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Zehn Homeoffice-Expert*innen verraten, wie sie zuhause produktiv bleiben

Home Office
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Aktualisiert
Lesezeit7 Min · 1.493 Wörter

Kein Thema ist aktuell so präsent wie die Arbeit im geliebten Homeoffice. Und klar, arbeiten von zu Hause aus klingt erstmal unheimlich verlockend: Jogginghose, freie Arbeitszeiten und keinen verkrampften Smalltalk mit den Kolleg*innen nach dem Wochenende. Allerdings kann sich das Homeoffice auch als ziemlicher Flop erweisen. In den eigenen vier Wänden gibt es zahlreiche Ablenkungen und die Versuchung zur Prokrastination ist groß. Daher haben wir zehn Experten*innen gefragt, wie sie ihr Homeoffice einrichten, um maximal abliefern zu können.

Kleiner Hinweis: Die Gespräche mit den Expert*innen fanden vor der Corona-Krise statt – die Tipps aber lassen sich dennoch ziemlich gut auf die jetzige Situation übertragen.

Cloudy Zakrocki, Chefredakteurin Refinery29 Germany

Credit: Patrycia Lukas

„Bei meinem vollen Terminkalender kommt Homeoffice leider viel zu selten vor, obwohl ich hierbei eigentlich meist produktiver bin als im Büro – trotz einiger Ablenkungsfallen, man mag es kaum glauben. Ich tendiere oft dazu, zu sehr multitasken zu wollen. Nebenher noch den Wäscheberg angehen, endlich die Pflanzen düngen und kurz noch das Bücherregal aufräumen? Klingt alles machbar, ich komme dann aber doch oft vom einen zum anderen und die eigentlichen Nebenbeschäftigungen arten in Aufräumaktionen aus.

Auch gefährlich: Zum Lunch nur mal eben schnell eine Folge der Lieblingsserie anfangen. Die endet dann nämlich oft so spannend, dass man weiter schaut à la nur noch eine Folge. Meine Tipps daher: Das Homeoffice in den Raum verlegen oder sich so im Raum positionieren, dass man das Chaos am wenigsten sieht. So kommt man gar nicht erst in die Versuchung, endlich die Bücher im Regal zu sortieren. Und Finger weg von Netflix & Co. beim Lunch. Den Augen kurz mal Ruhe vom flimmernden Bildschirm zu geben ist sowieso gut und während des Essens zu lesen minimiert die Versuchung, den Lunch von 30 auf 90 Minuten auszuweiten.“

Peter Wittkamp, freier Kreativer und Autor

Peter Wittkamp Business Punk

„Es ist eigentlich ganz einfach. Oft sinnvoll: Ein abgetrennter Raum für das Office. Keine Haushaltsaufgaben zwischendurch erledigen, die länger als eine Minute dauern. Wichtig: Eine Liste mit Aufgaben, die man abarbeitet.

Aber das allerbeste Mittel, um sich nicht ablenken zu lassen: So viel zu tun zu haben, dass man für Ablenkungen keine Zeit hat.
Und eins noch: Wenn man dann aus dem Haus geht: Nicht vergessen, eine Hose anzuziehen.“

Anna-Lena Klotz, Lehrerin

„Es gibt zwei Dinge, die ich in in der Regel tue, wenn ich Homeoffice-Offensive mache. Entweder ich erstelle und korrigiere Klassenarbeiten oder ich plane Unterricht. Für Ersteres unterstütze ich meine Konzentration gerne mit klassischer Musik (Tipp: Ólafur Arnalds). Außerdem muss der Schreibtisch aufgeräumt sein.

Für Unterrichtsplanung benötige ich meist mehr Kreativität, dann hilft es mir, wenn ich nebenbei andere Dinge tue, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Zeitung lesen, Klavierspielen, Aufräumen oder raus gehen. Der Prozess zieht sich dann meist etwas, aber ich arbeite nicht gern unter Zeitdruck. Aber den habe ich ja im Grunde nie als Lehrerin.“

José Ramos, Architekt

„Ich habe den gleichen Tisch zu Hause und im Büro, so bleibt der Ortswechsel fliesend. Der Schreibtisch ist dynamisch höhenverstellbar, da bleibt man in Bewegung. Die Türen sind geschlossen, ruhige Musik spielt im Hintergrund und mit einer kleinen Nüsse-Nasch-Pause alle 45 Minuten gibt das einen guten Energierhythmus. Das Handy bleibt lautlos in der Tasche, und ganz wichtig: Die Pflanzen müssen davor gegossen werden: Jetzt gibt´s keine Ausrede mehr.“

Katrin Engel, Head of Marketing bei Coffee Circle

„Ich nutze Homeoffice, wenn ich mich mehrere Stunden am Stück auf ein Thema konzentrieren möchte. Homeoffice heißt für mich: keine Meetings, keine Calls, kein Anquatschen oder andere Ablenkung, wie es in Großraumbüros ja oft der Fall ist. Kürzlich sprach ich mit Freunden über Homeoffice. Sie fühlten sich damit doch irgendwie unwohl und hätten das Bedürfnis, zu beweisen, dass sie tatsächlich arbeiten – und sind dann eben ständig über Slack & Co. erreichbar. Aus meiner Sicht: kontraproduktiv.

