Green & Generation Gen Z träumt von Rente mit 60 – spart aber fürs Bali-Ticket

Gen Z träumt von Rente mit 60 – spart aber fürs Bali-Ticket

Fast die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen legt Geld für Reisen zurück, nicht für die Altersvorsorge. JPMorgan zeigt: 40 Prozent wollen vor 65 in Rente – ohne Plan, wie sie das finanzieren.

Die Generation Z will mit 60 in Rente gehen, aber spart lieber für den nächsten Trip nach Bali. Fast jeder zweite 18- bis 29-Jährige priorisiert Urlaubsausgaben vor der Altersvorsorge – mehr als jede andere Altersgruppe.

Das zeigt eine Untersuchung von JPMorgan Asset Management mit über 2000 Befragten. Die Rechnung geht nicht auf: Mehr als 40 Prozent der jungen Erwerbstätigen träumen vom Ruhestand vor 65, zwei Drittel davon sogar vor 60. Gleichzeitig weiß mehr als die Hälfte nicht, wie viel sie jährlich zurücklegen müsste, um dieses Ziel zu erreichen.

Schulden schlagen Altersvorsorge

Notgroschen aufbauen, Studienkredite tilgen, Reisen finanzieren – all das rangiert bei Gen Z vor der Rentenkasse. Jeder vierte Befragte hat bereits Geld aus seinem Vorsorgekonto entnommen oder einen Kredit darauf aufgenommen. Weitere 19 Prozent planen diesen Schritt.

Die Gründe: unerwartete Ausgaben, Immobilienkäufe, Kreditkartenschulden, Unterstützung für Angehörige. Alyson Frost, Leiterin der Altersvorsorgeanalyse bei JPMorgan, bringt es auf den Punkt: Schulden wirken dringlich, der Ruhestand erscheint weit entfernt. Das begrenzte Verständnis für den Zinseszinseffekt verschärft das Problem.

Die Wissenslücke kostet Jahrzehnte

Wie entscheiden junge Erwerbstätige, wie viel sie einzahlen? Ein Viertel spart so viel wie möglich, 22 Prozent orientieren sich am Arbeitgeberzuschuss. Nur 11 Prozent berechnen ihren tatsächlichen Bedarf.

Laut einer J.P.-Morgan-Umfrage wünschen sich 73 Prozent der Teilnehmer einen Finanzprofi, der Planung und Investition komplett übernimmt – ein deutlicher Anstieg gegenüber 55 Prozent im Jahr 2016. Die Empfehlung der Studie: zwölf bis 15 Prozent des Einkommens jährlich zurücklegen, inklusive Arbeitgeberbeiträgen. Mit 30 sollte das Einfache des Jahresgehalts gespart sein, mit 40 das Dreifache, mit 50 das Sechsfache, mit 60 das Achtfache und mit 67 das Zehnfache.

Vorsorgekonto als Notfall-Geldautomat

Über alle Altersgruppen hinweg bewerten mehr als die Hälfte der Beschäftigten einen Notgroschen als wichtiger als zusätzliche Rentenbeiträge. Rund 30 Prozent priorisieren Schuldentilgung oder Reisesparen. Das Problem: Wer sein Vorsorgekonto als kurzfristige Liquiditätsquelle nutzt, verschlechtert die langfristigen Ergebnisse massiv.

Steigende Lebenshaltungskosten führen dazu, dass Beiträge reduziert oder ausgesetzt werden – genau dann, wenn der Zinseszins am stärksten wirken würde. Die Realität sieht anders aus als die Träume: Unter heutigen Rentnern gingen fast 70 Prozent vor 65 in den Ruhestand, oft ungeplant durch Gesundheitsprobleme, Jobverlust oder Pflegeverpflichtungen.

Business Punk Check

Gen Z lebt in einer finanziellen Parallelwelt. Mit 60 in Rente, aber das Geld fließt ins Bali-Ticket statt in den Sparplan – diese Rechnung kann nicht aufgehen. Die JPMorgan-Studie entlarvt eine Generation, die vom frühen Ausstieg träumt, aber die Basics der Altersvorsorge nicht kennt. Über 50 Prozent wissen nicht, wie viel sie sparen müssen. Das ist kein Luxusproblem, sondern finanzielle Selbstsabotage. Wer mit 30 nicht das Einfache seines Jahresgehalts zurückgelegt hat, verschenkt Jahrzehnte Zinseszins.

Die Wahrheit: Schulden tilgen und Notgroschen aufbauen sind wichtig – aber wer sein Vorsorgekonto plündert, zahlt doppelt drauf. Die Lösung ist unbequem: Automatisierte Sparpläne ab Tag eins, mindestens 12 Prozent des Einkommens, und zwar ohne Wenn und Aber. Wer jetzt nicht anfängt, arbeitet bis 70 – nicht aus Leidenschaft, sondern aus Notwendigkeit. Der Traum vom frühen Ruhestand? Nur mit knallharter Disziplin realisierbar.

Quellen: Focus, Finance, JPMorgan Asset Management

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