Finance & Freedom Revolut(ion): Wie eine britische Neobank TradeRepublic und Co. angreift

Revolut(ion): Wie eine britische Neobank TradeRepublic und Co. angreift

Die britische Neobank Revolut meldet 1,5 Milliarden Euro Gewinn und 68 Millionen Kunden weltweit. Doch ausgerechnet im größten europäischen Markt Deutschland bleibt das Wachstum mager.

Revolut druckt Geld. 1,5 Milliarden Euro Nettogewinn, ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 43 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro, die Gewinnmarge liegt bei 38 Prozent. Weltweit zählt die britische Neobank mittlerweile 68 Millionen Kunden – 16 Millionen kamen allein 2025 dazu. Das Unternehmen ist seit fünf Jahren profitabel und wird mit 75 Milliarden Dollar bewertet. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kommt auf weniger Börsenwert. CEO Nik Storonsky gibt sich siegessicher: „Während wir uns zu einer wirklich globalen Bank entwickeln, zeigen wir, dass unser technologiegetriebener Ansatz es uns ermöglicht, schnell zu wachsen und gleichzeitig extrem profitabel zu bleiben“, so Handelsblatt. Bis 2027 sollen 100 Millionen Kunden erreicht werden.

Gebührenmodell statt Zinsgeschäft

Die Ertragsstrategie von Revolut unterscheidet sich fundamental vom klassischen Bankgeschäft. Statt auf Zinsmarge setzt das Unternehmen auf Gebühren – und macht damit 22 Prozent des Umsatzes allein mit Kartenzahlungen. Die Mastercard-Debitkarte generiert höhere Interchange-Gebühren als nationale Lösungen wie die Girocard.

Zusätzlich treibt das Punktesystem RevPoints die Nutzung: 17 Millionen Europäer sammeln bereits Loyalty-Punkte, die sich in Flugmeilen oder Hotelübernachtungen umwandeln lassen. Abonnements steuern weitere 15 Prozent der Erträge bei, hinzu kommen Einnahmen aus Währungstausch und dem Investment-Geschäft. Das Einlagenvolumen wuchs auf 58 Milliarden Euro – eine Basis, die unabhängiger von Konjunkturzyklen macht.

Deutschland bleibt Problemzone

Ausgerechnet im größten europäischen Markt stockt die Expansion. Drei Millionen Kunden in Deutschland klingen nach viel, doch nur 800.000 kamen 2025 hinzu. Zum Vergleich: In Spanien, Frankreich, Polen und Italien eröffnete jeder dritte Erwachsene mit neuem Bankkonto dieses bei Revolut. In Deutschland liegt der Anteil bei mageren 18 Prozent, wie Paymentandbanking berichtet.

Trade Republic wächst hier schneller als die Briten. Der Grund: Der deutsche Bankenmarkt ist zersplittert zwischen Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken. Zudem hängen die Deutschen an Bankeinlagen statt an digitalen Finanzprodukten. Direktbanken wie ING oder DKB haben bereits zehn Millionen Kunden – eine Hausnummer, die Revolut erst noch knacken muss.

Geschäftskunden als Wachstumstreiber

Während private Abonnements stagnieren, explodiert das B2B-Geschäft. Die Zahl der Geschäftskunden stieg um 33 Prozent auf 767.000, das Transaktionsvolumen legte um über 50 Prozent zu. Revolut positioniert sich zunehmend als Geschäftsbank – mit Zahlungsterminals in 19 Ländern und Banking-Lösungen für Unternehmen. Der Anteil zahlender Privatkunden sinkt vermutlich, doch die Bank schweigt zu konkreten Zahlen. Die Strategie ist klar: Geschäftskunden bringen höhere Margen und stabilere Umsätze als Privatkunden mit Gratis-Konten.