Wenn du dich konzentrieren willst, schalte auch Slack ab und lass dein Email-Postfach zu. Ich löse das, indem ich in Slack meinen Status auf Homeoffice setze und in meinem Team kommuniziere, woran ich arbeiten möchte. Ich bin selbst mit mir im Reinen und weiß, was ich tue – und vertraue da auch meinen Kollegen. Das geht aber natürlich nur, wenn die Firmenkultur das zulässt. Spezialtipp: Schlafanzug einfach den ganzen Tag anlassen, darin lässt es sich wunderbar strategisch denken.“

Stefan Latt, Innovation Consultant/ Strategic Designer

„Als Freelancer in der Innovationsberatung arbeite ich von zu Hause aus, wenn ich nicht vor Ort auf einem Kundenprojekt bin. Für mich ist die größte Herausforderung im Homeoffice, eine Struktur in den Tag zu bekommen – insbesondere wenn ich nur wenige Termine habe. Ich habe daher angefangen, mir feste Zeitslots für meine Aufgaben zu setzen.

Dafür steht mittlerweile der Timer, den ich früher nur für Workshopmoderationen genutzt habe, jetzt auch auf meinem Schreibtisch. Wenn ich längere Zeit im Homeoffice arbeite, fällt mir irgendwann die Decke auf den Kopf. Daher setze ich mich ab und an zum Arbeiten in ein Café um die Ecke, gehe zwischendurch eine Runde Sport machen und versuche, mittags regelmäßig zu kochen.“

Markus Wörner, Head of PR bei einhorn products GmbH

„Im Schnitt arbeite ich ein bis zwei Tage pro Woche aus dem Homeoffice, die restlichen Tage an meinem Platz in der Einhorn Höhle. An vielen Tagen gestalte ich es aber auch so, dass ich Vormittags in Ruhe zuhause arbeite und dann Nachmittags Termine im Büro wahrnehme. Ich versuche also sozusagen das Beste aus beiden Welten mitzunehmen. Die Mischung und Flexibilität macht es also definitiv für mich.

Das Wichtigste ist, dass man für sich selbst Gewohnheiten etabliert, die funktionieren. Das kann auch sehr individuell sein. Arbeiten im Bett oder vom Sofa aus klingt erstmal traumhaft, funktioniert aber für mich kaum. Ich habe einen festen Platz in meiner Wohnung, an dem ich arbeite. Heißt, wenn ich mich dort an den Tisch setze, bin ich an meinem Arbeitsplatz und arbeite konzentriert. Das kann wegen mir auch in der Jogginghose sein, aber ich starte meinen Arbeitstag dann bewusst und wenn ich aufstehe beende ich ihn auch bewusst.

Auch wenn es in dem Sinne für mich keine festen Arbeitszeiten gibt, private Erledigungen oder Dinge im Haushalt sollte man nicht nebenbei machen, die gehören dann in die Zeit vor oder nach dem Arbeitstag. Und noch ein Tipp: Wenn man, wie ich, eine Partnerin hat, die auch oft im Homeoffice arbeitet, sollte man sich unbedingt in zwei verschiedene Zimmer setzen. Und geknutscht wird höchstens in der Mittagspause – feste Regel.“

Eva Musholt, selbständige Konzeptionerin

„Ich lasse mich sehr schnell von den schönen Dingen des Lebens, beispielsweise Essen und Trinken ablenken. Das ist vor allem in den eigenen vier Wänden fatal, wo die Wege kurz und die Ressourcen reichlich sind. Daher arbeite ich mit einem Belohnungssystem. Ich erledige die ersten wichtigen Sachen beziehungsweise schließe etwa eine Textpassage ab und gönne mir dann was.

Selbst wenn ich morgens sehr motiviert aufstehe und mich direkt an den Schreibtisch setze und abends theoretisch immer noch fit bin, sage ich mir immer wieder: Selbst und ständig bedeutet ja nicht, ständig am Schreibtisch zu sitzen. Die besten Ideen kommen eh im Gespräch und Austausch. Daher bezeichne ich es auch als Arbeitszeit, mich mit Freunden und Kollegen zum Kaffee, Essen oder auf ein gutes Getränk zu treffen. Das ist die Art von Ablenkung, die meine Kreativität fördert. Ein positives Treffen führt bei mir im Nachgang zu einem produktiver Arbeitssession und durch die Vorfreude auf die nächste Belohnung kommt auch automatisch die Konzentration.“

Dipl. Des. Marco Bastian Lenger, Interior Designer

„In der Regel habe ich Lust auf Konzentration. Insofern fällt es mir leicht, im Homeoffice zu arbeiten. Falls das mal nicht der Fall sein sollte, prokrastiniere ich gerne mit sinnvollen Sachen, vor denen ich mich in einer anderen Situation vielleicht eher drücken würde. Zum Anderen liebe ich Pflanzen. Sie schaffen mir ein wunderbares Umfeld zum arbeiten. Manchmal pflege ich sie um zur Ruhe zukommen, dann setze ich mich an meinen aufgeräumten Schreibtisch, lasse das Grün der Oase auf mich wirken – dann kommt die Konzentration häufig von selbst. Die besten Ideen kommen aus der Stille.“

Anna Schunk, Co-Founderin des Nachhaltigkeits-Magazins Viertel\Vor

„Ganz oben auf der Prokrastinations-Liste steht bei mir: Essen. Oder auch ein Klassiker: Vor oder während einem richtig wichtigen Job kann es schon mal sein, dass ich ganz plötzlich die ganze Wohnung putze. Aber: Ich finde diese vermeintliche Ablenkung gar nicht immer schlimm. Gerade in kreativeren Berufen kommen die Ideen nämlich oft genau dann, wenn man eben nicht aktiv drüber nachdenkt – sprich eher beim Spülen als am Schreibtisch.“

Portrait Julia Krempin

Julia Krempin

Julia hat Literatur, Medien & Politik studiert – ist dann aber an der Bundespräsidentschaft knapp vorbeigestolpert. Die Weltherrschaftspläne mussten deswegen erstmal verschoben werden und nach ein paar kleinen Kreativpausen in Asien, Südamerika und der Agenturlandschaft ist sie nun mit Alexander die Redaktionsleitung von Business Punk.