Finance & Freedom SO kann man mit 67 1000 Euro Rente kassieren

SO kann man mit 67 1000 Euro Rente kassieren

Wer früh anfängt, braucht nur 89 Euro monatlich für 1000 Euro Extra-Rente. Die Rechnung dahinter: ETF-Sparplan, Zinseszins und 42 Jahre Zeit. Klingt simpel – aber funktioniert das wirklich?

Die Rentenlücke ist real. Wer sich darauf verlässt, dass die gesetzliche Rente reicht, wird im Alter böse überrascht. Doch es gibt einen Weg raus: Wer mit 25 Jahren startet und monatlich 89 Euro in einen ETF-Sparplan steckt, kann sich ab 67 jeden Monat 1000 Euro zusätzlich auszahlen – 25 Jahre lang. Das Vergleichsportal Verivox hat für Bild durchgerechnet, wie dieser Plan aufgeht. Die Zahlen klingen verlockend. Aber was steckt wirklich dahinter?

Die Rechnung: 246.374 Euro als Zielvermögen

Die Strategie basiert auf einem klassischen ETF-Sparplan mit 7,5 Prozent jährlicher Rendite. Dieser Wert orientiert sich am historischen Durchschnitt des MSCI World – abzüglich üblicher Gebühren.

Mit 67 Jahren wird das Portfolio aufgelöst und in sichere Anlagen mit zwei Prozent Zinsen umgeschichtet. Ziel: 246.374 Euro Kapital zum Renteneintritt. Daraus lassen sich dann 25 Jahre lang monatlich 1000 Euro entnehmen. Die Rechnung kalkuliert bis zum Alter von 92 Jahren – deutlich über der statistischen Lebenserwartung von 79 bis 85 Jahren.

Der Zeitfaktor: Warum 25-Jährige gewinnen

Der entscheidende Hebel ist Zeit. Wer mit 25 Jahren beginnt, zahlt insgesamt nur 44.856 Euro ein. Den Rest – über 200.000 Euro – erwirtschaften Rendite und Zinseszins. 35-Jährige müssen bereits 189 Euro monatlich investieren, 45-Jährige sogar 426 Euro.

Und wer erst mit 55 startet, braucht 1151 Euro pro Monat – für die meisten unrealistisch. Die Differenz ist brutal: 55-Jährige müssen mit 165.744 Euro fast viermal so viel eigenes Kapital aufbringen wie 25-Jährige. Die Botschaft ist klar: Wer wartet, zahlt drauf.

Inflation: Der stille Vermögenskiller

Doch die Rechnung hat einen Haken. 1000 Euro klingen nach viel Geld – heute. Bei zwei Prozent Inflation schrumpft die Kaufkraft massiv. Wer heute 25 ist und mit 67 in Rente geht, erhält zwar nominal 1000 Euro.

Real entspricht das aber nur noch etwa 420 Euro heutiger Kaufkraft. Nach weiteren 25 Jahren Auszahlphase sind es nur noch rund 260 Euro. Die Lösung: Sparraten regelmäßig erhöhen. Nach Gehaltserhöhungen sollten auch die monatlichen Einzahlungen steigen, um den Inflationseffekt auszugleichen.

Risiko ETF: Was verschweigt die Rechnung?

Die 7,5 Prozent Rendite basieren auf historischen Durchschnittswerten. Doch Vergangenheit ist keine Garantie für Zukunft. Wer 2000 in den MSCI World investierte, erlebte die Dotcom-Blase, die Finanzkrise 2008 und den Corona-Crash. Zwischenzeitliche Verluste von 50 Prozent waren möglich.

Wer genau zum falschen Zeitpunkt verkaufen muss, steht mit deutlich weniger da. Die Strategie funktioniert nur, wenn man Krisen aussitzt – und nicht in Panik verkauft. Außerdem: Die Umschichtung mit 67 in Tagesgeld mit zwei Prozent Zinsen klingt konservativ. Doch auch hier gilt: Zinsen schwanken. Wer 2022 umschichtete, bekam noch 0,01 Prozent.

