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Hedgefonds Henning: „Lieber den Privatjet. Heli ist ein bisschen klein“

Hedgefonds Henning: „Lieber den Privatjet. Heli ist ein bisschen klein“
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Aktualisiert
Lesezeit12 Min · 2.467 Wörter

Die Fin-Meme-Bubble wird vor allem von zwei Instagram-Accounts maßgeblich geprägt: Hedgefonds Henning und Papas Kreditkarte. Von beiden Seiten haben wir euch bereits einige Highlights präsentiert. Für unsere letzte Ausgabe haben wir die Königsklasse der Fin-Meme-Seiten zum Interview rangeholt.

Wo auf der Welt haltet ihr euch gerade auf?

Papas Kreditkarte: In Dubai.

Hedgefonds Henning: Und ich bin zu Hause.

Heute schon investiert oder Trade getätigt?

PK: Nein, habe ich nicht. Aber ich war auch den ganzen Tag in der Wüste. Der letzte Trade, den ich getätigt habe, war gestern Abend. Da habe ich den Bitcoin-Dip nachgekauft.

HH: Nee. Krypto ist momentan sehr stark gefallen. Da habe ich überlegt, ob ich da ein bisschen was nachkaufe. Aber ehrlich gesagt habe ich das die letzten Monate gar nicht so verfolgt.

Was seid ihr im Daily Life?

PK: Ich bin a) selbstständig und b) auch noch Student. Ich studiere gerade im Master an einer Target-Uni.

HH: Ich studiere noch und schreibe gerade meine Bachelorarbeit an einer Target-Uni.

Wie sieht eure High-Performer-Freizeitgestaltung aus?

PK: Ich treffe mich gern mit Freunden, ich mache viel Party, ist ein bisschen schwierig durch Corona, aber wenn’s geht, auch gerne viel. Ich fahre Snowboard und Ski und spiele mit meinen Freunden gerne Basketball. Instagram ist mittlerweile ein großer Teil von dem, was ich mache. Und ich fahre gerne und oft Auto.

HH: Viel Sport. Ich habe früher mal Leistungssport gemacht, war Ruderer. Jetzt gehe ich vor allem ins Fitnessstudio. Ab und zu spiele ich mit Kumpels ein bisschen Fußball. Im Sommer gehe ich auch gerne schwimmen. Und am Wochenende gehe ich natürlich gerne feiern, wenn das die Situation zulässt.

Einmal den Alterscheck, bitte.

PK: 23 Jahre alt.

HH: Gerade 23 geworden.

Und die Origin-Story zu den Accounts?

PK: Gute Frage eigentlich. Ich lag nach dem Feiern nachts betrunken im Bett und habe einfach aus Spaß so eine Seite aufgemacht, weil ich ein paar Tage vorher mit Kollegen darüber geredet hatte. Und dann habe ich einfach „Papas Kreditkarte“ in mein Handy eingegeben.

HH: Seit ich 16 bin, bin ich in dem Meme-Game auf Reddit und Twitter unterwegs. Auf Instagram war ich erst später, so um 2018 rum. Ich hatte da schon ein paar kleinere allgemeine Meme-Seiten auf Facebook und dann auf Instagram. Als ich mich dann während des Abis immer mehr für Wirtschaft interessierte, kam ich in dieses Fin-Meme-Game rein.

In Amerika gab’s da schon Große – etwa Arbitrage Andy oder Trust Fund Terry. Dann habe ich angefangen zu studieren, und im dritten Semester dachte ich: Du bist voll in diesem Meme-Game, das interessiert dich, es macht dir Spaß. Auf der anderen Seite findest du Finanzmemes cool, und die gibt’s nicht auf Deutsch. Also habe ich im September 2019 meine Seite gestartet.

Woher kam das Interesse für Finanzen?

PK: Das kam so mit zwölf oder 13. Da hat mir mein Vater die Zeitung „Welt“ beim Frühstück auf den Küchentisch geknallt und meinte: „Jetzt fang mal ein bisschen was an zu lesen, damit du was über die Welt kennenlernst, damit du ein bisschen Allgemeinwissen kriegst.“ Und es hat mich nichts interessiert außer die Zahlen, die auf der Rückseite standen. Mein Vater hat mir dann ein bisschen was dazu erklärt. Dann habe ich das erste Mal auf meinem iPod Touch die Aktien-App gesehen. Seitdem verfolge ich jeden Tag die Aktienkurse.

