Finance & Freedom Crash mit Ansage: Warum Profis jetzt auf Korea setzen

Crash mit Ansage: Warum Profis jetzt auf Korea setzen

Südkoreas Börse hat Anleger in den vergangenen Wochen durchgeschüttelt wie kaum ein anderer Markt. Während viele Privatanleger Milliarden verloren haben, wittern internationale Investoren jetzt eine seltene Einstiegschance – vor allem bei den Chip-Giganten Samsung und SK Hynix.

Der Absturz war spektakulär, die Erholung nicht minder. Nach einem der heftigsten Ausverkäufe der vergangenen Jahre mehren sich die Stimmen großer Vermögensverwalter, die den Kursrutsch inzwischen eher als Übertreibung denn als fundamentale Krise sehen.

Die Rückkehr der großen Investoren

Noch im Juli zogen internationale Anleger wegen der extremen Turbulenzen Kapital aus Südkorea ab. Doch die Stimmung scheint zu kippen. Am vergangenen Freitag kauften ausländische Investoren koreanische Aktien im Wert von 7,2 Billionen Won – umgerechnet rund fünf Milliarden US-Dollar. Es war der höchste Netto-Kauf ausländischer Anleger an einem einzigen Handelstag, obwohl sie im bisherigen Jahresverlauf insgesamt Verkäufer gewesen waren.

Kein Unternehmensproblem, sondern ein Hebel-Crash

Für viele institutionelle Investoren liegt die Ursache des Absturzes nicht in den Unternehmen selbst. Steve Lawrence, Chief Investment Officer der US-Investmentgesellschaft Balfour Capital Group, bringt es auf den Punkt: Der Einbruch sei ein Leverage-Ereignis gewesen – kein Gewinnproblem. Samsung sei vor allem deshalb massiv verkauft worden, weil die Aktie einen enormen Anteil am südkoreanischen Leitindex ausmacht und bei Zwangsverkäufen entsprechend stark unter Druck geriet. Aus Sicht vieler Profis bleibt die fundamentale Investmentstory dagegen intakt. Der Boom bei KI-Rechenzentren treibt weiterhin die Nachfrage nach Speicherchips, während der weltweite Speicherzyklus nach Einschätzung zahlreicher Analysten weiterhin Rückenwind liefert.

Samsung und SK Hynix bleiben die Favoriten

Besonders deutlich zeigt sich die Diskrepanz zwischen Börsenkurs und Geschäftsentwicklung bei Samsung Electronics. Die Aktie verlor zwischen ihrem Hoch im Juni und dem Tiefpunkt Ende Juli fast die Hälfte ihres Wertes – obwohl der Konzern einen rund 250-fachen Anstieg seines Chip-Gewinns meldete und einen positiven Ausblick präsentierte. Auch Konkurrent SK Hynix erlitt einen ähnlichen Kurseinbruch. Beide Aktien konnten sich zuletzt jedoch deutlich erholen.

Die ETF-Blase ist geplatzt

Eine zentrale Rolle spielten hoch gehebelte ETFs auf Einzelaktien. Diese Produkte hatten den Börsenboom in Südkorea zunächst zusätzlich befeuert – und anschließend den Absturz dramatisch verschärft. Das in entsprechenden Hebel-ETFs investierte Vermögen schrumpfte laut J.P. Morgan innerhalb weniger Wochen von rund 50 Milliarden auf nur noch 17 Milliarden US-Dollar. Analysten gehen inzwischen davon aus, dass der größte Teil dieses Deleveraging-Prozesses abgeschlossen ist. Auch die Notverkäufe des angeschlagenen Hedgefonds Situational Awareness, die den Markt zusätzlich belasteten, gelten inzwischen weitgehend als verarbeitet.

Privatanleger zahlen die Rechnung

Während internationale Fonds bereits wieder Chancen sehen, sitzen viele koreanische Privatanleger auf enormen Verlusten. Citi schätzt den Schaden allein bei gehebelten ETFs auf rund 38,7 Milliarden US-Dollar. Entsprechend groß ist der politische Druck. Finanzminister Koo Yun-cheol entschuldigte sich öffentlich für die Einführung der hochriskanten Einzelaktien-Hebel-ETFs und kündigte strengere Regeln an. Marktbeobachter sprechen inzwischen von einem Unfall mit Ansage. Die Kombination aus einer enormen Zahl neuer Depots, hoher Konzentration auf wenige Technologiewerte und zusätzlicher Fremdfinanzierung habe eine gefährliche Dynamik geschaffen, die im Abschwung kaum noch zu kontrollieren gewesen sei.

Ist das jetzt die Kaufchance?

Mehrere große Investmenthäuser halten den Ausverkauf inzwischen für weitgehend abgeschlossen. J.P. Morgan geht davon aus, dass Hedgefonds den Großteil ihres Schuldenabbaus bereits erledigt haben. Historisch hätten vergleichbare Korrekturen in Schwellenländern im Median innerhalb der folgenden zwölf Monate Kursgewinne von rund 28 Prozent gebracht. Dennoch bleibt Vorsicht angebracht. Die extreme Volatilität ist noch nicht verschwunden. Nach einem Rekordanstieg von fast 18 Prozent sackte der KOSPI zum Wochenstart bereits wieder deutlich ab. Viele institutionelle Anleger beobachten den Markt daher zunächst weiter von der Seitenlinie. Gleichzeitig wächst jedoch die Zahl der Fondsmanager, die glauben, dass koreanische Technologiewerte nach dem Ausverkauf wieder einen genaueren Blick wert sein könnten.

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