She'sPunk · Chantal Khoueiry

Frauenpower im Start-up: Warum Gründerinnen das männliche Ego brauchen!

Frauen Power
Foto: Shutterstock
Erschienen
Lesezeit4 Min · 737 Wörter

Frauen gründen nur 20 % der Start-ups in Deutschland und kämpfen um Venture Capital. Der Wettbewerb „Unlock Her Future“ unterstützt sie dabei. Doch warum ist das männliche Ego manchmal hilfreich?

Die Start-up-Szene ist bekannt für ihre Innovationen, bunten Bürohunde und den allgegenwärtigen Kaffeeduft. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein ernsthaftes Problem: Frauen sind in der Gründerszene stark unterrepräsentiert. Nur 20 Prozent der Start-ups in Deutschland werden von Frauen gegründet. Warum ist das so und was kann dagegen getan werden?

Die Zahlen sprechen Bände

Ein Blick auf die Statistiken zeigt das ganze Ausmaß des Problems. Über die Hälfte aller Start-ups in Deutschland werden von rein männlichen Teams gegründet, wie „elle.de“ berichtet. Gemischte Teams machen lediglich 28,2 Prozent aus, während reine Frauenteams mit nur 10 Prozent vertreten sind. Noch gravierender ist die Verteilung des Venture Capitals: Männer sichern sich rund 90 Prozent der Investitionen. Frauen müssen sich mit den verbleibenden 10 Prozent begnügen, obwohl sie genauso kreativ und zielstrebig sind.

Chantal Khoueiry und „Unlock Her Future“

Im Trubel der Start-up-Welt, wo Networking das A und O ist, gibt es Chantal Khoueiry. Sie ist die treibende Kraft hinter dem Start-up-Wettbewerb „Unlock Her Future“. Als Chief Culture Officer bei The Bicester Collection nutzt sie ihre umfangreichen Erfahrungen im Einzelhandel, womit sie soziale Projekte fördert und vor allem Frauen und Kinder unterstützt. Der Wettbewerb hat das Ziel, Frauen von der Idee bis zur Marktreife zu begleiten und ihnen den Weg zum Erfolg zu ebnen.

Warum sind Frauen so unterrepräsentiert?

Chantal Khoueiry hat eine klare Meinung dazu. Sie erklärt gegenüber „Elle“: „Wenn Männer auf eine Jobausschreibung stoßen und vielleicht nur eine der fünf gefragten Anforderungen erfüllen, bewerben sie sich trotzdem. Eine Frau erfüllt sogar drei der Anforderungen für den gleichen Job, bewirbt sich dann aber lieber nicht, sondern lässt anderen Personen den Vortritt.“ Dieses mangelnde Selbstvertrauen ist ein entscheidender Faktor, warum Frauen in der Gründerszene oft den Kürzeren ziehen.

Der Wettbewerb und seine Gewinnerinnen

Der Wettbewerb „Unlock Her Future“ zeigt eindrucksvoll, dass Frauen große Visionen haben. Insgesamt gab es 954 Bewerbungen, aus denen 108 Halbfinalistinnen, 8 Finalistinnen und schließlich 4 Gewinnerinnen hervorgingen. Ein Beispiel ist Thamires Pontes, die mit ihrem Biotech-Unternehmen im Halbfinale stand und Textilfasern aus Meeresalgen herstellen will. Trotz ihrer innovativen Idee war sie laut Khoueiry der Meinung, dass die anderen Ideen wichtiger seien. Am Ende gewann sie doch.

Selbstbewusstsein wie ein „durchschnittlicher weißer Mann“

Chantal Khoueiry betont: „Zumindest dieses Selbstbewusstsein von Männern übernehmen! Ich bin mir sicher: Frauen dabei zu unterstützen, bedeutet mehr, als nur Geld zu investieren. Weibliche Unternehmerinnen zu fördern, heißt, in Bildung zu investieren, in Kinder, in ihre örtlichen Gemeinden – und das schafft einen Dominoeffekt an positivem Wandel.“ Dieses Selbstbewusstsein ist der Schlüssel, um in der Start-up-Welt zu bestehen.

Globale Perspektive und Mentoring

Weltweit sind laut dem Global Entrepreneurship Monitor nur etwa 30 bis 40 Prozent der Gründerinnen Frauen. Von Frauen geleitete Unternehmen erhalten weniger Investitionen als ihre männlichen Pendants. Chantal Khoueiry erklärt: „Frauen haben oft weniger Zugang zu Mentoring-Programmen und Netzwerken, die bei der Unternehmensgründung super wichtig sind! Denn: Der häufigste Grund für das Scheitern eines neuen Unternehmens sind die fehlenden Kontakte, wenn ein Problem auftaucht. Deswegen sind unsere Mentor*innen immer hands-on mit dabei!“

Innovative Ideen der Female Founders

An den Ideen der Gründerinnen liegt es definitiv nicht. Es gibt zahlreiche beeindruckende Frauen mit revolutionären Ideen in Bereichen wie Ocean Clean-up, Kinderschutz, Frauengesundheit, nachhaltige Textilien oder oder Bildung. Diese Frauen wollen etwas verändern.

Female Leadership und Durchsetzungskraft

Wie können Frauen als Gründerinnen bestehen und dem Gender Gap entgegenwirken? Chantal Khoueiry betont die Bedeutung von Selbstvertrauen und einer unternehmerischen Denkweise. Sie selbst wurde von Desiree Boullier, Vorsitzende von The Bicester Collection, inspiriert: „In jeder Lebenslage ist sie lösungsorientiert und hinterfragt sich ständig.“ Dieses Mindset ist entscheidend für den Erfolg.

Fokus und Intuition

Ein weiteres wichtiges Element ist, trotz aller Einflüsse, auf das eigene Gefühl zu hören. Chantal Khoueiry rät: „Es kann überfordernd und auch verwirrend sein, immer wieder neue Menschen in der Szene zu treffen. Dann verliert man den Blick für das Wesentliche oder den Grund, weshalb man eigentlich angefangen hat. Daher ist das Wichtigste –  trotz all des Einflusses: Immer auf das eigene Gefühl hören!“

Portrait Business Punk Redaktion

Business Punk Redaktion

Hier schreibt die Business-Punk-Redaktion. Mal er, mal sie, mal gar keiner. Ach und kauft unser Heft! Danke.