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Fatoni: “Schon geil, wenn ich Kommissar im ‚Tatort‘ wäre“

Fatoni: “Schon geil, wenn ich Kommissar im ‚Tatort‘ wäre“
Jan Philip Welchering
Erschienen
Lesezeit6 Min · 1.172 Wörter

Fatoni, dein neues Album heißt „Andorra“, damit spielst du auf den Andorra-Effekt an. Das musst du einmal kurz erklären.

Der Andorra-Effekt ist ein Phänomen aus der Soziologie und beschreibt, dass Menschen sich so verhalten, wie die Gesellschaft es von ihnen erwartet. Es ist also eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Und was genau hat das mit deiner Musik zu tun?

Auf dem neuen Album gibt es den Song „Die Anderen“, wo sehr viel davon drinsteckt. Da rappe ich: „Hör nur auf dich selbst, haben die anderen gesagt“. Wie sehen einen die anderen? Wie sieht man sich selbst? Will man so sein, wie es von einem erwartet wird, oder will man ausbrechen? Generell geht es auf der Platte viel um Identitätssuche und um Lebensentwürfe von anderen Personen und wie man die bewertet.

Das Plattencover hat die Künstlerlegende Klaus Voormann illustriert. In den 60ern hat er unter anderem das Artwork für das Beatles-Album „Revolver“ gemacht und dafür einen Grammy gewonnen. Eine ziemliche Ehre, oder?

Ja, das war der Hammer. Der Besuch bei ihm war das beeindruckendste Treffen meines Lebens. Der war ja nicht nur als Grafiker unglaublich erfolgreich, sondern auch als Bassist. Weil ich sehr involviert war in die Covergestaltung, habe ich eine Zeitlang jeden Tag mit ihm telefoniert. Wir haben jedes Detail durchgesprochen, und ich liebe das Ergebnis.

Wie hast du ihn überzeugen können, mit dir zusammenzuarbeiten?

Wir haben den einfach angeschrieben, und er hat sogar ziemlich schnell geantwortet. Man glaubt bei vielen Sachen immer, das wird eh nichts. Aber nur weil man das denkt, sollte man es nicht unversucht lassen.

Deine Musik unterscheidet sich stark von dem Deutschrap, der zurzeit im Mainstream angesagt ist. Zum einen wirkst du sehr reflektiert, hast gesellschaftskritische Texte. Zum anderen spielst du mit verschiedenen Genres, einige deiner neuen Songs kommen etwa komplett ohne typischen Rapbeat aus. Wo holst du dir die Inspiration, was für Musik hörst du dir an?

Ich bin eigentlich komplett rapsozialisiert, aber vor ein paar Jahren hatte ich einen Rap-Kollaps und habe das alles so sehr gehasst. Darum habe ich immer mehr Gitarrenmusik gehört, viel Lo-Fi-Folk, und auch immer mehr Indie. Ich habe einfach mal weiter über den Tellerrand geguckt und bin von vielen Bands Fan geworden.

Du hast vor knapp 20 Jahren als Teenager angefangen zu rappen, wurdest aber erst durch dein 2015 erschienenes Album „Yo, Picasso“ einem größeren Publikum bekannt. Wie hast du dich in der Zwischenzeit motiviert, weiterzumachen?

Na ja, man muss dazu sagen: Damals, als es nur nebenbei lief, war Rap insgesamt noch sehr viel kleiner in Deutschland. Es gab nur sehr wenige deutsche Rapstars. Aber ich habe das auch nie gemacht, um Geld zu verdienen. Klar war das mein Ziel, aber es kam eher aus einer inneren Notwendigkeit, Output zu generieren. Darum habe ich auch noch nie darüber nachgedacht, aufzuhören.

 

Was zugegeben erst mal überrascht: Du bist ausgebildeter Schauspieler und warst vor deiner Musikkarriere für ein paar Jahre am Augsburger Theater, hast aber auch bei Serien wie „Rosenheim Cops“ und „Notruf Hafenkante“ mitgespielt. Wie geht das mit dem Rappen zusammen?

Diese Serien waren für mich alle Geldjobs, das hat gar nichts mit mir als Künstler zu tun. Ich will mich nicht negativ über Leute äußern, die so etwas beruflich machen, aber für mich ist das kein geiles Fernsehen. Vielleicht kommt es ja irgendwann auch wieder dazu.

