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Flasche für Flasche – Wie das Social-Startup Share Ungleichheit bekämpfen will

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Lesezeit7 Min · 1.327 Wörter

Das soziale Unternehmen Share spendete laut eigener Aussage im letzten Jahr knapp zwei Millionen Euro, um damit Menschen in Not zu helfen. Dabei gilt das Prinzip: Für jede verkaufte Ware wird die gleiche Ware an Menschen in Not gespendet. Wer sich zum Beispiel eine Wasserflasche von Share kauft, finanziert den Bau eines Brunnens mit.

Wir haben mit Ben Unterkofler, einem der Gründer des Startups gesprochen. Dabei ging es um seine Schauspielervergangenheit, die heutige Mission des Unternehmens und was in der Zukunft geplant ist.

Bevor du als Unternehmer tätigt wurdest, hattest du eigentlich eine vielversprechende Schauspielkarriere vor dir. Wieso hast du den Weg nicht weiterverfolgt?

Ich habe mit der Schauspielerei angefangen, als ich 13 war. Aufgehört habe ich, als ich 22 war. Damals war es einfach faszinierend, in die Rolle reinzuschlüpfen. Aber ich habe gemerkt, dass es gar nicht das ist, was mich erfüllt.

Was bis heute gleichgeblieben ist: Ich bin schon immer an menschlichen Schicksalen und dem Thema Ungleichheit interessiert. Für mich war der wirkliche Impuls, Probleme anzugehen und Ungleichheit bekämpfen zu wollen. Von der Schauspielerei bis zum Social Entrepreneurship ging das über mehrere Etappen.

Welche Etappen?

Ich habe angefangen, BWL und Politik zu studieren. Ich bin in den Bundestag gegangen, habe dann auch im Europäischen Parlament für Martin Schulz gearbeitet. Ich habe auch dort gemerkt, demokratische Prozesse sind wichtig, aber für mich war es faszinierender zu überlegen: Wie kannst du mit smarten Ideen viel erreichen?

Der deutsche Spendenmarkt ist ca. 5 Milliarden Euro groß, der Konsummarkt ist ca. 255 Milliarden Euro groß. Was wäre, wenn wir von den 255 Milliarden etwas abzwacken, um es auf den Topf der 5 Milliarden drauf zu tun?

Gab es Vorteile als ehemaliger Schauspieler, die du in der Unternehmenswelt nutzen konntest?

Nicht direkt, aber du hast natürlich eine gewisse Arbeitserfahrung gesammelt, die dir hilft. Wie bewegst du dich in einem Netzwerk von verschiedenen Stakeholdern? Wie musst du dich selbst verkaufen? Wie bildest du deine eigene Marke? Ich kann auf ein starkes Netzwerk mit vielen interessanten Persönlichkeiten zurückgreifen.

Beispielsweise stehe ich nach wie vor sehr eng mit der Filmakademie, die den Deutschen Filmpreis organisiert, in Verbindung. Die unterstützen wir mit Share und helfen uns gegenseitig. Dann ist da noch die Kreativität. Kreativ zu arbeiten, hat mir geholfen, mich zu öffnen und mich in die individuellen Perspektiven der Stakeholder hineinzuversetzen.

Als ihr angefangen habt, war immer vom 1+1-Prinzip die Rede. Wie funktioniert das Prinzip heute?

Eigentlich immer noch gleich. Wir nennen es mittlerweile „Need for Need“: Du isst, jemand anderes isst. Ich trinke, jemand anderes trinkt. Um es bildlich und damit verständlicher zu machen, sagen wir, dass mit einer Wasserflasche, ein Tag Trinkwasser ermöglicht wird. Das bedeutet, dass wir einen Brunnen bauen, mit dem 20 bis 25 Liter Trinkwasser pro Tag gespendet werden.

Manchmal ist das ein sehr langer Weg und es ist kommunikativ leichter, über „Need for Need“ zu sprechen. Grundsätzlich sind wir 2018 mit Seifen, Riegeln und Wasserflaschen gestartet, um die größten Needs aus der Entwicklungshilfe abzudecken: Zugang zu Ernährung, Hygiene und Trinkwasser. Wir haben mittlerweile über 120 Produkte.

Wenn ich ein Wasser kaufe, sehe ich dann, welcher Brunnen damit genau finanziert worden ist?

All unsere physischen Produkte haben einen QR-Code. Wenn du den scannst, siehst du genau, wo du geholfen hast und mit welcher NGO wir bei den einzelnen Projekten zusammenarbeiten.

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Bei der Produktion der Produkte achtet ihr auch darauf, dass es fair und nachhaltig produziert ist?

Das wäre für uns ein großes Risiko als Marke, wenn wir nach vorne hin sozial propagandieren und hinten unsere Supply-Chain nicht sauber ist. Das ist für uns ganzheitlich wichtig. Wir prüfen jeglichen Supplier, mit dem wir zusammenarbeiten. Auch einzelne Zutaten, die ein höheres Risiko haben, zum Beispiel aufgrund ihrer Anbauregion, prüfen wir nochmal extra, um sicher aufgestellt zu sein.