Traditionelle Banken schlagen zurück

Der Erfolg von Revolut alarmiert die etablierten Player. JP Morgan Chase nutzte die jahrelange Wartezeit auf Revoluts britische Banklizenz und baute im Heimatmarkt der Neobank eine Digitalbank mit zwei Millionen Kunden auf. Andere Großbanken ziehen nach und investieren massiv in digitale Angebote. Revolut selbst warnt in seinem Geschäftsbericht vor verschärftem Wettbewerb und sinkenden Margen, so WirtschaftsWoche. Die frisch erhaltene britische Banklizenz erlaubt nun Einlagen über 50.000 Pfund – ein wichtiger Schritt, um Großkunden zu halten. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Business Punk Check

Revolut liefert Zahlen, die andere Neobanken nur träumen lassen. Doch die Wahrheit hinter dem Hype: Das Geschäftsmodell basiert auf Gebühren, die Kunden anderswo nicht zahlen würden. Interchange-Gebühren bei Debitkarten? In Deutschland undenkbar. Abonnements für Banking? Die meisten Direktbanken bieten das kostenlos.

Die hohe Bewertung von 75 Milliarden Dollar steht auf wackligen Beinen, sobald traditionelle Banken ihre digitalen Plattformen hochfahren. JP Morgan zeigt, wie schnell etablierte Player aufholen können. Revoluts größtes Problem: In den lukrativsten Märkten wie Deutschland fehlt die kulturelle Passung. Wer hier Sparkasse und Volksbank gewohnt ist, wechselt nicht für ein paar RevPoints. Die 100-Millionen-Kunden-Marke bis 2027? Erreichbar – aber nur durch aggressive Expansion in Schwellenländern mit niedrigeren Margen. Für Investoren bedeutet das: Wachstum ja, aber zu welchem Preis? Die nächsten zwei Jahre entscheiden, ob Revolut eine globale Bank wird oder ein überbewertetes Fintech bleibt.

Häufig gestellte Fragen

Warum wächst Revolut in Deutschland langsamer als in anderen Märkten?

Der deutsche Bankenmarkt ist extrem fragmentiert mit starken regionalen Sparkassen und Volksbanken. Zudem sind deutsche Kunden weniger digital-affin und bevorzugen traditionelle Bankeinlagen. Trade Republic und etablierte Direktbanken wie ING haben bereits Millionen Kunden und bieten kostenlose Konten ohne Gebührenmodelle, die Revolut nutzt.

Wie verdient Revolut sein Geld ohne klassisches Zinsgeschäft?

Revolut setzt auf gebührenbasierte Erträge: 22 Prozent kommen aus dem Kartengeschäft durch höhere Interchange-Gebühren bei Mastercard-Debitkarten. Weitere Einnahmen stammen aus Abonnements, Währungstausch und Investment-Produkten. Dieses Modell macht die Bank unabhängiger von Zinsschwankungen, funktioniert aber nur in Märkten mit hoher Akzeptanz für Gebühren.

Welche Rolle spielen Geschäftskunden für Revoluts Wachstum?

Geschäftskunden sind der eigentliche Wachstumstreiber mit 33 Prozent Zuwachs auf 767.000 Konten und über 50 Prozent mehr Transaktionsvolumen. Während private Abonnements stagnieren, bringen B2B-Kunden höhere Margen und stabilere Umsätze. Revolut positioniert sich zunehmend als Geschäftsbank mit Zahlungsterminals in 19 Ländern.

Können traditionelle Banken Revolut noch einholen?

JP Morgan zeigt, dass etablierte Banken schnell aufholen können – zwei Millionen Kunden in Großbritannien innerhalb kurzer Zeit. Großbanken haben tiefere Taschen, bestehende Kundenbeziehungen und regulatorische Erfahrung. Revolut warnt selbst vor verschärftem Wettbewerb und sinkenden Margen. Die nächsten zwei Jahre werden entscheidend sein.

Ist die Bewertung von 75 Milliarden Dollar gerechtfertigt?

Die Bewertung übersteigt den Börsenwert der Deutschen Bank, basiert aber auf aggressiven Wachstumsannahmen. Das Geschäftsmodell funktioniert vor allem in Märkten mit hoher Gebührenakzeptanz. In lukrativen Märkten wie Deutschland bleibt das Wachstum mager. Investoren sollten kritisch prüfen, ob Revolut die 100-Millionen-Kunden-Marke bis 2027 mit profitablen Kunden erreicht oder nur durch Expansion in Schwellenländer mit niedrigeren Margen.

Quellen: Handelsblatt, Paymentandbanking, WirtschaftsWoche, Finanz Szene

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