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Hunde im Büro? Hier kommen Tipps von der Gründerin des Online-Shops Tierliebhaber

Hunde im Büro? Hier kommen Tipps von der Gründerin des Online-Shops Tierliebhaber
Tierliebhaber
Erschienen
Lesezeit7 Min · 1.499 Wörter

Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Kommen wir abends von einem langen Arbeitstag nach Hause, sind die Vierbeiner die Ersten (und Einzigen), die uns fröhlich entgegenspringen. Dank ihnen verbessert sich unsere Laune immer wieder. Aber warum sind Hunde in den eigenen vier Wänden so beliebt und im Büro nicht?

Schließlich können Hunde im Office die Kreativität steigern – sagt Josefine Schmidt. Sie hat 2016 gemeinsam mit ihrem Co-Founder den Online-Markt für Futtermittel Tierliebhaber gegründet. Wir haben mit der Gründerin über Hunde im Büro gesprochen, wie sie das Teamwork stärken können und warum strenge Regeln dafür so wichtig sind.

Klar ist: Aktuell arbeiten auch die 25 Mitarbeiter:innen von Tierliebhaber noch hauptsächlich im Homeoffice. Die Erfahrungen, von denen Josefine Schmidt spricht, beziehen sich also überwiegend auf die Zeit im Büro vor der Pandemie.

Josefine, im Leipziger Büro von Tierliebhaber wart ihr bis letztes Jahr ein 17-köpfiges Team – davon zehn Mitarbeiter:innen und sieben Hunde. Wie kam es zu so vielen Vierbeinern im Büro?

Mein Co-Gründer Philipp und ich hatten selbst beide Hunde, insgesamt drei. Für uns gab es gar nicht die Option, keine Hunde mit ins Büro zu bringen. Klar, wir haben ja auch eine Futtermittel-Firma. Irgendwann kam die erste Mitarbeiterin dazu, die auch einen Hund besaß. Das passte einfach.

Es gab aber natürlich auch Mitarbeiter:innen, die es nicht gewohnt waren, Hunde um sich zu haben. Für uns war daher von Anfang an klar, dass wir Regeln brauchen, an die sich die Hundehalter:innen, das Team und die Hunde halten müssen. Dafür haben wir zu Beginn als Unterstützung eine Hundetrainerin mit ins Team genommen.

Tierliebhaber-Gründerin Josefine Schmidt mit zwei Hunden vor ihrem alten Shop.

Wie wurde die Hundetrainerin in den Büroalltag integriert?

Die Hundetrainerin ist sehr regelmäßig in unser Büro gekommen. Am Anfang ein Mal pro Woche und später dann alle zwei, drei Wochen. Das waren immer feste Slots, in denen sie mit Hunden und Teammitgliedern trainiert hat.

Wenn sich ein Unternehmen für Hunde im Büroalltag entscheidet: Wie sollte der erste Step aussehen?

Ich rate allen Unternehmen, die Hunde am Arbeitsplatz erlauben wollen, von Vornherein zu schauen, wie die Gegebenheiten sind, ob sich alle Teammitglieder damit wohlfühlen und welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Damit ein produktives Miteinander gegeben ist. Dadurch wurde es bei uns schnell zu einer ganz wertvollen Erfahrung.

Welche Regeln sind besonders wichtig? Kannst du ein paar nennen?

Erstmal kommen nicht alle Hunde miteinander klar, weil sie nicht aus demselben Rudel kommen. Deshalb sollte es Räume geben, in die nur bestimmte Hunde dürfen und Räume, die für Hunde tabu sind. Denn, wenn man in einem Meeting mit 15 Leuten ist und drei Hunde um das Team herumrennen, ist das sehr ablenkend. Getobt wird nicht in den Büroräumen, sondern nur draußen. Was ich empfehle: Regelmäßige Pausenslots mit den Hunden.

Wie sollten diese Pausen am besten ablaufen?

Wir haben Pausen auf der Tobewiese eingeführt. Ich muss sagen, das waren die produktivsten Pausen, die ich je erlebt habe. Du warst an der frischen Luft, hast dich bewegt, warst im Austausch mit deinen Kolleg:innen und hast am Hund selber arbeiten können. Die Hunde rennen und machen sich frei. Das macht allen Spaß und gibt wieder neuen Raum für Kreativität.

Welche Regeln sind noch relevant?

Man muss natürlich bestimmte Rahmenbedingungen schaffen. Nicht jede:r kann seinen Hund jeden Tag mitbringen. Man könnte bestimmte Tage pro Hund einrichten. Hunde, die nicht miteinander funktionieren, kann man so gezielt voneinander abgrenzen.

Dann sollte man Grundübungen einführen, und zwar Step by Step. Hunde sind immer noch Lebewesen wie wir. Wir verhalten uns ja auch anders, wenn der eigene Hund mit am Arbeitsplatz ist. Ich könnte nicht produktiv arbeiten, wenn ich merken würde, dass meine Hündin Stress hat. Also am besten schauen, wie man es allen am leichtesten machen kann.

Den Hunden kann man zum Beispiel durch Körbchen oder Boxen eigene Plätze schaffen, an denen sie sich zurückziehen können. Liegen die Hunde dort, darf sie auch niemand anfassen. Dann können die Hundehalter:innen gelassener arbeiten. Das klappt bei uns eigentlich immer problemlos.

