Grüner Wasserstoff – Warum bleibt der Erfolg in der EU aus?
Der EU-Rechnungshof warnt: Die ambitionierten Ziele für grünen Wasserstoff sind unrealistisch. Produktion und Import hinken hinterher. Droht der EU eine neue Abhängigkeit?
Grüner Wasserstoff – das klingt nach Zukunft, nach sauberer Energie und einem großen Schritt Richtung Klimaneutralität. Doch ein aktueller Bericht des EU-Rechnungshofs sorgt für Ernüchterung: Die Produktion von grünem Wasserstoff in Europa bleibt weit hinter den gesteckten Zielen zurück. Was bedeutet das für die europäische Industrie und die Energiewende?
Ambitionierte Ziele, bescheidene Erfolge
Die Europäische Union hat sich viel vorgenommen: Bis 2030 sollen zehn Millionen Tonnen grüner Wasserstoff produziert und ebenso viel importiert werden. Doch der EU-Rechnungshof zieht eine ernüchternde Bilanz. Bisher sind die Fortschritte eher bescheiden. Die Prüfer sprechen von „nur bescheidenen Erfolgen“ und halten die gesteckten Ziele für „zu ehrgeizig“, wie auf der Website des EU-Rechnungshofs zu lesen ist.
Ein Realitätscheck ist nötig
Stef Blok, zuständig für die Prüfung des Rechnungshofs und ehemaliger Wirtschaftsminister der Niederlande, fordert deshalb: „Die Industriepolitik der EU beim erneuerbaren Wasserstoff muss einem Realitätscheck unterzogen werden.“ Die Europäische Kommission müsse konkretere und vor allem realistischere Ziele setzen. Es sei wichtig, dass diese Ziele auch tatsächlich erreichbar sind. „Die EU sollte über den strategischen Weg zur CO₂-Neutralität entscheiden, ohne die Wettbewerbssituation ihrer Schlüsselindustrien zu beeinträchtigen oder neue strategische Abhängigkeiten zu schaffen.“
Grüner Wasserstoff: Hoffnungsträger mit Hürden
Grüner Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, wird als entscheidender Faktor bei der Energiewende gesehen. Er könnte in naher Zukunft fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas in Industrie und Verkehr ersetzen. Allerdings ist die Herstellung energieintensiv und derzeit noch deutlich teurer als die Produktion fossiler Brennstoffe. Diese Hürden machen es schwer, die ambitionierten Ziele zu erreichen.
Ziele ohne solide Analyse?
Der EU-Rechnungshof kritisiert, dass die Ziele für die Nachfrage nach grünem Wasserstoff nicht „auf einer soliden Analyse“ basieren. Vielmehr seien sie „von politischem Willen“ geleitet gewesen. Bis 2030 sollen zehn Millionen Tonnen grüner Wasserstoff erzeugt und importiert werden. Doch die Prüfer gehen davon aus, dass bis Ende des Jahrzehnts nicht einmal zehn Millionen Tonnen nachgefragt werden. Die angestrebten Ziele seien damit alles andere als realitätsnah.
Die Reaktion der Kommission
Die Europäische Kommission zeigt sich dennoch optimistisch und will die Produktion von Wasserstoff weiterhin forcieren. Die rechtlichen Rahmenbedingungen gäben laut der Prüfer der Industrie genügend Sicherheit, um für die Zukunft zu planen.
Probleme entlang der Wertschöpfungskette
Jedoch besteht ein großes Problem: Es gibt entlang der gesamten Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff noch erhebliche Schwierigkeiten. Von der Produktion über den Transport bis hin zur Nutzung – überall gibt es Baustellen, die angegangen werden müssen. Unter anderem muss die Finanzierung sichergestellt sein, dass Wasserstoff aus EU-Ländern mit hohem Produktionspotenzial auch europaweit effizient verteilt werden kann.
Gelingt es nicht, die Wasserstoffproduktion innerhalb der EU zuverlässig und kosteneffizient zu gestalten, könnten die einzelnen Länder das Gas in Drittstaaten nachfragen. Die Prüfer warnen daher vor neuen strategischen Abhängigkeiten, die entstehen könnten, wenn die EU ihre Wasserstoffstrategie nicht anpasst.
Ein steiniger Weg zur Energiewende
Die ambitionierten Ziele der EU für grünen Wasserstoff sind ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität. Doch der Bericht des EU-Rechnungshofs zeigt, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Es braucht realistische Ziele, solide Analysen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, um die Herausforderungen zu meistern. Vor allem die vom Rechnungshof geforderten Anreize für den Markt, die europäische Wasserstoffproduktion voranzutreiben, sowie eine sinnvolle Kalkulation der EU-Mittel sind der Schlüssel für den Erfolg.