Female & Forward Ehrenamt: Frauen wollen führen – das System bremst

Ehrenamt: Frauen wollen führen – das System bremst

Fast jede zweite engagierte Frau ohne Leitungsfunktion würde Verantwortung übernehmen. Eine neue Studie von FRAUEN100 und ADAC zeigt: Nicht der Wille fehlt, sondern Strukturen, die zu starr, zu alt und zu wenig vereinbar sind.

Ehrenamt ist das Rückgrat der Gesellschaft, von Sportvereinen über Feuerwehren bis zur Kommunalpolitik. Doch ausgerechnet an den Stellen, an denen Entscheidungen fallen, sind Frauen noch immer deutlich unterrepräsentiert.

Motivation ist da

27 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich, sie organisieren Vereine, halten soziale Einrichtungen am Laufen und tragen Verantwortung für das Gemeinwohl. Trotzdem landen Führungspositionen noch immer überwiegend bei Männern. Die repräsentative Studie von FRAUEN100 und ADAC, für die rund 15.000 Menschen befragt wurden, macht dieses Ungleichgewicht sichtbar.

Interesse ist vorhanden, aber …

Dabei fehlt es Frauen keineswegs an Interesse. 72,7 Prozent der Frauen ohne Ehrenamt können sich grundsätzlich vorstellen, sich zu engagieren, nahezu genauso viele wie Männer. Und von den bereits aktiven Frauen ohne Leitungsfunktion kann sich fast jede zweite eine Führungsrolle vorstellen. Gleichzeitig würden 81 Prozent der Befragten Frauen ausdrücklich zu einer ehrenamtlichen Leitungsfunktion ermutigen.

Das eigentliche Problem heißt Vereinbarkeit

Warum also übernehmen so wenige Frauen Führungsverantwortung? Die Antwort liegt vor allem in den Rahmenbedingungen: fehlende Vorbilder, starre Strukturen, mangelnde Vereinbarkeit mit Beruf und Familie sowie rechtliche Unsicherheiten bremsen den Einstieg. Mehr als 90 Prozent der Frauen in ehrenamtlichen Führungsrollen fühlen sich zwar wohl und möchten weitermachen, doch genau das zeigt den Flaschenhals: Wer einmal drin ist, bleibt oft dabei. Das Problem liegt also weniger im Amt selbst als auf dem Weg dorthin. Wer Frauen gewinnen will, muss den Einstieg leichter machen, statt nur den guten Willen zu beklatschen.

Co-Leadership als Hebel

Die Studie nennt auch konkrete Lösungen. Besonders wirksam sind flexible Zeitmodelle, klare Rollen, rechtliche Absicherung und Co-Leadership, also geteilte Führungsverantwortung. Das senkt den Zeitdruck, macht Verantwortung planbarer und erleichtert den Einstieg erheblich. Ebenso wichtig ist der Ton: Führung muss anders erzählt werden. Weg vom Bild der zusätzlichen Belastung, hin zu Gestaltung, Entwicklung und Wirkung. Außerdem empfehlen die Studienautorinnen und -autoren, Frauen gezielt anzusprechen, statt darauf zu warten, dass sie sich von selbst melden.

Potenzial bleibt liegen

Die Ergebnisse wurden jetzt in Berlin von FRAUEN100 und ADAC vorgestellt und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft diskutiert. Mit dabei auf dem Podium: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein, Britta Haßelmann und ADAC-Präsident Christian Reinicke.

Die Botschaft ist eindeutig: Der Wille ist da, das Potenzial auch. Jetzt müssen die Strukturen folgen, damit gesellschaftliches Engagement nicht weiter an alten Mustern hängen bleibt.

Wer die Ergebnisse im Detail lesen möchte, hier geht’s zur Studie >> click it

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