style & design · DIY Charme

FAINZ: Schmuck, Streetwear, Startup-Punk.  

FAINZ: Schmuck, Streetwear, Startup-Punk.  
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Aktualisiert
Lesezeit8 Min · 1.611 Wörter

Zwei Jungs, die Bock auf Bling hatten, weil der Markt für Männerschmuck so inspirierend war wie eine Steuererklärung. Also haben sie’s einfach selbst gemacht – mit Edelstahl, Perlen, Feuerzeugen und einer dicken Portion Social-Media-Swagger. Heute? Größte Streetwear-Schmuckmarke Deutschlands, 41 Retail-Standorte und eine Community, die lieber zehn Ringe trägt als einen. Doch wie lange bleibt ein Startup mit DIY-Charme echt, bevor es zum nächsten Fast-Fashion-Hype wird? Und wie viele WhatsApp-Nachrichten kann man eigentlich noch selbst beantworten, bevor man ausbrennt?  

FAINZ nennt sich „die größte Streetwear-Schmuckmarke Deutschlands“ – aber wer außer euch selbst hat euch diesen Titel verliehen? 

Wir haben uns diesen Titel verliehen, weil wir diese Rubrik in den Handel gebracht haben. Online gibt es ein breites Angebot, die Marke entsteht jedoch im Handel, im „echten Leben“. Es gibt neben uns keine solchen Schmuckmarken, da haben wir selbstbewusst gesagt, dann sind wir hier nicht nur die ersten, sondern damit auch die größten.  

Streetwear lebt von Individualität und Anti-Mainstream-Vibes – wie stellt ihr sicher, dass euer Schmuck nicht zum uniformierten Statussymbol verkommt? 

Unsere Community ist im Style wahnsinnig unterschiedlich. Es reicht vom weißen T-Shirt zur Baggy Jeans bis hin zu ausgefallenen, selbstgenähten Goth-inspired Outfits. Zu Beginn einer Markenreise muss man sich jedoch zunächst positionieren und hierbei ist nunmal Streetwear das größte Publikum. 

„Faceless Marke“ klingt nach Understatement, doch ihr seid omnipräsent auf Instagram. Ist das wirklich Faceless oder nur clever gebrandetes Undercover-Marketing?

Die Marke fainz ist äußerst präsent mit Gesichtern der Community und Models. Wir als Gründer sind jedoch nicht im Fokus der Markenkommunikation, somit eine Faceless Brand im Sinne, dass wir auf Personal Branding zum Verkaufen der Produkte verzichten. Es geht nicht um uns, es geht um die Marke. 

Schmuck als Fashion-Statement ist nichts Neues. Warum hat es 2021 euer Label gebraucht, wenn es doch schon Brands wie Vitaly, The M Jewelers oder 1017 ALYX 9SM gibt?

Alle aufgeführten Labels sind im Durchschnitt deutlich teurer und haben genau ihre Position. Fast keine dieser Marken findet man jedoch in coolen Fashion Stores – weder in Deutschland noch in Europa. Das ist für uns Grund genug uns genau dort stark zu positionieren. Angemessener Preis, gute Qualität und flächendeckende Verfügbarkeit dort, wo der Kunde ist. 

Eure Marke dreht sich um Identifikation – wie stellt ihr sicher, dass ihr euch nicht irgendwann selbst verliert? 

Schmuck ist deutlich persönlicher als beispielsweise ein Hoodie. Unsere Kunden sind Kern der Identifikation. Die meisten haben zu jedem Schmuckstück, das sie tragen, eine Verbindung. Sei es ein Geschenk, ein Zeichen eines Meilensteins, eine besondere Beziehung oder, oder, oder. Wir sind die Bühne, der Kunde der Star. 

Fynn, du hast mit Schmuck angefangen, weil du nichts Passendes für dich gefunden hast. Wie viel von dem, was ihr jetzt macht, entspricht noch deinem ursprünglichen Geschmack?

100%. Es ist sogar so weit gekommen, dass selbst Gold für mich ein Thema geworden ist. Was ich früher überhaupt nicht an mir gesehen habe, trage ich heute doppelt kombiniert. Man entwickelt sich weiter und das spiegeln unsere Stücke wieder. 

Paul, du hast dein Jurastudium abgebrochen, um ins Business zu gehen – wann war der Moment, in dem du wusstest: Das wird groß? 

Wir haben aus Spaß angefangen, bis wir gemerkt haben, dass hinter jeder Bestellung ein Mensch steckt. Wir würden uns als sehr selbstkritisch bezeichnen und achten auf klare Signale von außen. Diese sind positiv, wir haben Spaß und glauben unangefochten an das Potenzial.  