HH: Das war irgendwann mit 16 oder 17. Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert, dann irgendwann auch für Politik. Und Wirtschaft und Aktienmärkte sind ja mehr oder weniger ein Abbild davon. Irgendwann habe ich ein paar Filme gesehen, zum Beispiel „The Wolf of Wall Street“. Ich habe mir dann bald auch Youtube-Videos von „Finanzfluss“ und „Aktien mit Kopf“ angeguckt – und habe mit 18 direkt mein Depot eröffnet.

Wie viele Flex-Nachrichten bekommt ihr so am Tag in die DMs gespült?

PK: Je nachdem. An Weihnachten hatte ich 1 000 am Tag, heute hatte ich vielleicht 100.

HH: Also DMs sind immer völlig unterschiedlich: gefühlt von 20 bis 500. An den meisten Tagen kann ich nicht alle DMs angucken. Da sind dann so ein bis zwei wirklich prollige Nachrichten bei. Und vielleicht noch fünf Stück, die etwas subtiler flexen.

Highlights, bitte: Was war denn so das Verrückteste, was euch zugeschickt wurde?

PK: Ich glaube, das war jemand, der hatte mir einen ganzen Notarvertrag eingescannt, wo er von seinem Vater Anteile am Unternehmen überschrieben bekommen hat. Auch mit notarieller Unterschrift. Für mich erschien das jetzt nicht wie ein Fake. Da stand auch eine laufende Nummer. Und eine Dame hat mir eine Anniversary Nautilus geschickt, die ich krass fand, weil ich die auch extrem schön finde. Und mir hat jemand einen LaFerrari geschickt. Das sind drei Dinge, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

HH: Das sind alles Sachen, die man auf Instagram nicht posten kann. Jemand schickt Videos von einer Yacht, wo ein Typ mit mehreren Frauen abhängt, die alle nackt waren, irgendwelche Uhren anhaben und auch diverse Substanzen eingenommen hatten. Das habe ich schon oft bekommen: irgendwelche Leute, die auf der Toilette am Koksen sind.

Mit welcher Erfolgsweisheit kannst du dich am ehesten anfreunden?

PK: Einfach machen. Ich habe es auch gemacht, und jetzt habe ich 65 000 Follower.

HH: Ich finde „Einfach machen“ auch eine gute Weisheit. Klar, ich mache mir meistens einen Plan, aber in meinem Plan sind immer so ein paar Phasen zur Inspiration, dass man Sachen nicht komplett durchstrukturiert.

Was erwarten du und deine Community vom Leben?

PK: In erster Linie ein glückliches Leben.

HH: Ich glaube, viele sind sehr ehrgeizig. Das spiegelt sich ja in vielen Perspektiven wider. Wenn man ehrgeizig ist, geht man in einen kompetitiven Beruf, wird dort erfolgreich und im Umkehrschluss auch finanziell erfolgreich. Viele streben also nach wirtschaftlichem Erfolg. Ich glaube, generell eine Lebenseinstellung, dass man mehr aus sich herausholt und in den verschiedensten Bereichen hohe Ziele anstrebt.

Wer wäre der oder die wichtigste Follower:in für dich?

PK: Christian Lindner, das wäre auf jeden Fall ein großes Achievement.

HH: „Aktien mit Kopf“ ist mir, glaube ich, gefolgt, als ich noch keine 1 000 Follower hatte. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Wenn Christian Lindner mir folgen würde, das wäre cool. Oder der EZB-Account.

Euer teuerstes Luxusgut?

PK: Wahrscheinlich eine Uhr. Eine Rolex, Submariner, bicolor.

HH: Ich habe kein Auto und keine Luxusuhr. Ich glaube, mein PC. Den habe ich dieses Jahr gekauft. Ich habe noch eine Moncler-Jacke, die ist auch teuer.

Was würdest du Jakob Mähren sagen, wenn du ihm begegnest?

PK: „Danke für den Content“. Ich glaube, ich würde einfach mit ihm quatschen. Ich feier natürlich mega, dass er uns auch ein bisschen supportet und mal einen Kommentar droppt. Aber ich würde tatsächlich einfach mit ihm darüber reden, wie er’s dahin geschafft hat, wo er jetzt steht – und mich dann mit ihm austauschen.

HH: Ich habe gar nicht so viel Ahnung von Immobilien, das ist das Problem. Ich würde ihn also einfach fragen: Was würdest du jemandem, der sehr wenig Ahnung von Immobilien hat, raten, um anzufangen? Und ihn nach seinen Anfängen fragen.

In welchem Verhältnis würdest du gern zu Christian Lindner stehen?

