Female & Forward New Money, New Rules: Exklusiv aus dem aktuellen Business Punk-Heft

New Money, New Rules: Exklusiv aus dem aktuellen Business Punk-Heft

Zwei Frauen, ein starkes Netzwerk und ein klarer Blick auf Vermögen. In unserer aktuellen She’s Punk-Ausgabe sprechen Marija und Sophia darüber, welche Fähigkeiten modernes Wealth Management heute wirklich erfolgreich machen – und warum Beziehungen oft wertvoller sind als Renditeversprechen.

Diese smarten Bankerinnen machen eine Privatbank zum Netzwerk für junge Investor:innen – mit sehr freshen Ideen. Das Intervierw führte Yvonne Dewerne.

Privatbank? Klingt nach Samthandschuhen und verschlossenen Türen für Superreiche. Doch das Bild ändert sich. Traditionsinstitute wie Hauck Aufhäuser Lampe, die auf 220 Jahre Erfolgsgeschichte blicken können, öffnen sich für eine Generation, die vielleicht noch nicht das Millionen-Depot, aber eine klare Vision und Lust auf ein starkes Netzwerk hat. Wir haben mit zwei Frauen gesprochen, die diesen frischen Wind bei eben Hauck Aufhäuser Lampe vorantreiben. Marija Rubezic betreut als Head of Key Clients komplexe Vermögen und bringt Erfahrung von Häusern wie Rothschild und der Citigroup mit. Sie blickt über die Zahlen hinaus und fragt: „Wofür ist das Vermögen eigentlich da?“ Sophia Schelo leitet den Bereich Next Gen und brennt für den CommunityGedanken. Die ehemalige Vorstandsreferentin entwickelt Formate, die junge Unternehmer:innen und Nachfolger:innen zusammenbringen, bevor die klassischen Bankthemen überhaupt starten. So kann traditionelles Banking heute aussehen, um Frauen zu begeistern – und zwar schon lange, bevor das erste große Investment ansteht.

She’sPunk: Warum ist das Thema Female Finance für eine Privatbank wie Hauck Aufhäuser Lampe heute so wichtig?

Sophia Schelo:

Das Thema ist für uns nicht neu. Der Anteil von Frauen in deutschen Vorständen liegt nun bei etwa 20 Prozent. Wir betreuen Unternehmerinnen sowie vermögende Kundinnen, die ein modernes Selbstverständnis pflegen und sich intensiv mit Finanzen auseinandersetzen

Marija Rubezic:

Es geht nicht mehr nur um den Vermögensaufbau, sondern um Strukturen bei Firmenverkäufen oder kluge Anlegestrategien in unruhigen Marktphasen. „Female Finance“ ist kein Nischenkonzept, sondern unser Weg Lösungen zu suchen, die zur Lebensplanung der Investor:innen passen.

She’s Punk: Haben Anlegerinnen spezifische Bedürfnisse im Vergleich zu männlichen Kunden?

Marija Rubezic:

Frauen planen oft vom Ziel her: Was bedeutet ein Schritt für die Familie, die Firma oder den nächsten Lebensabschnitt? Wir bringen Frauen in Netzwerken zusammen, um genau diesen Dialog zu ermöglichen.

She’s Punk: Privatbanken agieren diskret und wirken dadurch vielleicht nicht immer nahbar. Wie bricht eure Initiative „Think Forward“ dieses Image auf?

Sophia Schelo:

Mit der „Think Forward Initiative“ öffnen wir uns für junge Unternehmerinnen und Nachfolgerinnen zwischen Ende 20 und Mitte 40. Dabei steht Community Building im Fokus, egal ob man Kundin bei uns ist. Wir nutzen LinkedIn und Instagram intensiv, um als Bank nahbar zu sein.

She’s Punk: Was lernt Hauck Aufhäuser Lampe selbst aus diesem Netzwerk?

Marija Rubezic:

Je komplexer die Themen, desto wichtiger der persönliche Austausch. Die Idee, die nächste Generation wolle alles nur noch über Neobroker regeln, stimmt so nicht.

Sophia Schelo:

In der Community entstehen echte Verbindungen, von Gründungen bis hin zu Freundschaften. Für uns ist dieser Austausch ein wichtiger Sensor, um Trends wie Physical AI oder Geopolitik frühzeitig zu verstehen. Diese Impulse der NextGen helfen uns dabei, unser Angebot für die Zukunft richtig aufzustellen.

She’s Punk: Das Thema Altersvorsorge wird oft über Angst verkauft. Wie wird daraus ein Projekt, das Lust auf die Zukunft macht?

Marija Rubezic:

Wir drehen die Perspektive: Weg von „Du musst“, hin zu „Was willst du dir ermöglichen?“. Wer früh beginnt zu investieren, schafft sich Freiräume.