„Lost Sales“ ist eine eurer Herausforderungen – wo verliert ihr am meisten: in der Produktion, im Marketing oder weil es noch niemanden gibt, der ein FAINZ-Feuerzeug wirklich braucht? 

Lost Sales bezeichnet die Situation, dass wir ein Produkt nicht verkaufen können, da es ausverkauft oder nicht auf Lager ist. Die Herausforderung dabei ist, dass User auf unserer Seite sind, das Produkt aber nicht erwerben können. Das bedeutet der Marketing-Kanal hat funktioniert, natürlich auch Geld gekostet, der Abschluss und somit der Umsatz kann jedoch nicht erzielt werden.  

Und zum Feuerzeug: Man mag überrascht sein, wie viele Menschen ein weißes Feuerzeug mit einem coolen Branding Spruch bestellen – übrigens sogar auch einzeln! 

Wie fühlt es sich an, wenn die lokale Tankstelle mehr über eure Kampagnen redet als der nächste VC-Investor? Und ist das überhaupt schlimm? 

Wir sind online gestartet, das ist alles auf dem Handy und recht unspektakulär. Seine Marke auf einem Printplakat zu sehen ist ein anderes Gefühl. Eine reine Ego-Aktion, da muss man nicht drumherum reden. VC ist das eine, enge Partner das andere. Wir dürfen uns bereits über enge Partner freuen, ersteres sind Kennenlern-Gespräche. Näheres vielleicht in Zukunft. 

Ihr antwortet persönlich auf Kundenanfragen – wie lange noch? Was passiert, wenn ihr so erfolgreich seid, dass ihr euch vor WhatsApp-Nachrichten nicht mehr retten könnt?

Wir können schon jetzt nicht mehr alles selbst beantworten, versuchen jedoch alles zu lesen. Es ist wichtig zu wissen, was abgeht. Sei es zu Produkten, zum Service oder über die Sprache und Wortwahl, die unsere Kunden nutzen. Parallel lernen wir Systeme mit dieser Sprache an und digitalisieren den Prozess mehr und mehr. Ohne Feedback gibt es jedoch keine sinnvolle Weiterentwicklung. 

Schmuck, Parfüm, Socken, Feuerzeuge – was kommt als nächstes? Eine FAINZ-E-Zigarette? 

Nein. Aber Unisex-Nagellack kam jetzt, extra auf Wasserbasis für eine gute Verträglichkeit.  

Warum ist euer Schmuck anders als das, was es bei Zara, H&M oder Urban Outfitters gibt? Und ist er wirklich besser? 

Bei Zara, H&M oder auch Urban Outfitters handelt es sich zum Großteil um ein modisches Accessoire zu einem bestehenden Outfit. Häufig ist es auch reiner Party Schmuck, der danach nicht mehr getragen wird oder nicht mehr getragen werden kann. Die Basis ist meist Messing, die günstigste Variante Schmuck zu machen. Weich, leicht formbar, aber eben nicht langlebig. fainz verwendet Edelstahl, Echtsilber und Echtgold. Letztlich ist das wie die Frage, was ist der Unterschied zwischen einem Fastfood Burger und einem Filet? Ist doch beides Fleisch. 

Diversität ist eine eurer Säulen – wie stellt ihr sicher, dass es nicht nur ein Buzzword bleibt? 

Der Blick ist unsere Community bestätigt uns real gelebte Diversität, wie sie sich in den neuen 20er Jahren findet und auslebt. Es gibt so wunderbar viele verschiedene Styles und Persönlichkeiten, die wir sehen. Alle tragen sie fainz. Wenn das nicht divers ist, dann müssen wir wohl nochmal in die Definition schauen.  

Viele eurer Kunden sind zwischen 14 und 25. Wie verhindert ihr, dass ihr irgendwann zur Boomer-Brand für die nächste Generation werdet? 

Mitwachsen! Das ist das Stichwort und die Aufgabe. 

Wenn Streetwear in 10 Jahren out ist – was dann? Wie flexibel ist euer Konzept für die nächste Ära der Subkultur? 

Der Einstieg ist Streetwear, das Ende offen. Mode verändert sich, immer und stetig. Wir glauben an die Kraft der Marke. Weiterentwicklung ist unsere Aufgabe. 

Die größten Streetwear-Brands sind oft US-geprägt – was macht FAINZ zur deutschen Antwort auf Supreme oder Chrome Hearts? 

Beide Marken sind aus einer Nische entstanden und haben sich zu Mainstream entwickelt (v.a. Supreme). Wir sind der Ansicht, dass der deutsche und letztlich der europäische Markt entweder mit purem Luxus oder soliden Massen erobert werden kann. Daher auch unser Schritt in den Fashion Retail.  

In den USA und UK gibt es starke Konkurrenz mit ausgeprägten Subkulturen. Warum glaubt ihr, dass FAINZ dort eine Chance hat? 