PK: Sohn. Nein, keine Ahnung. Also befreundet wäre wahrscheinlich das Falsche, weil man wahrscheinlich auch einfach in einem unterschiedlichen Alter ist. Aber wahrscheinlich als guter Bekannter von mir, den man mal anrufen kann.

HH: Ich habe gehört, der jagt. Ich war noch nie auf einer Jagd, aber ein Kumpel von mir ist Jäger und hat ihn schon mal getroffen. Das wäre alles sehr klischeehaft, aber ganz cool. Ich meine, er raucht auch gerne Zigarre, also einfach mal eine Zigarre mit ihm rauchen, fände ich auch gut.

Kleine Schritte: Wie würdest du 10 000 Euro investieren?

PK: Buy the Dip, Bitcoin, Ethereum, also Krypto. Aber wenn es was wäre, was jetzt über einen längerfristigen Zeitraum ist, würde ich wahrscheinlich entweder mit Apple oder mit Tesla fahren.

HH: Als Meme-Seiten-Admin würde ich natürlich nur NFTs und Kryptos nehmen. Oder bei Wallstreetbets die fünf Aktien suchen, die die meisten Flammen hinter dem Namen haben. Als normaler Mensch ist das die Frage. Generell finde ich es gut, in die eigene Bildung zu investieren. Langfristig vielleicht zur Seite legen, wenn man vorhat, einen Master zu machen, oder man in eine andere Stadt umzieht.

Und 1 Mio. Euro?

PK: Dann würde ich nicht das ganze Geld nur in Aktien und Kryptowährungen investieren. Von einem Teil würde ich mir noch eine Eigentumswohnung kaufen.

HH: Dann würde ich mich mit Jakob Mähren in Verbindung setzen, zum Thema Immobilie. Natürlich auch in Aktien. Bei einer Million würde ich mehr diversifizieren, also in ETFs packen. Ein kleines Portfolio für Einzelaktien, weil mir das einfach Spaß macht. Einen gewissen Betrag in Kryptos – und ich würde mich in alternativen Assets umschauen. Also Dinge wie Uhren und Wein.

Was sind eure eigenen finanziellen Ziele?

PK: Ich möchte so viel haben, dass ich mir keine Sorgen darüber machen muss, ob ich mir jetzt was zu essen leisten kann, dass sich meine Kinder keine Sorgen machen müssen, dass ich sie auf eine gute Schule und auf eine gute Uni schicken kann. Dass meine Familie immer abgesichert ist, dass es mir gut geht.

HH: Wenn ich in meinen Dreißigern bin – das ist natürlich auch ambitioniert –, will ich finanziell frei sein. Das ist auch ein Kampfbegriff, aber was ich damit meine, dass man vielleicht all seine Lebenshaltungskosten aus passiven Einnahmequellen decken kann, seien das Dividenden, Unternehmensbeteiligungen oder Mieteinnahmen. Am besten noch mit Plus, damit ich weiter investieren kann.

Sind die Posts Provokation?

PK: Ich provoziere schon absichtlich, weil es auch erfolgreich ist. Das schafft eine Masse, nicht nur mit denjenigen, denen es gefällt, sondern auch mit denen, denen es nicht gefällt. Ohne Hater bist du im Endeffekt auch nichts, weil die dir noch deutlich mehr Sichtbarkeit schaffen.

HH: Ich würde mal sagen, die Hater-Rate ist schon sehr gering. Klar bekommt man ab und zu mal Nachrichten, aber eher per DM. In den Kommentaren habe ich’s noch gar nicht so oft gesehen. Es ist dann oft eher Hate in dem Sinne, dass Leute das Meme-Format nicht verstehen.

Über welche Überläufer:innen der anderen Seite würdest du dich am meisten freuen?

PK: Bei vielen Linken würde ich mich freuen, wenn sie sich ein bisschen anschließen würden. Und das auch als Witz nehmen, weil es offensichtlich überspitzt und provokant ist. Ich freue mich immer über Leute, die auch ihre Meinung teilen.

HH: Sahra Wagenknecht oder Annalena Baerbock.

Was war dein erfolgreichster Post 2021?

PK: Das war ein Bild mit einer Schale randvoll mit Rolex Submariners. Der Text lautete: „Bei dir liegen Rolex Uhren nicht wie Bonbons im Eingangsbereich rum? Triple Air Sign Cringe :/“.

HH: Das war ein Bild mit Robert Habeck, Annalena Baerbock und Christian Lindner mit einem Porsche-Joke.

Welcher Account – außer deinem eigenen – bespielt für dich perfekt die Bubble?

