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Er war ein Jetset-Terrorist: So lebte der getötete Hamas-Chef

Ismail Hanija
09.04.2018, Palästinensische Autonomiegebiete, Gaza: Ismail Hanija, der Chef der im Gazastreifen herrschenden Hamas, spricht bei einem Protest an der Grenze zu Israel. Die radikal-islamische Hamas will ihren Anspruch auf ein «Recht auf Rückkehr» für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Foto: Wissam Nassar/dpa
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Der Hamas-Führer Ismail Hanija ist nach Angaben der islamistischen Terrororganisation bei einem israelischen Angriff in der iranischen Hauptstadt Teheran getötet worden. Er lebte im Luxus und baute sich ein Milliardenimperium aus. Sein Hauptsponsor war Katar.

Er hat am 7. Oktober den Massaker-Befehl gegeben, bei dem etwa 1.400 Menschen mit hoher Brutalität hingeschlachtet und ein Krieg mit Israel ausgelöst wurde: Ismail Hanija, Chef der Terrororganisation Hamas. Doch während er in Israel ein Blutbad anrichtete, lebte er selber abgeschirmt im Emirat Katar. Und er lebte blendend dort. Der Terrorfürst, der jetzt während eines Aufenthalts in Teheran zur Amtseinführung des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian getötet wurde, war als Hamas-Chef ein außergewöhnlich reicher Mann. Das Vermögen seiner Familie (Hanija hat 13 Kinder) wird weithin auf mehr als eine Milliarde Dollar beziffert. Das israelische Außenministerium behauptet gar, dass Hanija mittlerweile vier Milliarden Dollar angehäuft habe. In jedem Fall stand sein persönlicher Reichtum in krassem Gegensatz zu der bitteren Armut, in der die Menschen im Gazastreifen seit Jahren leben.

Hanija flog im Privatjet zwischen Teheran, Istanbul, Doha und Kairo hin und her. In Katar besaß er eine Luxusvilla für die Großfamilie in Strandnähe. Seine Söhne Maaz und Abdel Salam posierten für Instagram-Stories schon mal mit Luxusautos und in Suiten von Luxushotels. Die Hanijas gelten als Immobilien- und Korruptions-Mogule. Maaz Hanija läßt sich im Gazastreifen als „Vater der Häuser“ preisen. Abdel Salam machte Schlagzeilen, weil er als Sport-Beauftragter der Hamas Geld unterschlagen haben soll. Dem Clan ist es gelungen sich am Waffenhandel und an den Einfuhrzöllen für Waren nach Gaza ebenso zu bereichern wie an den Hilfszahlungen aus Katar und Iran. Hanija hat Terrorismus zu einem lukrativem Geschäft werden lassen und verfügt über ein Fundraising-Büro in der Hauptstadt Doha und luxuriöse Anwesen in der Türkei, die zusammen ein „riesiges Immobilienvermögen“ bilden, wie es der „Corriere della Sera“beschreibt.

Der Reichtum kommt nicht von ungefähr. Hanija betrieb neben der Terrorpolitik mit seinen Söhnen auch einen familieneigenen Investmentkonzern, das der Mehrung des Privatvermögens diente. Zwei Söhne sollen die Anlagespekulationen der Familie von Istanbul aus verwalten. Einem arabischen Medienbericht zufolge hat Maaz Hanija sogar einen türkischen Pass erhalten und pflegt einen dekadenten Lebenstil. Das Middle East Research Institute hat Details dazu publiziert. Die Geschichten über das Luxusleben der Hanijas sind inzwischen arabisch legendär, so dass auch allerlei populäre Falschmeldungen im Umlauf sind. Etwa dass Ismail Hanija in Doha eine Spa-Rechnung im Hotel Mandarin Oriental über 26.000 Dollar ausgelöst hatte. Das Dokument ist inzwischen als Fälschung enttarnt.