Aktuell befinden wir uns in der Planung für die Internationalisierung, welche über unseren Partner Zalando im europäischen Raum bereits Ende letzten Jahres sehr erfolgreich gestartet ist. USA und UK sind spannend, aber warum nicht Richtung Asien? Die Fashion-Entwicklung nimmt in den asiatischen Ländern enorme Fahrt auf, da sind wir in Europa schon jetzt Jahre zurück. 

Ihr wollt international wachsen – ist Deutschland euer Sprungbrett oder ein Hindernis? 

Wir sehen es positiv. Wir entdecken jeden Tag neue Routen, die letztlich in Deutschland gestartet sind. Deutschland ist was Fashion angeht nicht so selbstbewusst, wie es sein dürfte. Sei es bezogen auf junge Designer oder auch die Handelsstrukturen, die wir haben. 

Luxus- und Streetwear-Collabs sind im Trend – mit wem würdet ihr am liebsten zusammenarbeiten? 

Vollkommen korrekt, deswegen sagen wir dazu jetzt mal nichts und sehen, was dieses Jahr noch so bringt. 

Ihr sprecht von Marktpotenzial von über 100 Millionen Euro – wie viel davon habt ihr euch schon gesichert? 

Einen Bruchteil. Wir arbeiten an den weiteren Teilen. 

Ihr seid eine Brand, die nah an ihrer Community ist – was macht ihr, wenn die Community euch irgendwann uncool findet? 

Dann haben wir etwas falsch gemacht. Um erfolgreich eine Marke aufzubauen, muss man das gewisse Glück haben. Sie am Leben zu halten ist Arbeit. Wir haben nicht vor mit dem Arbeiten aufzuhören. 

Wie wichtig ist TikTok für euren Erfolg – und was passiert, wenn der Algorithmus euch nicht mehr mag? 

Der mag uns jetzt schon nicht. Social Media Reichweite aufzubauen wird zu einem immer größeren Gamble. Die Zukunft kann nicht nur in Social Media Kanälen liegen.  

Würdet ihr jemals an einen großen Konzern verkaufen – oder bleibt FAINZ immer unabhängig? 

Das bestimmt der Markt. Man kann den Konzern als seelenloses, böses Konstrukt sehen oder als Hebel um eine Markenphilosophie zu platzieren.  

FAINZ wirkt lässig, aber Business ist brutal – wie bleibt ihr authentisch, ohne naiv zu sein?

fainz soll ein Ort, eine Plattform und eine Marke für ganz viele Menschen sein. Wie eine Wohlfühloase, dann ist es lässig. Fynn und Paul haben die Aufgabe diese Wohlfühloase zu einer solchen zu machen. Dabei müssen wir uns nicht die ganze Zeit wohl fühlen… 

Portrait Susie von den Stemmen

Susie von den Stemmen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in den Medien hat Susie eine vielseitige Karriere als TV-Redakteurin, Print- und Online-Journalistin verbracht. Ihr Fokus liegt auf Kultur, Auto- und Lifestylethemen, in denen sie eine umfassende Expertise aufgebaut hat. Diese Tätigkeiten haben ihr die Möglichkeit eröffnet, faszinierende Orte zu bereisen und ein umfassendes Netzwerk im Bereich der Persönlichkeiten hinter den Marken und VIPs aufzubauen. Susies beruflicher Werdegang begann nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und Germanistik mit einer ersten Berufsstation beim Disney Club (ARD), gefolgt von Redaktionsarbeiten für Gottschalk Late Night (RTL) und Jay Leno (NBC Los Angeles). Sie hat zahlreiche Fernsehaufträge für verschiedene Sender durchgeführt, darunter die Produktion von TV Beiträgen, Leitung von Studioredaktionen und die Akquise von Neugeschäft. Nachdem sie mit ihrer Familie nach Hamburg gezogen ist, hat sie ihre Karriere im Printbereich gestartet, zunächst bei Park Avenue für Gruner & Jahr und später bei Gala und anderen renommierten Titeln. Als VIP-, Automobil- und Kultur-Beauftragte hat sie weiterhin die Welt bereist, ihr Netzwerk ausgebaut und ihre Leidenschaft für die Auto-, Reise- und Genussszene vertieft. Aktuell leitet sie das Office! von den Stemmen in Hamburg und München. Kunden waren und sind: Bild, Cosmopolitan, Travellers World, Ramp, Audi Magazin, Air Tours, Lufthansa Magazin, DB Magazin, Tagesspiegel, Myself, Zeit Online, Instyle Men und nun auch Business Punk. Neben ihrem Wohnsitz in Hamburg ist sie dank ihrer Porsche Rennlizenz weltweit im Einsatz, um fesselnde Geschichten rund um Automobilität, Kultur und Lifestyle zu generieren.