She'sPunk · berufliches Selbstvertrauen

Impostor-Syndrom: Warum erfolgreiche Frauen sich selbst sabotieren

Impostor-Syndrom: Warum erfolgreiche Frauen sich selbst sabotieren
Foto von Christina Morillo: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-sitzt-vor-schwarzem-laptop-computer-1181649/
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit3 Min · 597 Wörter

Trotz nachweisbarer Erfolge fühlen sich viele kompetente Frauen wie Betrügerinnen im eigenen Leben. Das Impostor-Syndrom trifft besonders weibliche Führungskräfte – und hat tiefgreifende Ursachen.

Der Widerspruch könnte kaum größer sein: Auf dem Papier brillant, im Meeting souverän, in der Karriere auf Erfolgskurs – und trotzdem nagt da diese innere Stimme, die flüstert: „Bald fliegt auf, dass du eigentlich gar nichts kannst.“ Dieses Paradox hat einen Namen: Impostor-Syndrom. Besonders Frauen kennen dieses Phänomen, bei dem selbst objektive Erfolge als glückliche Zufälle abgetan werden. Doch warum trifft es ausgerechnet die, die allen Grund hätten, selbstbewusst zu sein?

Wenn Erfolg zur Fassade wird

Das Impostor-Syndrom – auch als Hochstapler-Syndrom bekannt – wurde erstmals in den 1970er-Jahren wissenschaftlich beschrieben. Die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes identifizierten ein Muster bei erfolgreichen Personen, die trotz aller Beweise ihrer Kompetenz überzeugt waren, ihre Leistungen nicht verdient zu haben. Betroffene leben in ständiger Angst, als „Schwindlerinnen“ entlarvt zu werden.

Die Symptome sind vielfältig: Erfolge werden externen Faktoren zugeschrieben, Komplimente abgewehrt, eigene Fähigkeiten systematisch unterbewertet. Obwohl das Phänomen keine klinische Diagnose darstellt, sind die Auswirkungen auf Karriere und psychische Gesundheit erheblich.

Die weibliche Dimension des Selbstzweifels

Die Statistik zeigt ein klares Muster: Frauen sind überproportional häufig betroffen. Die Gründe dafür liegen tief in gesellschaftlichen Strukturen:

Erstens prägen traditionelle Rollenbilder nach wie vor die Sozialisation. Während Jungen oft zu Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen erzogen werden, lernen Mädchen häufiger, bescheiden zu bleiben und sich zurückzunehmen. Diese früh verinnerlichten Muster wirken bis ins Berufsleben nach.

Zweitens fehlt es in vielen Branchen an weiblichen Vorbildern. Besonders in MINT-Berufen oder Führungsetagen bleibt Frau oft die Ausnahme. Die Hochschule Mittweida bestätigt: Ohne Rollenmodelle verstärkt sich das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören.

Drittens treibt viele Frauen ein übersteigerter Perfektionismus an. Die AOK weist darauf hin, dass diese Eigenschaft das Impostor-Syndrom befeuert – wer die Messlatte unerreichbar hoch legt, muss zwangsläufig scheitern.

Karrierekiller Selbstzweifel

Die beruflichen Konsequenzen sind gravierend. Betroffene meiden Herausforderungen, lehnen Beförderungen ab oder trauen sich nicht, in Gehaltsverhandlungen selbstbewusst aufzutreten. Die Angst vor dem Scheitern verhindert, dass sie ihr volles Potenzial ausschöpfen.

Gleichzeitig leidet die psychische Gesundheit. Der permanente Stress, „aufzufliegen“, kann zu Angstzuständen und Depressionen führen. Das Selbstwertgefühl erodiert unter dem ständigen Zweifel an der eigenen Kompetenz.

Strategien gegen den inneren Saboteur

Der Weg aus der Impostor-Falle beginnt mit Bewusstsein. Die AOK empfiehlt ein Erfolgstagebuch als wirksames Instrument: Wer regelmäßig die eigenen Leistungen dokumentiert, schafft einen objektiven Gegenpol zu den subjektiven Zweifeln.

Auch der offene Austausch mit Vertrauenspersonen kann entlastend wirken. Oft zeigt sich im Gespräch, dass vermeintliche „Hochstaplerinnen“ keineswegs allein mit ihren Gefühlen sind. Mentoring-Programme bieten hier strukturierte Unterstützung.

In hartnäckigen Fällen kann professionelle psychologische Hilfe sinnvoll sein. Therapeutische Ansätze helfen, tiefsitzende negative Glaubenssätze zu identifizieren und zu überwinden.

Die Überwindung des Impostor-Syndroms ist mehr als eine individuelle Herausforderung – sie ist Teil eines größeren gesellschaftlichen Wandels. Unternehmen beginnen zu verstehen, dass sie Talente verlieren, wenn Selbstzweifel Karrieren ausbremsen. Progressive Organisationen setzen daher auf Mentoring-Programme, offene Feedbackkulturen und diversitätssensible Führung.

Die Zukunft gehört einer Arbeitswelt, in der Kompetenz zählt, nicht Selbstdarstellung. Dafür braucht es sowohl strukturelle Veränderungen als auch ein neues Selbstverständnis erfolgreicher Frauen: Wer die eigenen Leistungen anerkennt, gewinnt nicht nur persönlich an Lebensqualität, sondern wird auch zum Vorbild für die nächste Generation – ein entscheidender Schritt, um den Kreislauf des Impostor-Syndroms zu durchbrechen.

Quellen: wmn.de, AOK

Portrait Business Punk Redaktion

Business Punk Redaktion

Hier schreibt die Business-Punk-Redaktion. Mal er, mal sie, mal gar keiner. Ach und kauft unser Heft! Danke.