Er feierte das Massaker in Israel am 7. Oktober 

Richtig ist aber, dass Hanija die volle finanzielle und politische Rückendeckung Katars und Irans genoß. Am Tag nach dem Massaker in Israel traf er in Katars Hauptstadt Doha den iranischen Außenminister Hossein Amirabdollahian und sprach von einem „historischen Sieg“ der Hamas. Immer wieder ist Hanija für Gespräche in die iranische Hauptstadt gereist. Dabei hat er auch mit Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Chamenei getroffen und die militärische Lage besprochen.

Mithilfe von Katar und Iran hat er ein globales Finanzierungsnetzwerk ausgebaut, um Unterstützung von „Wohltätigkeitsorganisationen“ und befreundeten Staaten zu erhalten. Dabei spielen auch Kryptowährungen eine Rolle, um internationale Sanktionen zu umgehen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. „Die Hamas ist einer der erfolgreichsten Nutzer von Kryptowährungen für die Finanzierung des Terrorismus“, sagt Tom Robinson, Mitbegründer des Blockchain-Forschungsunternehmens Elliptic. Israel geht nun gegen die Kryptogeschäfte der Hamas vor. Rund 200 Krypto-Konten sind bereits beschlagnahmt worden.

Die beiden Hauptsponsoren von Hanijas Hamas-Geschäften bleiben Iran und Katar. Der Direktor des Center for Middle East and Global Order, Ali Fathollah-Nejad, beziffert die Zahlungen aus Teheran auf jährlich 150 Millionen US-Dollar – und das seit 30 Jahren. Hinzu kommen Waffenlieferungen und militärische Ausbildungen. Von Katar aus sind ebenfalls Milliardensummen an Hamas geflossen. „Ihre finanzielle Unterstützung in Höhe von 30 Millionen Dollar pro Monat ist bewiesen und öffentlich“, sagt Didier Billion, Vize-Direktor des französischen Instituts für internationale und strategische Angelegenheiten (IRIS).

Die US-Regierung müht sich unterdessen um die Trockenlegung von Hanijas Finanzquellen. “Die Vereinigten Staaten ergreifen nach dem brutalen und skrupellosen Massaker an israelischen Zivilisten, darunter auch Kinder, rasche und entschlossene Maßnahmen, um die Finanziers und Vermittler der Hamas ins Visier zu nehmen“, verkündet Finanzministerin Janet Yellen. „Das US-Finanzministerium hat eine lange Tradition in der wirksamen Unterbindung der Terrorfinanzierung, und wir werden nicht zögern, unsere Mittel gegen die Hamas einzusetzen. Dazu gehört auch, dass wir Sanktionen verhängen und uns mit Verbündeten und Partnern abstimmen, um alle mit der Hamas in Verbindung stehenden Vermögenswerte in deren Zuständigkeitsbereich zu verfolgen, einzufrieren und zu beschlagnahmen.“ Das Problem der westlichen Sanktionen und Drohgebärden liegt allerdings daran, dass man mit dem größten Hamas-Finanzier Katar ansonsten beste geschäftliche und politische Beziehungen pflegt. Von der Fußballweltmeisterschaft über den Besuch Robert Habecks bis zum Empfang des Emirs in Berlin reicht die jüngste Politik der Handreichung. Zudem hält Katar direkt erhebliche Aktienpakete an deutschen Konzernen wie Volkswagen, Deutsche Bank, HapagLloyd, RWE oder Siemens. Katar gilt als wichtiger Handelspartner Deutschlands, allein 300 deutsche Unternehmen sind in Doha ansässig. Finanzexperten halten es daher für sehr unwahrscheinlich, dass die aus Washington angedrohten Sanktionen in Doha auch nur im Ansatz realisiert würden.

Israel wählte daher einen anderen Weg. Es hatte schon vor Monaten  angekündigt, Hanija persönlich zur Verantwortung zu ziehen und zu „eliminieren“. Armeesprecher Daniel Hagari unterstrich, dass die Eliminierung hochrangiger Hamas-Funktionäre höchste Priorität habe.

Wolfram Weimer