Female & Forward Zwischen Karriere, Flexibilität und Familie: Warum der klassische Job für viele Frauen nicht mehr funktioniert  

Zwischen Karriere, Flexibilität und Familie: Warum der klassische Job für viele Frauen nicht mehr funktioniert  

Es gibt diesen einen Satz, den viele Frauen irgendwann hören: „Du kannst ja wieder einsteigen, wenn die Kinder größer sind.“ 

Klingt nett. Ist aber oft der Moment, in dem Karriere leise vertagt wird. Erst kommt die Familie. Dann der Job, der in die freien Lücken passen soll. Und irgendwann fragt man sich, ob aus dem beruflichen Anspruch nur noch ein Zuverdienst geworden ist. Dabei wollen viele Frauen genau das nicht. Sie wollen arbeiten, eigenes Geld verdienen und beruflich wieder eine Rolle spielen. Nur eben nicht in einem Modell, das so tut, als gäbe es Kinder, Care-Arbeit und Familienlogistik nur außerhalb der Arbeitszeit.  Der klassische Job passt für viele Lebensrealitäten nicht mehr. Nicht, weil Menschen weniger leisten wollen. Sondern weil Leistung heute anders gedacht und anders organisiert werden muss.

Karriere muss nicht immer im Büro beginnen  

Wenn über Karriere gesprochen wird, geht es oft um zwei Extreme: den sicheren Job mit festen Zeiten. Oder die große Selbstständigkeit mit Businessplan, Risiko und dem Druck, sofort alles auf eine Karte zu setzen. Dazwischen gibt es erstaunlich wenig Fantasie. Gerade für Frauen mit Familie ist das ein Problem. Viele suchen keinen Job, der sie klein hält, sondern eine Aufgabe, die zu ihrem Leben passt und trotzdem ernst zu nehmen ist. Auch Victoria Schmuck ist genau aus diesem Gedanken heraus entstanden: Frauen einen anderen Zugang zu beruflicher Selbstständigkeit zu ermöglichen: niedrigschwelliger als eine klassische Gründung, persönlicher als ein reiner Vertriebsjob und flexibler als viele feste Arbeitsmodelle. Der Einstieg erfolgt über Schmuckpartys, persönliche Beratung und den Aufbau eines eigenen Netzwerks. Manche starten nebenberuflich. Andere entwickeln daraus mit der Zeit ein relevantes Einkommen. Auf den ersten Blick wirkt das unspektakulär: Schmuck zeigen, beraten, einen Schmuckabend gestalten Doch wer das regelmäßig macht, merkt schnell: Es geht um weit mehr als schöne Produkte. Es geht darum, Erlebnisse zu schaffen, Vertrauen aufzubauen, Empfehlungen auszulösen und Kundinnen langfristig zu binden.

Selbstständigkeit braucht nicht immer ein großes Risiko  

Viele Menschen verbinden Selbstständigkeit mit Finanzierung, eigenem Laden, hohen Fixkosten und dem Druck, sofort davon leben zu müssen. Für viele ist genau diese Vorstellung der Grund, warum sie nie starten. Dabei kann Selbstständigkeit auch anders aussehen: nebenberuflich, mit einem bestehenden Produkt, einer Marke im Rücken und einem klaren System. Man muss keine eigene Kollektion entwickeln, keine Lieferketten aufbauen und kein Geschäft eröffnen. Der Fokus liegt auf persönlicher Beratung, Vertrauen und einem Einkaufserlebnis, das weit über einen klassischen Warenkorb hinausgeht. Ein Beispiel aus dem Umfeld von Victoria Schmuck zeigt, welches Potenzial darin steckt. Eine vierfache Mutter begann 2016 zunächst nebenberuflich mit eigenen Schmuckpartys. Sie hatte ein Gefühl für Design, Freude am Kontakt mit Menschen und den Wunsch, etwas für sich selbst aufzubauen. Am Anfang war es ein Versuch. Eine Kundin empfahl sie weiter. Aus einzelnen Terminen entstand ein Kundenstamm.  

Heute erzielt sie damit ein Jahreseinkommen von über 100.000 Euro.  