Sollten die Hunde nicht bestenfalls schon etwas älter oder zumindest länger trainiert worden sein, um ins Office zu dürfen?

Ich glaube, jeder Hund ist für das Office geeignet. Mit einer liebevollen, konsequenten und vor allem auch bewussten Erziehung, die zu jeder Hundehaltung dazu gehört, ist das Leben mit dem Hund am Arbeitsplatz eigentlich super einfach. Die Hunde lernen sehr schnell.

Aber jeder Hund ist individuell. Eine Mitarbeiterin hat zum Beispiel eine energeterische Hündin. Die hat ihre eigene Hütte im Büro, damit sie etwas abgeschottet ist. Sonst würde sie bei jedem kleinen Geräusch aufspringen. Ich sage immer: Schaut euch den Einzefall an und dann kann man justieren.

Welche Verantwortung trage ich als Mitarbeiter:in, der/die ihren eigenen Hund regelmäßig mit ins Büro bringt?

Als allererstes sollte man das Gespräch mit den Vorgesetzten suchen. Wenn dann feststeht, dass der Hund mit kann, sollte man sich allen Regeln bewusst werden, die schon aufgestellt wurden oder noch aufgestellt werden müssen. Habe ich vielleicht Kolleg:innen, die sich nicht mit Hunden wohlfühlen? Habe ich Kolleg:innen, die eine Hundehaarallergie haben?

Und man sollte sich natürlich fragen, ob ich das meinem Hund überhaupt zutrauen kann. Ist mein Job so ausgerichtet, dass es für ihn funktioniert? Habe ich ihn darauf vorbereitet? Darüber sollte man sich im Klaren sein. Gerade am Anfang braucht es dafür sehr viel Selbstdisziplin.

Wie reagiere ich als Vorgesetzte:r am sinnvollsten, wenn ein:e Mitarbeiter:in mit dem Wunsch, den Hund mitzubringen, auf mich zukommt?

Ich persönlich möchte, dass sich jede:r wohlfühlt. Also stelle ich als Erstes sicher, dass auch alle damit einverstanden sind. Wenn es eine Person gibt, die eher schlechte Erfahrungen mit Hunden hat, sollte man sich gut überlegen, wie man auch sie abholen kann. Es ist die Verantwortung der Chef:innen, ein gutes Mittelmaß zu finden. Keine:r darf mit schlechtem Bauchgefühl in die Kaffeeküche gehen, nur weil ein Hund in der Ecke liegt.

Muss man externen Besucher:innen vorher Bescheid geben, dass es im Büro einige Hunde gibt?

Also bei uns gehören die Hunde einfach zur Unternehmenskultur dazu. Das kommunizieren wird immer direkt am Anfang. Es ist ganz wichtig, das früh genug mitzuteilen. Aber der Hund kann auch nicht zu jedem Termin mitkommen. Wir sind immer noch eine Firma, in der gearbeitet wird.

Welche Vorteile bringt es denn konkret, Hunde im Büro zu haben?

Ich habe vor der Gründung in Jobs gearbeitet, bei denen ich meine Hündin acht Stunden am Tag alleine lassen musste. Klar, war sicher gestellt, dass mal jemand mit ihr Gassi geht. Aber es hat mich innerlich blockiert, ich war nicht so kreativ und frei, wie ich hätte sein können. Das ist also der erste Vorteil: Du musst als Hundehalter:in kein schlechtes Gewissen mehr haben.

Im Team wird die Kreativität gefördert. Die Hunde holen das Team in stressigen Situationen ganz schnell wieder zurück. Hunde leben im Jetzt. Mir hilft es nach stressigen Meetings total, mich kurz zwei Minuten zum Hund zu setzen und ihn zu kraulen. Ein weiterer Vorteil: Hunde brechen das Eis. Wir kennen das alle, wenn man neu ins Team kommt, es sitzen zehn fremde Menschen vor einem und man weiß gar nicht, worüber man sprechen soll. Der Hund ist in dem Fall der Icebreaker.

Außerdem sind Hunde ein absolut guter Marker, wenn es um Emotionen geht. Hunde spüren, wenn den Menschen um sie herum etwas auf dem Herzen liegt. Wenn ich merke, der Hund weicht dieser einen Kollegin nicht von der Seite, kann ich gezielt auf sie zugehen und herausfinden, was vielleicht nicht in Ordnung ist. So lerne ich als Vorgesetzte mein Team besser kennen.

Hast du auch nachteilige Erfahrungen gemacht?

Wirkliche Nachteile gab es bisher nicht, weil wir immer schnell nachjustieren. Wir wussten, wie wir Benefits durch die Bürohunde bekommen. Mit dieser Einstellung waren die Nachteile sehr schnell auszuhebeln. Aber klar, es kann für einige abschreckend sein. Es müssen sich also alle im Team an die Regeln halten.

Siehst du Hunde als festen Bestandteil der zukünftigen Unternehmenskultur?

Da ist natürlich erstmal die Frage, wann und ob es den regen Bürobetrieb von früher überhaupt wieder geben wird. Aber für mich ist es sehr wichtig, dass das Leben im Büro ganzheitlicher betrachtet wird. Dazu gehören, wenn man es eben möchte und sich der Verantwortung bewusst ist, auch Hunde. Nicht in jeder Branche, vor allem wenn es gewisse hygienische Vorschriften gibt. Aber ich glaube, es ist trotzdem die Zukunft vieler Unternehmen.

Portrait Katharina Boecker

Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.