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Interview mit Fritz Frey: Wie HYGH die Regeln der Außenwerbung neu definiert 

Das Center Berlin mit visusalisiert mit einem 3D-fähigen LED-Screen.
HYGH Foto: HYGH
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Lesezeit6 Min · 1.195 Wörter

Fritz Frey ist 28 Jahre alt und Gründer sowie Geschäftsführer von HYGH, einem Berliner AdTech-Unternehmen, das Außenwerbung ins digitale Zeitalter bringt. Mit HYGH demokratisiert er den Buchungsprozess für digitale Außenwerbung und setzt auf eine effiziente, datenbasierte Kampagnensteuerung durch programmatische Buchungen. 

Das größte Projekt bisher: Am 1. Juli 2025 bringt HYGH gemeinsam mit Oxford Properties Deutschlands größten 3D-fähigen LED-Screen an den Start – eine 243 Quadratmeter große digitale Leinwand im aufwendig modernisierten Center. Solche beeindruckenden Formate kennt man sonst nur vom Times Square in New York oder dem Piccadilly Circus in London. Der Screen, direkt gegenüber dem Berliner HYGH-Büro gelegen, soll als neues Landmark für Markenkommunikation dienen und die Außenwerbung in Deutschland neu definieren. 

Mit einer Finanzierung von 24 Millionen Euro, namhaften Kund:innen und einem stetig wachsenden Netzwerk aus digitalen Screens in ganz Deutschland stellt sich die Frage: Was treibt Fritz Frey an? Und was kommt als Nächstes? 

Fritz, du bist 28 – wie kam es dazu, dass du in einem der vermeintlich verstaubtesten Werbemärkte überhaupt ein Unternehmen gegründet hast? 

Die Gründung von HYGH begann mit einem simplen, aber frustrierenden Erlebnis. Ich wollte für ein anderes Projekt eine klassische Außenwerbekampagne buchen. Was dann folgte, war ein langwieriger Prozess: Starre Buchungszeiträume, hohe Mindestbudgets und ein bürokratischer Aufwand, der kaum nachvollziehbar war. Außenwerbung fühlte sich wie ein Relikt aus einer anderen Zeit an – analog, unflexibel und für viele Unternehmen schlichtweg unzugänglich. 

Das war der Auslöser für HYGH. Unser Ziel war es, den Buchungsprozess für Außenwerbung radikal zu vereinfachen und zu digitalisieren. Statt Kampagnen, die wochen- oder monatelang laufen, bietet HYGH maximale Flexibilität: Jede digitale Werbefläche kann minutengenau gebucht werden. Werbetreibende laden ihr Creative einfach über die Plattform hoch, wählen Zielgruppe, Standort und Uhrzeit – und die Kampagne ist in wenigen Minuten live. 

Was war der Moment, in dem klar war: Außenwerbung muss digitalisiert werden… und zwar radikal? 

Vor acht Jahren war Außenwerbung eine überwiegend analoge Branche. Während digitale Medienkanäle immer dynamischer und datengetriebener wurden, blieb die Außenwerbebranche lange in ihren alten Strukturen verhaftet. Digitale Flächen im öffentlichen Raum waren nicht der Standard und flexible Buchungsmöglichkeiten praktisch nicht existent. 

Für uns war klar: Das musste sich ändern. HYGH sollte Außenwerbung zugänglich, flexibel und datenbasiert machen. Unser Ziel war es, nicht nur eine Plattform zu schaffen, sondern eine Marke, die fest im Stadtbild verankert ist. Eine Marke, die Außenwerbung so einfach und zugänglich macht wie Social Media, aber im öffentlichen Raum. 

HYGH bietet digitale Werbeflächen mit „programmatic“ Zugriff – was bedeutet das konkret? 

Programmatic Advertising ist eine automatisierte Methode der Werbebuchung, bei der Werbeflächen in Echtzeit über digitale Plattformen gebucht werden. Sprich: Unsere digitalen Werbeflächen sind über sogenannte Demand-Side-Plattformen (DSPs)im freien Markt verfügbar. Das bedeutet, dass Werbetreibende ihre Kampagnen flexibel und eigenständig buchen können, angepasst an ihre individuellen Parameter und Kampagnenziele. 

Mit programmatischen Buchungen erreichen Werbetreibende ihre Zielgruppen noch gezielter und profitieren von detaillierten Reportings nach Kampagnenende. 

Wie viele Screens betreibt ihr aktuell und wie verteilt sich das deutschlandweit? 

Aktuell betreiben wir rund 4.000 digitale Screens in über 15 deutschen Städten. Diese verteilen sich auf verschiedene Netzwerke – vom City Network über das Elevator Network bis hin zu exklusiven Premium-Standorten wie dem Kurfürstendamm. Ab Juli ergänzt der größte 3D-LED-Screen am Potsdamer Platz unser Portfolio. 