Interessanter als die Zahl ist, was davor passiert ist. Sie hat nicht darauf gewartet, dass ein Unternehmen ihr nach der Familienphase wieder eine passende Rolle anbietet. Sie hat sich selbst eine geschaffen.   

Nähe schlägt Reichweite 

Man könnte meinen, Schmuckpartys seien ein Modell aus einer anderen Zeit. Schließlich kann heute jeder alles online bestellen. Aber Schmuck ist kein beliebiges Produkt. Er verändert ein Outfit, ist ein Geschenk oder erinnert an einen Moment. Dafür reicht ein Produktbild oft nicht. Eine gute Beratung schafft etwas, das im Online-Handel schwer zu ersetzen ist: Nähe. Sie erkennt, was zu einer Kundin passt, merkt Unsicherheit, kombiniert, erklärt und rät im Zweifel auch mal ab. Genau hier liegt der Unterschied zu vielen anonymen Kaufprozessen. Wer Menschen persönlich berät, verkauft nicht nur ein Produkt. Er oder sie baut Vertrauen auf. Und Vertrauen ist im Handel oft mehr wert als reine Reichweite.  

Vereinbarkeit ist kein Bonus, sondern ein Wirtschaftsfaktor  

Das Wort Flexibilität wird im Arbeitsmarkt inflationär benutzt, aber selten wirklich gelebt. In vielen Unternehmen bedeutet es am Ende: Du darfst deine Arbeit etwas anders verteilen, solange das System  im Kern gleich bleibt. Für Menschen mit Familie reicht das häufig nicht. Echte Flexibilität heißt, das eigene Tempo mitbestimmen zu können, ohne dass jede private Veränderung sofort zum beruflichen Rückschritt wird. Dass aus einem flexiblen Einstieg auch Führungsverantwortung werden kann, zeigt eine dreifache Mutter, die in der Verwaltung im Rahmen der Eingliederungshilfe arbeitet und zunächst nebenberuflich startete. Heute ist ihr Verwaltungsjob auf wenige Stunden pro Woche reduziert während sie gleichzeitig  rund 45 Frauen im Team begleitet und gemeinsam mit ihnen einen hohen sechsstelligen Umsatz verantwortet. Das ist kein klassisches Karrierebild. Sie hat sich eine Rolle geschaffen, die mit ihrer Lebensrealität wachsen konnte: erst nebenbei, dann verbindlicher, schließlich mit Verantwortung für ein eigenes Team. Natürlich ist das kein Selbstläufer. Wer erfolgreich sein will, muss Kontakte aktiv ansprechen, Termine organisieren, sichtbar sein und konsequent dranbleiben. Aber das Beispiel zeigt, was möglich wird, wenn berufliche Entwicklung nicht an starre Arbeitszeiten oder klassische Beförderungslogiken gebunden ist, sondern sich an Lebensrealitäten orientieren darf.  

Wir brauchen ein breiteres Verständnis von Karriere  

Karriere muss nicht immer bedeuten, die nächste Hierarchiestufe zu erreichen. Sie kann auch bedeuten, nach Jahren der Familienarbeit wieder beruflich Fuß zu fassen, Selbstvertrauen aufzubauen und Schritt für Schritt wieder finanziell unabhängig zu werden..

Genau deshalb sollten wir berufliche Entwicklung breiter denken und nicht nur dort ernst nehmen, wo sie nach klassischer Konzernlaufbahn aussieht.

Wer Kundinnen gewinnt, Netzwerke aufbaut und aus einzelnen Kontakten ein stabiles Geschäft entwickelt, arbeitet nicht „ein bisschen nebenbei“. Hier entsteht echte unternehmerische Leistung.

Karriere beginnt nicht immer mit einer Bewerbung.
Manchmal beginnt sie genau in dem Moment, in dem eine Frau erkennt: Ich kann mir meine berufliche Rolle selbst gestalten.

Über den Autor: 
Andreas Mücke ist General Manager der Victoria Deutschland GmbH. Seit mehr als sechs Jahren begleitet er die Entwicklung des Unternehmens in Deutschland und verantwortet in seiner Rolle die strategische Ausrichtung sowie den weiteren Ausbau des deutschen und Österreichischen Marktes.

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