PK: Extrem groß ist ja gerade Gary Vee. Den würde ich auf jeden Fall dazuzählen. Ich finde, ihr macht auf jeden Fall auch einen ganz guten Content. Ich gucke mir das gerne an.

HH: Die Seite ist zwar manchmal gesperrt, aber cringe.benefits finde ich gut, weil er selbst Investmentbanker ist.

Kommen wir zur schnellen Runde. Was war dein erstes Investment?

PK: Tesla.

HH: Activision Blizzard.

City-Acht-Zimmer-Wohnung oder Landsitz?

PK: Landsitz.

HH: Landsitz. Klar, als junger Mensch auf jeden Fall in der Stadt, aber langfristig mit Familie auf jeden Fall Landsitz.

Nach der Krypto-Korrektur: lieber wieder in Blue-Chip-Aktien gehen oder HODLn?

PK: Ich halte nichts von Leuten, die den Markt timen. Da gibt’s dieses Sprichwort: „Time in the market beats timing the market.“ Deshalb: Ich kaufe ständig ein und ein und ein, und es wird dann auch entsprechend nach oben gehen.

HH: Ich würde schon nachkaufen, wenn man davon überzeugt ist. Zu verkaufen, nur weil es gesunken ist, ist ja völlig falsch. Es gilt: „Buy the dip.“

Liebste Kryptowährung?

PK: Shiba Inu.

HH: Ich hätte Ethereum gesagt, weil viel darauf basiert. Das war, glaube ich, sogar die erste Kryptowährung, die ich 2017 gekauft habe.

Lieber Heli oder Privatjet?

PK: Lieber den Privatjet.

HH: Privatjet. Heli ist ein bisschen klein.

Harrods oder KaDeWe?

PK: KaDeWe.

HH: Harrods, da war ich zumindest schon mal. Im KaDeWe noch nie.

Der Mount Rushmore der Fin-Meme-Bubble besteht aus …

PK: Hedgefonds.henning, bwlmemez, papas.kreditkarte und deutscher_jungadel.

HH: Bwlmemz, papas.kreditkarte, immo_memes und mir natürlich.

Welche ist die beste Bar, um einen Dompi zu köpfen?

PK: Das Rote Kliff in Kampen.

HH: Ich war noch gar nicht in so vielen verschiedenen Städten feiern. Standardmäßig von den Memes passt das P1 in München ganz gut. Und natürlich das Gibson in Frankfurt, weil dort auch die ganzen Banker sind.

Was wäre eine geheime zweite Karriere, falls du eine hättest?

PK: Basketballprofi.

HH: Filmregisseur – das finde ich cool.

Bei welchem Unternehmen würdest du gerne drei Monate lang die Geschäftsführung unterstützen?

PK: Da gibt es eigentlich nur zwei Antworten: Apple oder Tesla. Ich würde wahrscheinlich Tesla sagen, weil ich dann Assistent von Elon Musk bin!

HH: Für den Flex-Faktor würde ich sagen Blackstone, Goldman Sachs oder so was. Privat wären es eher Startups. Was ich zum Beispiel interessant finde, ist Sequoia Capital. Das ist der für mich prestigereichste Venturecapital-Fonds. Auch bei Apple waren die Early Investor. Wenn man selbst gründen oder in die Selbstständigkeit gehen will, kann man dort enorm viel lernen.

Einmal abschließend ganz groß gefasst: Was sind eure Karriereziele?

PK: Ich habe Ziele, aber kein konkretes Karriereziel, glaube ich. Ich will das, was ich mache, weitermachen, gerne machen und erfolgreich machen. Sprich, ob das jetzt eine Meme-Page ist oder was drumherum alles entstehen kann, ob das andere selbstständige Tätigkeiten sind. Natürlich möchte ich meine akademische Karriere ganz gerne erfolgreich beenden.

HH: Natürlich das Finanzielle, wie eben schon gesagt. Dass man für seine Kinder und Familie sorgen kann. Das Vehikel dazu ist für mich Unternehmertum – etwas gründen, was die eigenen Werte widerspiegelt, was Spaß macht, und dann viel investieren.

Dies ist ein Text aus unserer Ausgabe 1/2022: In unserem Dossier beschäftigen wir uns mit dem Comeback des luxuriösen Lifestyles: reisen, speisen, residieren. Wir haben außerdem die Königsklasse der Fin-Meme-Bubble Papas Kreditkarte und Hedgefonds Henning zum Doppelinterview getroffen. Und uns die Mission der Satellitenfirma Planet Labs genauer angesehen. Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!