„Geschüttelt, nicht gerührt“: Future Stories verkauft Duschgel in Pulverform
Wer in den Drogerieregalen nach nachhaltigen Duschgels oder Seifen sucht, muss bisher auf feste Lösungen in Blockform zurückgreifen. Doch das ist nicht für jede*n was. Martina Ponath, Carsten Wille und Mark Lübcke, die Gründer*innen von Future Stories möchten mit Duschgel und Seifen in Pulverform zum selbst Anrühren eine Alternative schaffen. Wir haben uns mit Martina und Carsten über den Entwicklungsprozess und die Vorteile gegenüber herkömmlicher Seifen und Duschgels unterhalten.
Wie kam euch die Idee für Future Stories?
Martina: Ich selber bin ein großer Fan von nachhaltiger Kosmetik, kann mich aber nicht so richtig mit diesen festen Shampoos und festen Seifen anfreunden. Ich habe mich durchgetestet, aber greife doch immer wieder zu Gel-Produkten. Dann haben Carsten und ich uns überlegt, dass es da eine Lösung geben muss. Wir haben uns anfangs auf die Verpackungen konzentriert und versucht, etwas Nachhaltiges zu finden. Etwas, das besser ist als Einwegplastik.
Allerdings merkten wir schnell: Plastik ist gar nicht der Bösewicht an sich. Plastik braucht bei der Herstellung nämlich relativ wenig CO2. Und weil es super leicht ist, gilt das im Vergleich zu Glas auch für den Transport. Dadurch haben wir gemerkt: Es macht schon Sinn, dass aktuell die meisten Plastik verwenden. Das Problem ist, dass wir es nur einmal benutzen.
Wann kam dann der Gedanke Duschgel in Pulverform zu verkaufen?
Martina: Ich habe mir irgendwann gedacht: Wenn ich meine Wäsche wasche, benutze ich Waschpulver. Oder eine Flüssigkeit. Daraufhin haben Carsten und ich recherchiert, wie man DIY Duschgel und Seife machen kann. Ganz viele Leute kaufen sich Rohstoffe als Granulat oder als Pulver und mixen selbst zu Hause Duschgels und Seifen. Wir haben uns dann gedacht: Das können wir auch. Aber besser und professioneller.
Carsten: Als Martina auf die Idee gekommen ist, dass man doch einfach das Wasser weglassen und eine Art Granulat machen könnte, ist die Idee bei mir sofort wie eine Bombe eingeschlagen. Ich habe gemerkt, wie mein Kopf zu rattern anfing. Dann sind wir losmarschiert und haben dieses Produkt entwickelt.

Braucht man für das Anrühren des Pulvers nicht richtige Chemiker*innen?
Carsten: Wenn man sich reinliest, ist das gar nicht so komplex, wie man denken könnte. Man findet heutzutage auch extrem gute Anleitungen, wie man DIY-Duschgel macht. Die Großen machen das im Prinzip nicht anders. Wir haben also erst einmal für ein paar hundert Euro bei Kosmetik-DIY-Shops eingekauft. Dann saßen wir im Wohnzimmer und haben losgemixt. Solange, bis wir ein halbwegs funktionierendes Produkt hatten. Dann mussten wir einen professionellen Hersteller finden, der an die Idee glaubt und uns unterstützt. Der Produzent professionalisiert das natürlich in den Abläufen nochmal.
Was habt ihr denn vor eurer gemeinsamen Gründung gemacht?
Martina: Ich bin seit 10 Jahren in der Online-Marketing-Welt. Zuerst bei einer Agentur, dann bei einem Konzern, dann bei dem Startup Etepetete. Die retten Obst und Gemüse, das sonst weggeworfen würde, weil es nicht der Norm entspricht. Carsten hat Etepetete gegründet, ich war Head of Marketing. So haben wir beide uns kennengelernt.
Carsten: Ich komme aus München und habe dort zwischen 2013 und 2014 mit zwei Freunden Etepetete gegründet. Mein Studium habe ich deshalb abgebrochen. 2017 haben wir eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Ich habe dann 2019 meinen Geschäftsführer-Titel abgegeben, weil das ja mein erster Job war.

