantasien von Elon Musk. Er möchte so sehr Sonne sein, dass er den Schatten nicht mehr sieht.

Ein Autoverkäufer, der Weltpräsident spielt. Er beleidigt Kanzler Olaf Scholz als inkompetenten Trottel, macht offen Wahlwerbung für die AfD, finanziert rechtspopulistische Parteien in Großbritannien, belehrt die italienische Regierung in Sachen Migration. Dabei ist sein Buddy Donald Trump noch nicht mal ins Weiße Haus eingezogen. Das macht er offiziell erst am 20. Januar.

Aber Elon Musk ist schon mal vorgeflogen. Bevor die Machtübergabe in Washington läuft, geht er ab wie seine SpaceX Raketen: Houston, wir haben ein Problem! Er macht Innen- und Außenpolitik über sein Nachrichtenfeuerwerk X. Er befehligt dort eine Armee von 210 Millionen Followern. Eine nie da gewesene Macht. Jeder Post ein Sprengsatz. Wozu einen Atomkoffer, wenn man Algorithmen hat. Was die Musk-Bots aber nicht beeinflussen können: Dass es auf der Welt gleichzeitig acht Milliarden Menschen gibt, die ihm (noch) nicht folgen. Und immer mehr, die ihm nicht mehr folgen wollen oder können.

Was denkt er denn in seinem superreichen Kopf? Dass die Menschen, die er beleidigt und gegen die er hetzt – dass die trotzdem losgehen und ihm freudig einen Tesla abkaufen?

Nein, wie sich jetzt zeigt. Gestern die Risse im Riesenreich des US-Elektrobauers. 2024 wurden erstmals weniger Fahrzeuge ausgeliefert als im Vorjahr. Das Ende der scheinbar unendlichen Wachstumsstory. Bisher kannte Musk nur Siege. Die Welt schien ihm nicht genug. Zum Mars wollte er fliegen. Und jetzt: Der Wiedereintritt in die Erdumlaufbahn, die Schwerkraft der globalen Wirtschaftskrise packt auch ihn. Die erste negative Bilanz seit 2011.

Nur 1,79 Millionen Autos abverkauft, dabei hatte Elon Musk bis zum Schluss das Ziel von 1,81 Millionen vorgegeben und Anleger damit enttäuscht. Interessant: Der Tesla-Chef wollte im Schluss-Quartal 2024 im unmittelbaren Einfluss der US-Wahlen 515.000 Autos ausliefern, rabattierte alle Modelle, tatsächlich geschafft hat er nur 495.000. In Europa ging die Zahl der Tesla-Neuzulassungen sogar um 24 Prozent zurück. In Deutschland verkaufte Tesla bis einschließlich November nur 34.000 Stück. Tesla droht die Marktführerschaft im E-Business zu verlieren. Der Vorsprung vor dem größten Konkurrenten BYD ist auf 24.234 Autos geschrumpft. Mit insgesamt 4.2 Millionen verkauften Fahrzeugen (E, Hybrid, plus Verbrenner) ist BYD bereits meilenweit vor Tesla.

Die Nummer 2 hinter Donald Trump zu sein, ist das eine. Aber der Zweite hinter dem chinesischen Konzern….

Noch nie war ein Auto so politisch. Vor dem „Trump International Hotel“ in Las Vegas explodiert am Neujahrstag ein Tesla Cybertruck, Modellreihe 2024. Ein Terror-Anschlag. Sieben Verletzte, der Attentäter tot. Es ist ein US-Soldat, teilten die Ermittler gestern mit. Der Mann sei Mitglied der Spezialeinheit Green Berets, habe seit 2006 in der Armee gedient und sei zum Zeitpunkt der Explosion in einem genehmigten Urlaub gewesen, so Behördenvertreter.

Die Spezialeinheit Green Berets ist eigentlich auf den Kampf gegen Terroristen spezialisiert. Verdrehte Welt also.
Einen Tesla am ersten Tag des neuen Jahres vor dem Trump-Building in die Luft zu sprengen: symbolträchtig. Der erste Anschlag auf die „Bromance“, wie die Romanze zwischen Elon und Donald in Amerika schon genannt wird. Bisher hatte es ausschließlich Anschlagsversuche auf Trump gegeben. Jetzt wird auch Elon zum Evil.

Auf seiner Kurznachrichtenplattform X muss der Tesla-Chef klarstellen, dass Auslöser der Explosion nicht wie zuletzt ein Produktionsfehler gewesen sei, sondern eine „große Menge Feuerwerkskörper und eine Bombe, die sich auf der Ladefläche des gemieteten Cybertrucks befand und nichts mit dem Fahrzeug selbst zu tun hatte“.

Dann prahlte er gewohnt elonesk: „Die bösen Knallköpfe haben das falsche Fahrzeug für einen Terror-Anschlag gewählt. Der Cybertruck hat die Explosion tatsächlich eingedämmt und die Druckwellen nach oben gelenkt. Nicht mal die Glastüren der Lobby wurden zerstört.“
Auf X hat sich Elon, der Gamer, einen neuen Profilnamen gegeben, er nennt sich dort plötzlich „Kekius Maximus“. Dazu zeigt er einen Comic-Frosch in römischer Rüstung. Eine bizarre Kombination aus Russell Crowes Gladiator-Rolle Maximus Decimus und dem Internet-Phänomen „Pepe, der Frosch“.

Viele fragen sich: Quak, was soll das? Ist das nur ein Silvester-Scherz des mit 420 Milliarden Dollar reichsten Mannes der Welt oder steckt hinter dem verrückten Frosch eine Geschäftsstrategie? Die eigentlich harmlose Comic-Figur ist in den USA umstritten, wird zum Teil von Rechtsextremen benutzt. Auch Republikaner aus dem Umfeld von Trump hatten „Pepe“ immer wieder im Wahlkampf verwendet. Und: Kekius Maximus ist auch der Name einer Kryptowährung. Nachdem Musk seinen Profilnamen geändert hatte, knallte der Wert der virtuellen Währung zwischenzeitlich um mehr als 1600 Prozent nach oben. Ob er damit seine Tesla-Verluste ausgleichen kann? Der Aktieneinbruch gestern kostete ihn 14 Milliarden Dollar.

Portrait Tom Junkersdorf

Tom Junkersdorf