Frauen im Job: Führungskräfte oder doch nur Büro-Mütter?
Frauen in Führungspositionen kämpfen nicht nur mit dem Glasdach, sondern auch mit unsichtbaren Erwartungen. Warum sie oft als Büro-Mütter enden und was das für ihre Karriere bedeutet.
Auch wenn immer mehr Frauen die Chef-Etage beherrschen, gibt es ein Klischee, welches sich einfach nicht aus den Köpfen der Gesellschaft lösen möchte: die „Büro-Mutti“. Welche Aufgaben Frauen in ihrem Job, anders als Männer, zusätzlich bewältigen müssen – und wieso das ihre Karrierechancen beeinträchtigt.
Frauen und Büroarbeit: Ein ungleiches Spiel
„Office Housework“ – ein Begriff, der Tätigkeiten wie Telefonanrufe beantworten, Protokolle führen oder Essensbestellungen aufnehmen umfasst. Diese Aufgaben sind zwar wichtig, aber selten formell anerkannt oder bei Gehaltsverhandlungen berücksichtigt. Überraschenderweise fallen diese Aufgaben oft Frauen zu. Studien zeigen, dass Frauen im Vergleich zu Männern deutlich mehr dieser Büroarbeiten erledigen – und das meist nicht freiwillig.
Die versteckte Last der Zusatzaufgaben
Diese zusätzlichen Aufgaben bedeuten, dass Frauen weniger Zeit und Energie für ihre eigentlichen Jobaufgaben haben. Männer hingegen können sich auf ihre Hauptaufgaben konzentrieren und so Erfahrungen und Anerkennung sammeln, die zu Gehaltserhöhungen und Beförderungen führen. Frauen werden oft als natürliche Fürsorgerinnen gesehen, was dazu führt, dass sie ungeschriebene und unerkannte Pflichten übernehmen müssen.
Das Glasdach: Einmal durch, doch die Erwartungen bleiben
Selbst Frauen in Spitzenpositionen, die das sogenannte Glasdach durchbrochen haben, entkommen den Erwartungen der Fürsorge nicht. Während Männer in Führungspositionen sich auf strategische Aufgaben konzentrieren können, übernehmen Frauen oft zusätzliche emotionale und zwischenmenschliche Aufgaben. Eine Studie der Lean In Foundation zeigt, dass weibliche Führungskräfte doppelt so viel Zeit wie ihre männlichen Kollegen in Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsarbeit investieren – ohne dass dies bei Leistungsbeurteilungen berücksichtigt wird.
Empathie und Führung: Ein unterschätzter Wert
Frauen in Führungspositionen neigen dazu, sich stärker um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu kümmern. Sie checken regelmäßig bei ihren Teammitgliedern ein und helfen ihnen, ihre Arbeitslast zu bewältigen. Diese Aufgaben sind zwar wertvoll, aber zeitaufwendig und emotional belastend. Leider werden sie oft übersehen, wenn es um Anerkennung und Belohnung geht. Kein Wunder, dass 43 % der weiblichen Führungskräfte von Burnout berichten.
Strategien zur Veränderung
Was können Frauen tun, um aus der Rolle der Büro-Mutter auszubrechen? Eine Möglichkeit ist, sich bewusst und lautstark gegen die Übernahme dieser Aufgaben zu wehren. Wenn man in der Position ist, Aufgaben zu verteilen, sollte man sicherstellen, dass Frauen nicht nur für niedere Aufgaben herangezogen werden. Stattdessen sollten sie auch für anspruchsvollere Aufgaben in Betracht gezogen werden, die ihnen Wachstum und neue Fähigkeiten ermöglichen.
Die Rolle der Unternehmen
Unternehmen sollten den Wert von Soft Skills wie Empathie anerkennen und diese bei Leistungsbeurteilungen berücksichtigen. Empathische Führungskräfte fördern Innovation und Engagement im Team, was letztlich dem gesamten Unternehmen zugutekommt. Studien zeigen, dass Mitarbeiter unter empathischen Führungskräften kreativer und engagierter sind.
Ein neuer Blick auf Anerkennung und Belohnung
Obwohl viele Unternehmen die Bedeutung von Teamwohl und DEI-Zielen anerkennen, berücksichtigen weniger als 40 % diese Faktoren bei Leistungsbeurteilungen. Nur 25 % der Unternehmen erkennen Führungskräfte offiziell an, die sich um das emotionale Wohl ihrer Teams kümmern. Es ist an der Zeit, diese unsichtbaren Aufgaben sichtbar zu machen und angemessen zu belohnen.