Sophia Schelo:

Wir müssen auch Begriffe wie „Schulden“ in ein anderes Licht rücken – als Investition oder als Hebel, um Mehrwert zu schaffen.

She’s Punk: Viele Frauen überlassen die Finanzen noch dem Partner. Wie motiviert man sie zur Unabhängigkeit, wenn die heutige Situation von Jobs, Beziehungen und persönlichen Lebensumständen kein Dauerzustand ist?

Sophia Schelo:

Unsere Initiative „SheConnects“ setzt genau hier an. Wir schaffen ein eigenes Umfeld und haben Berater:innen, mit denen Frauen offen über das sprechen können, was sie bewegt. Das ist die DNA einer Privatbank: maßgeschneidertes Sparring, das auch persönliche Werte einbezieht.

Bild: Nahbarkeit statt Nadelstreifen Marija Rubezic (l.) und Sophia Schelo (r.) ver – einen Expertise, Professionalität, Zeitgeist und Unkonventionalität. Eine Mischung, die im Private Banking extrem erfrischend ist. Und Bock auf Finanzthemen macht

She’s Punk: Welches Feedback eurer Kundschaft bestärkt euch am meisten darin, den richtigen Weg zu gehen?

Marija Rubezic:

Gerade aus Unternehmerkreisen hören wir oft, dass wir Impulse geben, die sie allein so nicht auf dem Schirm gehabt hätten. Viele Kund:innen verstehen sich als Möglichmacher für Innovation. Sie schätzen an uns, dass wir nicht nur Produkte präsentieren, sondern Denkanstöße liefern und Türen zu völlig neuen Ökosystemen öffnen.

Sophia Schelo:

Mich hat überrascht, wie stark der Wunsch nach persönlichem Austausch wächst. Man will wieder die Verbindung zu anderen Menschen statt nur Instagram-Highlights.

She’s Punk: Welche Finanzfragen könnt ihr im Jahr 2026 eigentlich nicht mehr hören?

Marija Rubezic:

Krypto ist für uns längst eine anerkannte Beimischung, auch wenn die Diskussionen oft sehr emotional geführt werden. Ähnliches gilt für die USA: pauschale Urteile greifen da zu kurz. Man muss einfach lernen, den echten Fortschritt vom politischen Rauschen zu trennen.

Sophia Schelo:

Oft werden wir nach dem nächsten Hype gefragt. Unser Ansatz ist anders: Wir setzen auf Substanz und langfristige Perspektiven und berücksichtigen dabei auch Trendthemen.

She’s Punk: Wie sieht also die moderne Anlageberatung aus, die über den klassischen Bausparvertrag hinausgeht?

Marija Rubezic:

Moderne Beratung heißt: ein Mix, der zur Person passt. Wir berücksichtigen Risikoempfinden, Lebensphase und Zeit.

She’s Punk: Man hört oft, Frauen seien in der Beratung „komplizierter“ oder kleinteiliger. Wie erlebt ihr eure Kundinnen?

Marija Rubezic:

Kleinteiligkeit ist oft nur ein Zeichen von fehlendem Vertrauen. Mein Rat: Eine Beratung suchen, die fachlich kompetent ist, aber auch eure Werte versteht. Wenn das Gefühl stimmt, öffnet man sich für Empfehlungen. Viele Frauen denken, sie müssten sich verschiedene Expert:innen suchen. Dabei bündeln wir genau diese professionellen Strukturen in der Bank.

She’s Punk: Welches gefährliche Halbwissen begegnet euch im Gespräch mit Frauen am häufigsten?

Marija Rubezic:

„Ich fange an zu investieren, wenn ich Summe X erreicht habe.“ Das ist einer der größten Irrtümer.

Sophia Schelo:

Ein weiteres Risiko: zu spät anzufangen oder die Verantwortung abzugeben. Oft führt immer noch der Mann das Wort, auch wenn es um ein Gemeinschaftskonto geht. Frauen sollten sich in alle Entscheidungen einbringen. Die Annahme, dass Finanzen reine Männersache sind, ist fatal.

She’s Punk: Welchen Finanzrat gebt ihr Frauen – egal ob Kundin oder nicht?

Marija Rubezic:

Weniger Angst und mehr Vertrauen – in Expertise und ebenso in die eigene Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen. Sucht euch Impulse, Netzwerke, Sparringspartner:innen. Am Kapitalmarkt gibt es weit mehr positive als negative Geschichten.

Sophia Schelo:

Wir sollten es wie die US-amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer halten, deren Arbeiten zu Macht und Geschlechterrollen perfekt zu Female Empowerment passen – ihr Satz „Men don’t protect you anymore“ ist für mich das beste Argument für finanzielle Unabhängigkeit.

Und hier geht es zu unserer Heftvorschau der aktuellen Printausgabe „Neue deutsche Valley“, Business Punk 02/2026 >> click it

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