Gleichzeitig versuchen wir auch, bei Verpackungen innovativ zu sein. So waren wir in Deutschland 2018 die ersten mit einer 100 Prozent recycelten Plastikflasche.

Wie teilt sich der Preis eurer Produkte denn genau auf?

Es ist immer unterschiedlich. Wir versuchen zu großen industriellen Marken, so kompetitiv wie möglich zu produzieren, was häufig leider schwierig ist. Jede normale Marke versucht einen Großteil des Geldes der Marge in Marketing zu stecken. Wir stecken das meiste davon in Spenden.

International kannst du mit einem Euro viel mehr machen als in Deutschland. Das Besondere ist, dass wir spenden, egal ob wir Profit machen oder nicht. Wir haben unsere Spenden an den Umsatz geknüpft und nicht an unseren Gewinn.

Wie sucht ihr Projekte aus, mit denen ihr zusammenarbeitet?

Da stecken wir sehr viel Energie rein. Wir arbeiten mit den größten und wichtigsten NGOs auf der Welt zusammen, also von den Vereinten Nationen bis zur Welthungerhilfe oder auch lokal mit den Tafeln. Uns ist wichtig, dass es nachhaltige Hilfe ist. Stichwort: Hilfe zur Selbsthilfe. Wir versuchen, große Projekte zu fördern.

Wenn Share beispielsweise Schulmahlzeiten finanziert, erhalten Kinder zunächst die nahrhafte Mahlzeit in der Schule. Im Projekt passiert aber noch viel mehr: Zum Beispiel werden Kleinbauern unterstützt, etwa mit Saatgut und Trainings, und sie beliefern die Schulen mit Zutaten für das Schulessen. Die Familien haben dann einen Anreiz, ihre Kinder in die Schule zu schicken, anstatt sie arbeiten zu lassen, weil sie dort Nahrung bekommen.

Damit schaffst du ein inklusives System und versuchst somit auch Leute unabhängig von einer Spende zu machen. Es gibt natürlich aber auch Situationen, in denen Soforthilfe wichtig ist. Wir spenden auch Notfallnahrung an Kleinkinder in Somalia, wo es wirklich um das Überleben geht. Wir sehen Hilfe ganzheitlich. Es muss dann im weitesten Sinne „Not am Mann“ oder „Not an der Frau“ sein.

Seid ihr auch mit eigenen Mitarbeitenden vor Ort? Oder geht das immer über NGOs?

Es gibt genug NGOs auf der Welt. Es wäre vermessen zu sagen, man könnte es besser. Was wir aber tun: Wir kontrollieren ganz genau. Das heißt, bei den Spendengeldern, die dorthin fließen, schauen wir darauf, dass die wirklich ankommen. Wenn nicht gerade Corona ist, gucken wir uns das auch vor Ort an.

Wir haben auch ein sogenanntes Third-Partner-Auditing. Da schauen Wirtschaftsprüfer:innen drauf und gucken: Sind die Gelder wirklich angekommen? Mit diesem Sechs-Augen-Prinzip, also mit der NGO, den Wirtschaftsprüfer:innen und uns bei share sind wir sehr sicher, dass das Geld auch wirklich dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Gibt es Projekte, die dir persönlich am Herzen liegen?

In Liberia haben wir insgesamt 32 Brunnen repariert. Ein sehr wichtiges Hilfsprojekt, weil man immer meint, man muss Brunnen bauen, aber Brunnen gehen auch kaputt und müssen repariert werden. Es ist auch da wieder ganzheitlich: Wir haben in diesen Dörfern Brunnen-Mechaniker:innen ausgebildet, die dann die Brunnen selbstständig reparieren können. Das haben wir gemeinsam mit „Aktion gegen den Hunger“ gemacht. Ich könnte noch viele weitere Projekte aufzählen, weil ich sie alle wichtig finde.

Wie entscheidet ihr, welches Produkt ihr als nächstes rausbringt? Habt ihr ein Ranking-System?

Ja und nein. Das entwickelt sich natürlich. Innerhalb der Kategorien, in denen wir schon sind, zum Beispiel Food und Snacks, ist es eher eine klassische Beratungsaufgabe. Du setzt dich rein und guckst dein Umfeld an. Wo kann ich ein Produkt besetzen, das genau die gleiche Qualität hat, aber einen Ticken nachhaltiger ist und gleichzeitig sozialen Impact stiftet? Wenn wir neue Kategorien erschließen, schauen wir wirklich danach: Benötige ich das in meinem Alltag und ist da ein sozialer Need dahinter?

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Für die Zukunft gibt es noch so einige Bereiche, beispielsweise Mobilfunk oder Finanzprodukte, die uns interessieren. Die Idee ist, dass wir Share zu einer ganzheitlichen Impact-Marke für deinen täglichen Bedarf ausbauen. Egal was du täglich konsumierst, wollen wir ein starker Partner sein. Das machen wir allein, aber auch gemeinsam mit großen Partner:innen zusammen.

Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!