Business Punk Check

Die Verivox-Rechnung ist mathematisch korrekt – aber realitätsfern. Denn sie ignoriert die größten Risiken: Lebensrealität und Markttiming. Wer glaubt, 42 Jahre lang störungsfrei 89 Euro zu sparen, hat noch nie eine Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit oder unerwartete Ausgaben erlebt. Die Wahrheit: Die meisten brechen Sparpläne vorzeitig ab oder reduzieren sie massiv. Studien zeigen, dass nur 30 Prozent der Anleger ihre ETF-Strategie länger als zehn Jahre durchhalten. Hinzu kommt das Timing-Problem: Wer 2000 oder 2007 kurz vor dem Crash mit dem Sparen begann, brauchte Jahre, um wieder auf null zu kommen.

Die 7,5 Prozent Durchschnittsrendite sind nur ein statistischer Wert – real schwanken die Ergebnisse extrem je nach Einstiegszeitpunkt. Und dann ist da noch die Inflation: 1000 Euro in 42 Jahren sind real vielleicht 400 Euro wert. Die Rechnung funktioniert nur für disziplinierte Sparer mit stabilem Einkommen, die Krisen aussitzen können und ihre Raten kontinuierlich erhöhen. Für alle anderen bleibt es ein schönes Rechenbeispiel – mehr nicht.

Häufig gestellte Fragen

Welche ETFs eignen sich für langfristigen Vermögensaufbau zur Altersvorsorge?

Für langfristige Sparpläne empfehlen sich breit diversifizierte Welt-ETFs wie der MSCI World oder MSCI ACWI. Diese bilden tausende Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab und minimieren das Klumpenrisiko. Thesaurierende ETFs reinvestieren Dividenden automatisch und nutzen den Zinseszinseffekt optimal. Achten sollte man auf niedrige Gesamtkostenquoten unter 0,3 Prozent jährlich.

Wie realistisch sind 7,5 Prozent Rendite pro Jahr über mehrere Jahrzehnte?

Der MSCI World lieferte historisch etwa acht Prozent Rendite pro Jahr – inklusive reinvestierter Dividenden. Nach Abzug von ETF-Kosten bleiben realistisch 7,5 Prozent übrig. Doch diese Durchschnittswerte glätten extreme Schwankungen: Einzelne Jahre brachten plus 40 Prozent, andere minus 40 Prozent. Wer 30 bis 40 Jahre investiert bleibt, hat historisch diese Rendite erreicht – Garantien gibt es keine.

Was passiert, wenn der Markt kurz vor der Rente crasht?

Das Timing-Risiko ist real. Wer 2008 mit 67 in Rente ging, hatte massive Verluste im Portfolio. Deshalb empfehlen Experten eine schrittweise Umschichtung ab zehn Jahren vor Rentenbeginn. Statt alles auf einmal zu verkaufen, sollte man jährlich einen Teil in sichere Anlagen verschieben. So mittelt man Kursschwankungen aus und vermeidet, zum schlechtesten Zeitpunkt verkaufen zu müssen.

Wie gleicht man den Inflationseffekt bei der Altersvorsorge aus?

Die Lösung liegt in dynamischen Sparraten. Nach jeder Gehaltserhöhung sollte auch die monatliche Sparrate steigen – idealerweise um denselben Prozentsatz. Wer mit 89 Euro startet und diese jährlich um drei Prozent erhöht, hat am Ende deutlich mehr Kapital. Zusätzlich sollte man in der Auszahlphase flexibel bleiben und die monatliche Entnahme an die tatsächliche Inflation anpassen können.

Lohnt sich der ETF-Sparplan auch für Selbstständige ohne Betriebsrente?

Gerade für Selbstständige ist der ETF-Sparplan essenziell, da sie keine Betriebsrente erhalten. Die Flexibilität ist hier der Vorteil: Sparraten lassen sich jederzeit anpassen, pausieren oder erhöhen – je nach Auftragslage. Anders als bei Riester oder Rürup gibt es keine staatlichen Zulagen, dafür aber volle Kontrolle über das Kapital. Wichtig: Selbstständige sollten parallel einen Notgroschen für schlechte Monate aufbauen.

Quellen: Bild, Verivox

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