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Gaskraftwerke: Brüssel gibt 35 Milliarden frei & Verbraucher zahlen später mit

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Die EU erlaubt Deutschland Milliardenhilfen für neue Gaskraftwerke, finanziert über eine Strompreis-Umlage ab 2031; Kritiker sehen fossile Lock-ins statt Klimaschutz.

Elf Gigawatt neue Kraftwerksleistung, finanziert über eine Umlage, die noch niemand beziffern kann: So lässt sich die Genehmigung zusammenfassen, die die EU-Kommission der Bundesregierung erteilt hat. Bis zu 35 Mrd. Euro darf Deutschland in den Neubau von Gaskraftwerken stecken, so Handelsblatt. Damit ist eine zentrale Hürde für die Kraftwerksstrategie gefallen, auf die die Koalition lange hingearbeitet hatte.

Bereits Anfang 2026 war von einer „Zwischenverständigung“ die Rede gewesen, sodass man in Berlin ohnehin von einer Zustimmung Brüssels ausgegangen war. Verzögert hatte sich am Ende nicht die EU-Prüfung, sondern das deutsche Gesetzgebungsverfahren: Der Bundestag beschloss die rechtliche Grundlage erst im Juli. Bezahlen sollen am Ende alle, die Strom nutzen.

Die Umlage kommt erst 2031, die Rechnung bleibt offen

Der Finanzierungsmechanismus ist der eigentliche Knackpunkt für Verbraucher. Die Fördersumme wird nicht aus dem Bundeshaushalt beglichen, sondern über eine neue Umlage auf alle Stromnutzer verteilt, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Ab 2031 soll diese Umlage greifen, parallel zum Start eines Kapazitätsmarkts, auf dem Betreiber dafür bezahlt werden, dass sie Leistung vorhalten, selbst wenn sie gerade nicht gebraucht wird.

Wie stark der Strompreis dadurch steigt, ist laut WirtschaftsWoche offen. Genau diese Unschärfe ist bemerkenswert: Eine milliardenschwere Beihilfe wird genehmigt, bevor ihre Kostenwirkung für Haushalte und Unternehmen konkret beziffert ist. Die neuen Kraftwerke sollen dabei eine klar definierte Aufgabe übernehmen: mögliche Lücken in der Stromversorgung ab 2031 vermeiden und einspringen, wenn zu wenig Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird.

Zwei Auktionsrunden sollen den Kraftwerksbau anschieben

Der Zeitplan ist konkreter als die Preisfolgen. Bereits im September können Unternehmen in einer ersten Runde Gebote für den Bau neuer Kraftwerke abgeben, eine zweite Runde soll Ende des Jahres folgen, so Handelsblatt. Die neuen Anlagen sollen spätestens Ende 2031 am Netz sein und zunächst mit Erdgas laufen, technisch aber so ausgelegt werden, dass sie spätestens 2045 auf Wasserstoff umgestellt werden können.

Die EU-Kommission begründet ihre Zustimmung damit, dass die Maßnahme für die Versorgungssicherheit notwendig sei und der Förderumfang dem tatsächlichen Bedarf entspreche. Entscheidend für die beihilferechtliche Freigabe sei zudem ein faires, diskriminierungsfreies Vergabeverfahren, das den Wettbewerb in der EU nicht übermäßig verzerre. Solche Prüfungen sind in der EU Standard, wenn ein finanzstarker Mitgliedstaat wie Deutschland eigene Unternehmen mit Milliardenhilfen unterstützen will: Sie sollen verhindern, dass heimische Betreiber gegenüber Konkurrenz aus anderen Staaten einen unverhältnismäßigen Vorteil erhalten.

Umweltverbände sehen fossile Lock-ins

Nicht alle teilen die Einschätzung, dass hier nur eine befristete Brückentechnologie gefördert wird. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass das zugrunde liegende Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz faktisch fossile Gaskraftwerke bevorzuge und gegen EU-Beihilfe- sowie Wettbewerbsrecht verstoße; sie hatte ein förmliches Prüfverfahren gefordert, statt einer beschleunigten Genehmigung.

Auch Green Planet Energy warnt vor zusätzlicher Gasabhängigkeit und sieht zentrale Prinzipien der EU-Leitlinien für Klima-, Umwelt- und Energiebeihilfen verletzt. Die Bundesregierung hält dagegen an ihrem Zeitplan fest: Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, bis 2038 soll der Kohleausstieg vollzogen sein. Ob sich Kraftwerke, die 2031 ans Netz gehen und formal wasserstofffähig sind, tatsächlich rechtzeitig klimaneutral betreiben lassen, bleibt eine offene Wette auf die Zukunft.

Business Punk Check

Fakt ist: Die EU hat 35 Mrd. Euro Staatshilfe für Gaskraftwerke genehmigt, finanziert über eine erst ab 2031 wirksame Verbraucherumlage. Fakt ist auch, dass Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe und Green Planet Energy die Vereinbarkeit mit EU-Beihilferecht öffentlich anzweifeln.

Interpretation: Eine Regierung entscheidet über Milliardensummen, deren konkrete Preisfolgen für Verbraucher noch niemand seriös beziffern kann. Offene Frage: Ob die versprochene Wasserstoff-Umrüstung bis 2045 tatsächlich kommt oder die Gaskraftwerke am Ende länger fossil laufen als geplant.

Auf einen Blick

  • Die EU-Kommission hat eine deutsche Förderung von bis zu 35 Mrd. Euro für neue Gaskraftwerke genehmigt.
  • Finanziert wird die Maßnahme über eine Strompreis-Umlage, die ab 2031 parallel zum neuen Kapazitätsmarkt greifen soll.
  • Erste Auktionsrunden für den Kraftwerksbau starten bereits im September, eine zweite Runde folgt Ende des Jahres.
  • Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe und Green Planet Energy halten das Fördermodell für unvereinbar mit EU-Beihilferecht.

Quellen: Handelsblatt, WirtschaftsWoche, Br, Deutschlandfunk, Green-planet-energy, W3

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.