Unser Fokus liegt nicht nur auf der Anzahl der Screens, sondern auf der Qualität und dem Innovationspotenzial der Standorte. Wir wollen digitale, dynamische Konzepte in den Städten vorantreiben. 

Ab 1. Juli launcht ihr den größten digitalen Screen Deutschlands im alten Sony Center. Wie kam es zu dieser Fläche? Was bedeutet dieser Schritt, wirtschaftlich, symbolisch, stadtbildlich? 

Es war eine Ausschreibung von Oxford Properties und fast alle großen Player der digitalen Außenwerbung in Deutschland haben sich beworben. Wir haben uns durchgesetzt, nicht nur aufgrund unserer Technologie, sondern dank eines ganzheitlichen Konzepts. Wir haben nicht einfach nur eine Werbefläche angeboten, sondern eine Vision: ein Konzept, das Marken, Kunst und Kultur miteinander verbindet. 

Ein entscheidender Pluspunkt war, dass wir nicht nur die Werbefläche vermarkten, sondern mit unserem Büro direkt vor Ort sind. Das ermöglicht uns, als Ansprechpartner jederzeit präsent zu sein und die Fläche aktiv zu gestalten. Für uns ist der Screen kein isoliertes Projekt, sondern ein zentrales Aushängeschild, das wir konsequent weiterentwickeln. Die Möglichkeit, Markenerlebnisse auch über die Anmietung von Flächen wie unserer 180-Quadratmeter-Eventterrasse mit direktem Blick auf den Screen zu schaffen, ist einzigartig:

Hier beim Büro von HYGH ist der 3-D-Screen geplant.

Der Screen ist vergleichbar mit Flächen in New York oder London. Was macht das mit dem Image von Berlin? Wo steht Deutschland denn allgemein in puncto Außenwerbung? 

Berlin wird mit diesem Screen ein Stück globaler. Was man sonst vom Times Square oder Piccadilly Circus kennt, gibt es jetzt auch hier – aber auf Berliner Art. Deutschland war lange skeptisch gegenüber digitalen Screens, stark geprägt durch analoge Formate. Aber dieser Screen setzt ein Zeichen: Wir können digital und international mithalten. 

Deutschland ist bei digitaler Außenwerbung also eher spät dran. Woran liegt das? 

Digitale Außenwerbung ist in Deutschland mit erheblichen Hürden verbunden. Das beginnt schon bei den hohen Investitionskosten. Digitale Screens erfordern hochwertige Hardware, regelmäßige Software-Updates und eine kontinuierliche Wartung, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Die Installation solcher Screens ist technisch anspruchsvoll und die Betriebskosten sind erheblich. 

Hinzu kommt, dass der deutsche Markt stark von analogen Plakatflächen dominiert wird. Starre, großformatige Plakate prägen seit Jahrzehnten das Stadtbild und sind tief in der Werbekultur verankert. Der Übergang zur Digitalisierung erfordert daher nicht nur neue Technologien, sondern auch ein Umdenken in der gesamten Branche. 

Welche regulatorischen oder infrastrukturellen Hürden begegnen euch regelmäßig? 

Die größte Hürde sind Genehmigungen. In Deutschland ist der öffentliche Raum stark reguliert und digitale Screens müssen zahlreiche Auflagen erfüllen, vom Stadtbildschutz bis zu Sicherheitsvorgaben. 

Werbung verändert Städte. Welche Verantwortung habt ihr als Betreiber? 

Unsere digitalen Screens sind integraler Bestandteil des öffentlichen Raums. Sie dienen nicht allein kommerziellen Zwecken, sondern bieten auch eine Plattform für kulturelle und gesellschaftliche Inhalte. Das ist uns wichtig, warum wir beispielsweise auch mit Partnern wie der MitVergnügen, der Berlinale, Sportvereinen oder verschiedenen NGos zusammenarbeiten. Als Betreiber tragen wir natürlich die Verantwortung an Qualität, Relevanz und gesellschaftliche Akzeptanz. 

Zum Schluss: Außenwerbung ist heute ein Highlight in Städten wie London oder Seoul. Wird der Potsdamer Platz euer Times Square? 

Es geht uns nicht um den Vergleich. Der Potsdamer Platz hat seinen eigenen Charme. Unser Screen ist ein Symbol für digitale Stadtentwicklung – für ein Berlin, das Mut hat, weiterzugehen. Ein Publikumsmagnet, ja. Aber ein Berliner Magnet. Kein Klon des Times Square, sondern ein eigenes spannendes Kapitel für die Stadt. 

Vielen Dank für das Gespräch, Fritz. Wir sind gespannt, ob der Potsdamer Platz bald wirklich zum Berliner Times Square wird! 

Portrait Carsten Puschmann

Carsten Puschmann

Podcast-Host