Und dann kam euch die Idee gemeinsam etwas Neues zu gründen?
Carsten: Ich war dann erstmal Reisen, in Asien, wo das Thema Plastikmüll leider sehr präsent ist. Als Martinas Vertrag ausgelaufen ist, haben wir uns über das Thema unterhalten, und ich habe sie gefragt, ob wir nicht etwas gemeinsam gründen wollen. Ich habe gesagt: Auf gar keinen Fall mehr frische Lebensmittel, weil das viel zu aufwendig ist und die Margen sehr klein sind. Martina und ich haben uns dann Kosmetik und die verschiedenen Verpackungsmöglichkeiten angeschaut. Weil uns Plastik furchtbar auf den Nerv gegangen ist.
Was sind denn genau die Probleme von herkömmlichem Duschgel und wie löst euer Produkt die?
Martina: Angefangen hat das damit, dass wir eben Plastikmüll bekämpfen wollten. Aber erst im Prozess ist uns ein zusätzlicher Vorteil aufgefallen: Dadurch, dass das Pulver so leicht und kompakt ist und so wenig Volumen hat, kann man es leichter transportieren. 5000 Pulver Sachets von Future Stories wiegen nur 100 Kilogramm. Das sind ungefähr zwei Paletten Material, die passen easy in einen LKW. Normalerweise wären das 1,3 Tonnen Duschgel. Wir haben noch nicht ausgerechnet, wieviel Tonnen CO2 alleine durch den Transport gespart würden, wenn wir eine Millionen Duschgels verkaufen. Aber ich glaube der Vergleich zeigt ganz gut, wie viel man da sparen kann.
Außerdem haben wir Kooperationen abgeschlossen, um aus dem Ganzen so viel Impact wie möglich zu ziehen. Wir arbeiten mit Eden Projects zusammen. Die pflanzen Bäume auf der ganzen Welt. Pro Pflegeprodukt, das verkauft wird, wird gemeinsam mit Eden Projects ein Baum gepflanzt.
Ihr habt ja auch noch eine Kooperation mit Plastic Bank.
Martina: Für das Material der wiederbefüllbaren Flasche haben wir lange recherchiert und uns für einen speziellen Kunststoff entschieden, der keine Schadstoffe abgibt und spülmaschinengeeignet ist. Sowas gibt es als Recyclingmaterial noch nicht. Dann haben wir uns überlegt, wie wir diesen dennoch kompensieren können und haben Plastic Bank gefunden.
Carsten: Das System funktioniert so, dass man für den Kunststoff, den man verbraucht, bezahlt und woanders auf der Welt können Leute gesammeltes Plastik gegen Geld eintauschen. Das heißt, man gibt Plastikmüll einen Wert. Damit kompensiert man den eigenen Plastikverbrauch.
Martina: Vegan ist unser Produkt auch. Wir haben versucht, die Inhaltstoffe so natürlich und verträglich wie möglich zu machen für die Konsument*innen. Natürlich haben wir unsere Produkte mit freiwilligen Proband*innen gemeinsam mit einem Hautarzt testen lassen.
Carsten: Wir haben uns darum gekümmert, das Produkt von jeder Perspektive anzuschauen und bestmögliches abzuliefern. Wir wollen Nachhaltigkeit unternehmerisch umzusetzen, ohne dabei den wirtschaftlichen Aspekt aus den Augen zu verlieren.
Aus was für einem Material sind eure Refill-Flaschen denn gemacht?
Martina: Die Flaschen sind aus Tritan. Das ist zwar ein Kunststoff, aber die Flaschen sind ja keine Einwegflaschen. Tritan ist sehr hart und sehr robust. Normalerweise wird das auch für Behälter von Babynahrung verwendet. Dabei war uns wichtig, dass die Flaschen nicht so schnell kaputt gehen können. Sonst verletzen sich Leute beim Duschen noch. Das wollen wir natürlich nicht.
Carsten: Als wir das Unternehmen aufgebaut haben, haben wir uns extrem schwer damit getan, einen passenden Refill-Pumpspender zu finden. 99 Prozent solcher Flaschen werden für Einwegprodukte hergestellt. Außerdem haben wir einen deutschen Produzenten dafür gesucht, das ist eigentlich eine unmögliche Aufgabe. Unsere Flasche hat auch eine sehr breite Öffnung. Man kann von den Leuten nicht verlangen, dass sie in einen schmalen Flaschenhals Pulver einfüllen und da noch mit dem Trichter arbeiten müssen.
Das Duschgel muss ja selbst angerührt werden. Gibt es beim Prozess bestimmte Dinge, auf die man achten muss? Spielt der Kalkgehalt im Wasser eine Rolle?
Martina: Geschüttelt, nicht gerührt! Wir haben das Ganze testen lassen, dass das in ganz Deutschland und Europa mit der Trinkwasserqualität reibungslos funktioniert. Im Endeffekt sollte man einfach lauwarmes Wasser in die Flaschen abfüllen, Pulver reinkippen und dann so schnell wie möglich kräftig zehn Mal shaken. Danach wartet man zehn Minuten, schüttelt noch einmal und dann ist es fertig. Wir haben das Ganze von unserem Produzenten professionell umsetzen lassen, da muss man sich also keine Sorgen machen, ob das Leitungswasser zuhause etwas kalkig ist.

Ihr habt euer Unternehmen im letzten Jahr gegründet. Was waren denn eure Herausforderungen, die durch Corona entstanden sind?
Carsten: Alle Pumpspender wurden auf einmal für Desinfektionsmittel gebraucht, weshalb die weltweit ausverkauft waren. Genauso die Rohstoffe, die für alle möglichen Reinlichkeitssubstanzen genommen werden, das war ein absoluter Hustle. Wir hatten da aber tatkräftige Unterstützung von unserem ganzen Netzwerk. Die persönliche Unsicherheit, die man in der Situation hat, war auch nicht ohne. Für uns als Gründer*innen war es ungewohnt, dass wir kaum persönlich zusammenarbeiten konnten. Aber irgendwann hat es sich ganz natürlich angefühlt, dass wir unsere Jours fixes immer digital gemacht haben und alles über E-Mail und Telefon gelaufen ist. Das birgt auch eine gewisse Effizienz in sich. Weil man Gespräche nicht ganz so lange zieht und beim Wesentlichen bleibt.
Habt ihr für die Zukunft schon eine Idee, was noch an Produkten kommen soll?
Carsten: Irgendwann werden wir uns an Shampoo heranwagen. Alles weitere muss man sehen, wie es kommt. Wir haben uns mit Future Stories nicht auf die Fahne geschrieben, dass wir ein Duschgel und Handseifen-Startup sind. Wir wollen nachhaltige Pflegeprodukte aus jeder Kategorie anbieten, um Alternativen zu den großen Playern zu schaffen.