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Interview mit Ryan Gosling zu „The Big Short“: „Wir haben einfach versucht, es nicht sexy zu machen“

Interview mit Ryan Gosling zu „The Big Short“: „Wir haben einfach versucht, es nicht sexy zu machen“
Paramount Pictures Ryan Gosling plays Jared Vennett in The Big Short from Paramount Pictures and Regency Enterprises
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Aktualisiert
Lesezeit7 Min · 1.384 Wörter

Seit seinem Durchbruch mit „The Believer“ 2001, ist Ryan Gosling einer der fesselndsten Künstler. Er spielte unter anderem in dem Kassenschlager von 2004 „The Notebook, Half Nelson“ (für den er 2007 eine Oskar-Nominierung erhielt) und auch „Lars and the Real Girl“ (2007), „Blue Valentine“ (2010), „Drive“ (2011), „Crazy, Stupid, Love“ (2011), „The Ides of March“ (2011) und „The Place Beyond the Pines“ (2012).

In seinem neusten Film „The Big Short“ spielt Gosling Jared Vennett, einen glatten Dealmaker, den Steve Carell’s „Mark Baum“ in den Schoß der Querdenker der Wall Street setzt, um gegen den scheinbar allmächtigen US-Hausmarkt zu wetten, in den Jahren, die zum finanziellen Crash 2008 führten. Basierend auf dem Bestseller von Michael Lewis (Moneyball) mit dem Regisseur Adam McKay (Anchorman), zeigt „The Big Short“ das Dream-Team um Gosling (dessen Rolle lose auf dem ehemaligen Deutschen Kaufmann Greg Lippman basiert), Carell, Christian Bale und Brad Pitt; mit einem durchdachten, bitteren (und außergewöhnlich offenen) Sicht auf die Events, die zur globalen Wirtschaftskrise leiteten, von denen wir immer noch genesen.

Was hat dich an dem Film „The Big Short“ fasziniert?

Auf fast allen Ebenen war es ein interessantes und spannendes Projekt, an dem ich teilhaben wollte. Der Regisseur, Adam McKay, ich bin ein großer Fan von ihm. Ich wollte schon sehr lange mit ihm zusammen arbeiten. Der Inhalt ist so relevant, herzzerbrechend und interessant. Und dann noch die unglaubliche Besetzung der Charaktere.

Erzähle uns mehr über deinen Charakter, Jared Bennet. So wie ich es verstehe basiert er frei auf der Person Greg Lippman, der ehemalige Kaufmann der Deutschen Bank aus Michael Lewis Buch.

Naja, dieser Charakter wurde mit viel Freiheit umgesetzt, da er der Erzähler des Films wurde – weißt du, er ist eine Art Tour-Guide durch diese Welt. Wenn man so verfährt, ist es nur fair anzuerkennen, dass es jetzt eine andere Person ist. Die wirkliche Geschichte ereignete sich auch über einen langen Zeitraum und musste für den Film zusammengefasst werden. Dementsprechend mussten auch Dinge geändert werden. Jetzt basiert es also wirklich nur noch lose auf ihm.

Trotzdem, du hast dich mit ihm getroffen?

Ja, das habe ich. Und er war sehr hilfsbereit. Er hat mir wirklich geholfen, seine Denkweise und die der anderen zu verstehen.

Wie hast du dich auf den Film vorbereitet?

Wir haben fleißig gelernt. Die ganze Besetzung hat dafür gelernt, als wäre es ein Examen: Adam McKay wollte, dass wir imstande sind zu improvisieren: Wir mussten also wirklich verstehen, um was es geht. Wir mussten die Terminologien verstehen und mussten wissen, wie wir sie richtig einsetzten. Er gab uns Zugang zu Finanzexperten und wir gingen auch zur Börse und haben uns mit Finanzanalysten getroffen.

Was war das wichtigste, das du über diese Welt und deren Menschen gelernt hat?

Wall Street wird oft wie so eine Art Monolith dargestellt: Dieses gesichtlose Etwas, das undurchschaubar scheint. Aber du erkennst schnell genug, dass es eigentlich nur aus Menschen besteht, die versuchen Entscheidungen zu treffen – auf der Basis von Informationen, die sie zu dieser Zeit haben. Sie haben bestimmt auch Dinge aus ihrem Privatleben, die so gar nichts mit dem Finanzwesen zu tun haben (lacht). Ein anderer Punkt ist, dass die ganzen Fachausdrücke dich so vor den Kopf stoßen – da stellst du gar keine Fragen mehr. Sie können mit deinem Geld also machen, was sie wollen. Das zu wissen hilft schon. Weil du es verstehen kannst. In dem Film siehst du, dass es eigentlich ganz einfach ist, das alles zu verstehen.

Dein Rolle, Jared Vennett, dient als unser Wegweiser durch diese Welt, indem er die vierte Wand zum Publikum durchbricht und direkt zu uns redet. War das so von Anfang an im Drehbuch?