Wäre das wirklich eine Option?

Natürlich würde ich lieber geile Filme drehen, aber es ist superschwer, da ranzukommen. Selbst jetzt, wo ich als Rapper sehr viel bekannter und erfolgreicher bin als früher, juckt das bisher niemanden in der Filmwelt. Ich warte ja immer noch darauf, dass irgendwelche Besetzer und Caster mal checken, dass es da mit meiner megaguten Reichweite und vielen Followern eine Synergie gibt.

In einem Interview hast du mal gescherzt, du willst „Tatort“-Kommissar werden. Hast du da immer noch Bock drauf?

Ja, voll. Ich meine das auch wirklich ernst und überhaupt nicht respektlos. Ich könnte mir das durchaus vorstellen für später mal. Aber natürlich muss man auch realistisch sein: „Tatort“ ist das Ende der Fahnenstange, was deutsches Fernsehen angeht, es gibt kaum teurere Produktionen. Das ist schon eine krasse Liga, da muss man auch erst einmal hinkommen. Aber ich fänd es schon geil, wenn ich Kommissar im „Tatort“ wäre.

Deine Musikvideos erinnern häufig auch mehr an ein Schauspielprojekt, als an ein Rapvideo. Wie kommst du denn auf solche Videoideen, wie bei deinem letzten Musikvideo zu „Clint Eastwood“ das ja auf King of Queens angelehnt war?

Ja, das ist auch wieder der Andorra-Effekt, weil ich früher soviel Videos gemacht habe, dass die Leute von mir erwarten: Wenn Fatoni ein Video rausbringt, muss es geil sein. Ich kann mich jetzt nicht vor eine Graffiti Wand stellen und ein Video drehen. Da muss was Geiles passieren.

Die Idee zu dem „Clint Eastwood“-Video hat sich so entwickelt: Das war wildes Brainstorming, weil wir diese ganzen Cameo-Auftritte haben wollten. Und dann habe ich die ganze Zeit überlegt, was für eine Rolle ich spielen kann, dass ich diese Cameo-Auftritte besuche, weil klar war, wir kriegen nicht alle an einem Tag an einen Ort. Irgendwann kam ich auf die Idee, dass ich DHL-Bote werden kann. Und dann lag das sehr nahe, dass man das im King of Queens-Style macht.

Ich war auf deinem Twitter-Account und habe dort den Tweet „Wie demütigend ist es in der Sauna von eim Fan erkannt zu werden? #fragfürnfreund“ gefunden. Was war denn deine lustigste oder peinlichste Situation in der du erkannt worden bist?

Die geilste Situation war, dass ich in München langgelaufen bin und da war so ne „Mügida“-Demo. Die sind ja sehr lächerlich klein dort. Und es sind ganz viele Gegendemonstranten. Ich bin da so belustigt langgelaufen. Und dann war da so ein Bulle, Polizistenmann, der mich angesprochen hat. Ich habe über Kopfhörer Musik gehört und ich dachte, der will jetzt eine Personenkontrolle machen, weil ich von der Demo komme.

Und dann war ich schon genervt, habe die Kopfhörer raus und war so „Ja, was ist denn“. Ich war ein bisschen auf Stress machen aus. Und dann hat der halt wirklich ernsthaft, auf bayrisch gesagt: „San sie der Fatoni?“ Ein Bulle halt! So ein junger Cop und ich war so „Ehhhh, ja“ und dann hat der gesagt: „Super Musi!“. Ist halt echt passiert. Das fand ich Hammer auf jeden Fall.


Der Artikel stammt aus unserer aktuellen Ausgabe. Titelstory: Wie das Fleischersatz-Startup Beyond Meat vom Weltverbesserereinfall zur milliardenschweren Company wurde – womit Gründer Ethan Brown gar nicht gerechnet hatte. Außerdem starten wir zum ersten Mal unser Reputationsranking „Top Companies für digitale Talente“, welches Orientierung geben und anhand von Case-Studies zeigen soll, wie die Digitalisierung der Arbeitswelt in ausgewählten Unternehmen vom Startup bis zum Konzern angegangen wird. Für mehr Infos hier entlang.

Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!