Finance & Freedom Frührente: Das sind die wirklichen Kosten und Nutzen

Frührente: Das sind die wirklichen Kosten und Nutzen

Mit 63 in Rente – klingt verlockend. Doch die 82.000 Euro Vorsprung haben einen Preis: 288 Euro weniger pro Monat, ein Leben lang. Die Rechnung geht erst mit 86 auf.

Früher raus aus dem Job, mehr Zeit für sich – das klingt nach Freiheit. Tatsächlich ist Frührente eine Wette auf die eigene Lebenserwartung. Wer mit 63 statt 67 aufhört, kassiert zwar vier Jahre früher Geld. Aber: Die Rente schrumpft dauerhaft um bis zu 14,4 Prozent. Diese Kürzung bleibt bis zum Tod – und betrifft auch Hinterbliebene.

Die Milchmädchenrechnung mit 82.000 Euro

Ein Beispiel: Bei regulär 2.000 Euro Rente bleiben nach maximalem Abschlag noch 1.712 Euro. Macht 288 Euro weniger – jeden Monat, für immer. Dafür gibt es 48 Monate früher Geld: insgesamt rund 82.000 Euro Vorsprung. Klingt nach einem Deal. Ist es aber nur bedingt.

Denn nach etwa 24 Jahren ist der Vorsprung aufgebraucht. Wer länger als 86 Jahre lebt, zahlt drauf. Und zwar richtig.

Der Königsweg mit 45 Beitragsjahren

Laut Procontra Online gilt die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren als „Königsweg“. Fast ein Drittel aller Neurentner wählte 2018 diesen Weg.

Doch auch hier verschärft sich die Lage: Ab Jahrgang 1964 muss man selbst mit 45 Beitragsjahren bis 65 arbeiten – sonst drohen Abschläge. Die „Rente mit 63″ wird zur „Rente mit 65″. Das Renteneintrittsalter steigt schrittweise auf 67 Jahre.

35 Jahre reichen – kosten aber heftig

Wer nur 35 Versicherungsjahre vorweisen kann, darf ebenfalls mit 63 starten. Der Preis: 0,3 Prozent Abschlag pro Monat. Bei Jahrgang 1959 sind das 11,4 Prozent, bei Jahrgang 1964 sogar 14,4 Prozent – lebenslang.

Eine Musterrechnung zeigt: Bei 83 Jahren Lebenserwartung summiert sich der Verlust auf fast 50.000 Euro. Ausgleichen lässt sich das mit einer Sonderzahlung von rund 41.000 Euro. Steuerlich clever: Die Zahlung über mehrere Jahre strecken.

Freiwillig einzahlen – aber richtig

Wer mindestens 18 Jahre Pflichtbeiträge geleistet hat, kann freiwillig nachzahlen. Voraussetzung: In den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn keine Arbeitslosigkeit.

Laut Focus bringen 6.000 Euro jährlich über fünf Jahre etwa 134 Euro Monatsrente. Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente ist aktuell stabiler als private Rentenversicherungen, die unter Niedrigzinsen leiden. Freiwillige Beiträge lohnen sich besonders für über 50-Jährige.

Erwerbsminderung – schwieriger als gedacht

Bei gesundheitlichen Problemen greift die Erwerbsminderungsrente. Entscheidend: nicht die Fähigkeit im bisherigen Beruf, sondern die generelle Arbeitsfähigkeit am Markt.

Unter drei Stunden täglich bedeutet volle Erwerbsminderung, unter sechs Stunden teilweise. Viele Anträge werden zunächst abgelehnt oder fallen niedriger aus als erwartet. Schwerbehinderte mit Grad 50 können ab 62 starten – meist mit Abschlägen.

Steuern fressen die Rente

Von den 278 Milliarden Euro ausgezahlter Renten 2015 fielen 16 Prozent unter die Steuerpflicht. 27 Prozent aller Rentner zahlten Einkommensteuer. Hinzu kommen Kranken- und Pflegekassenbeiträge für KVdR-Rentner.

Je höher die Rente, desto härter die Abzüge. Ein säulenübergreifendes Vorsorgeregister sollte Transparenz schaffen – kommt aber frühestens 2021, vermutlich nur als Teilschritt.

Business Punk Check

Frührente ist keine Lifestyle-Entscheidung, sondern ein Finanzprodukt mit mieser Rendite. Die 82.000 Euro Vorsprung sind ein psychologischer Trick – wer bis 86 lebt, zahlt drauf. Und die Lebenserwartung steigt. Gleichzeitig frisst Inflation die Kaufkraft, während Gesundheits- und Pflegekosten explodieren.

Die Politik verkauft den „Königsweg“ als Wahlfreiheit, verschweigt aber: Das System braucht längere Lebensarbeitszeiten, nicht kürzere. Wer wirklich früher raus will, muss privat vorsorgen – oder akzeptieren, dass die letzten Lebensjahre finanziell eng werden. Die unbequeme Wahrheit: Frührente ist ein Luxus, den sich nur leisten kann, wer entweder früh stirbt oder reich ist. Für alle anderen ist es eine Wette gegen die eigene Gesundheit – und gegen die Inflation.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich Frührente finanziell überhaupt?

Nur wenn man vor 86 stirbt. Wer früher in Rente geht, kassiert zwar 82.000 Euro Vorsprung, verliert aber 288 Euro monatlich – ein Leben lang. Nach 24 Jahren ist der Vorsprung aufgebraucht. Danach zahlt man drauf, während Inflation die Kaufkraft weiter senkt und Gesundheitskosten steigen.

Wie kann man Rentenabschläge ausgleichen?

Mit Sonderzahlungen an die Rentenversicherung. Bei maximalem Abschlag von 14,4 Prozent sind das rund 41.000 Euro. Steuerlich clever: Die Zahlung über mehrere Jahre strecken, solange noch hohes Einkommen vorliegt. Voraussetzung: mindestens 18 Jahre Pflichtbeiträge und keine Arbeitslosigkeit in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn.

Was zählt zu den 45 Beitragsjahren für abschlagsfreie Frührente?

Nicht nur Arbeitsjahre, sondern auch Kindererziehungszeiten, Kranken- und Verletztengeld sowie freiwillige Beiträge. Viele unterschätzen, dass nicht jede Lebensphase vollständig zählt. Ab Jahrgang 1964 muss man trotz 45 Beitragsjahren bis 65 arbeiten – die „Rente mit 63″ gibt es faktisch nicht mehr.

Wie realistisch ist Erwerbsminderungsrente bei Krankheit?

Schwieriger als gedacht. Maßstab ist nicht der bisherige Beruf, sondern die generelle Arbeitsfähigkeit am Arbeitsmarkt. Viele Anträge werden zunächst abgelehnt oder fallen niedriger aus. Wer unter drei Stunden täglich arbeiten kann, erhält volle Erwerbsminderung – aber die Hürden sind hoch und medizinische Nachweise müssen lückenlos sein.

Welche Steuerlast droht Rentnern wirklich?

Von 278 Milliarden Euro ausgezahlter Renten fielen 2015 bereits 16 Prozent unter die Steuerpflicht. 27 Prozent aller Rentner zahlten Einkommensteuer, Tendenz steigend. Hinzu kommen Kranken- und Pflegekassenbeiträge. Je höher die Rente, desto härter die Abzüge – ein säulenübergreifendes Vorsorgeregister zur besseren Planung kommt frühestens 2021.

Quellen: Focus, Procontra Online

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