Es war im Drehbuch (lacht). Weißt du, ich wuchs damit auf, „Saved by the Bell“ (dt. California High School, beliebte US Sitcom, Anm. der Redaktion) zu schauen, wo der Star, Zack Morris, direkt mit dir redet und das jeden Samstagmorgen. Ich wuchs mit diesem Stil auf. Dann also die Chance zu bekommen, sowas selbst zu machen, war ziemlich cool.

Wie war es mit dem Regisseur, Adam McKay, zu arbeiten? Mit seinem Hintergrund Komödien, wirkt er als eine ungewohnte Wahl einen Film wie „The Big Short“ zu inszenieren.

Der interessante Teil allerdings ist, wenn du den Film dann siehst, denkst du nur: Natürlich. Für mich, ist das eher eine natürliche Fortsetzung seiner Arbeit. Es ist schon ein Adam McKay Film.

Das Interview geht auf der nächsten Seite weiter.

Wie war er so am Set?

Ich habe es geliebt, mit ihm zu arbeiten. Und ich kann nicht darauf warten, es nochmal zu machen! Er ist alles, was du von einem Filmemacher erwarten kannst: Er ist informiert, er ist außergewöhnlich schlau, er ist leidenschaftlich und er hat einen unglaublichen Sinn für Humor. Er lässt es nicht zu, dass sein Ärger seine Fähigkeit, Lächerliches oder Absurdes zu erkennen, trübt. Er hat ein großartiges Auge für Charaktere. Und er liebt die Schauspieler.

Wie war es, ein Teil seiner All-Star-Schauspieler zu sein? Hat es dich verbessert?

Absolut. Du willst dein bestes geben, weil du weißt, dass jeder das Gleiche tut. Und auch weil es das Thema verdient.

„The Big Short“ ist auch der zweite Film, bei dem du mit Steve Carell zusammen arbeitest, nach „Crazy, Stupid, Love“ (2011). Wie war es, wieder als Team zu arbeiten?

Ich habe es geliebt. Er ist mit einer meiner Lieblings-Schauspieler. Er ist einer meiner Lieblingsmenschen. Mit ihm in einer Komödie zu arbeiten ist eines der lustigsten Dinge, die du jemals machst. Und dann die Möglichkeit zu bekommen, mit ihm in einem Drama wie diesem zu arbeiten und zu sehen, was für ein unglaublicher Charakterdarsteller er ist… Er wurde dieser Typ, Steve Eisman (die echte Figur, auf dem Carell’s Rolle basiert). An meinem ersten Tag am Drehort, war Eisman mit ihm dort. Ich habe sie also nebeneinander dort stehen sehen. Es ist wirklich beeindruckend, was er dort gemacht hat. Jede Nuance, jede Eigenheit, die Gewichtszunahme – er verwandelte sich wirklich in ihn.

Wie hast du den Look deiner Rolle kreiert? Soweit ich verstehe, trägst du eine Perücke und ein Bräunungsspray?

(Lacht) Wir haben einfach versucht, es nicht sexy zu machen. Nicht diese Welt verherrlichen, oder die Menschen. Wir wollten sie als Menschen zeigen, weißt du. Die Bräune sollte fake aussehen. Die Kleidung sollte so aussehen, als hätten sie sich selbst gestylt, nicht wie ein Oscar-Gewinner-Kostüm.

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Was war dabei die größte Herausforderung für dich?

Ich denke, es war, sich mit den Fachbegriffen vertraut zu machen. Es war wirklich, wie eine neue Sprache zu lernen. Letztendlich wussten wir, dass wir am Set improvisieren konnten. Und mussten. Adam wollte, dass wir jeden Tag improvisieren und brachte uns an den Rand unserer Grenzen.

Wie wurde das umgesetzt, sobald gedreht wurde?

Ich liebte es, wie er arbeitete. Wirklich. Weißt du, er drehte diesen Film in einer Weiße, wie ich noch nie zuvor gearbeitet habe, indem er die Kamera in der Ecke des Raumes platzierte, eine große Linse darauf setzte und niemals die Übertragung checkte. Er hat nie ein Close-up gemacht… Er drehte allein aus der Ecke des Raumes. Du wusstest also nie, ob sie dich filmten oder nicht. Ob du im Film bist oder nicht. Du wusstest nicht, was sie machten. Also hast du einfach die Szene gespielt. Du warst zusammen mit den anderen Schauspielern und ich denke, das brachte das Beste aus uns allen.

Glaubst du, wir haben von den Geschehnissen in 2008 gelernt?

Ich glaube, die Mehrheit der Menschen weiß nicht mal, wie genau das passiert ist. Und ich weiß nicht, wie wir von so etwas, was wir immer noch nicht verstehen, etwas lernen können. Im ersten Schritt müssen wir das also herausfinden. Beides, Michael Lewis Buch und dieser Film, versuchen, genau das zu tun. Ich bin sehr gespant, wie Menschen auf diesen Film reagieren, weil es wirklich ein einzigartiger Film ist. Natürlich, auf eine wirklich lustige und sehr unterhaltsame Art. Aber gleichzeitig, ist er auch sehr informativ, lehrreich und herzzerreißend.

Das Interview mit Ryan Gosling führte Steven Goldman in New York. Übrigens gibt’s „The Big Short“ ab sofort auch als DVD und Blu-Ray!

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