work wise · Arbeitsmarkt 2026

Irrglaube und Selbstüberschätzung: Der Chef kann weg – mein Job bleibt.

Manager hinter rotem Verbotsschild im Büro – Symbol für KI-Ersetzbarkeit von Führungskräften
Business Punk by AI Der Chef kann weg: KI macht Führung obsolet
Erschienen
Lesezeit3 Min · 595 Wörter

Jeder dritte Beschäftigte hält seinen Vorgesetzten für KI-ersetzbar, den eigenen Job aber für sicher. Während in jedem fünften Unternehmen bereits Stellen wegfallen, herrscht erschreckende Selbstüberschätzung im deutschen Büroalltag.

Die deutschen Arbeitnehmer haben ein Problem – nur merken sie es nicht. 29 Prozent trauen einer KI zu, ihren Chef zu ersetzen. Die eigene Stelle? Die sehen nur 23 Prozent in Gefahr, wie eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt. Diese sechs Prozentpunkte Differenz offenbaren eine gefährliche Illusion: Führung ist automatisierbar, die eigene Excel-Arbeit aber nicht? Die Realität sieht anders aus.

In jedem fünften deutschen Unternehmen werden bereits Stellen wegen KI nicht mehr nachbesetzt oder komplett gestrichen [Bitkom]. Während Angestellte noch über ihre vermeintlich unersetzbare Fachkompetenz philosophieren, verschwinden ihre Arbeitsplätze leise durch die Hintertür. Die KI-Nutzung am Arbeitsplatz hat sich binnen eines Jahres von 19 auf 38 Prozent verdoppelt [McKinsey HR-Monitor 2026]. Tendenz: rasant steigend.

Die Schulungslücke wird zum Karrierekiller

Besonders perfide: Unternehmen rüsten auf, ohne ihre Leute mitzunehmen. Zwar haben 38 Prozent der Erwerbstätigen Zugriff auf KI-Tools, aber nur 27 Prozent nutzen sie aktiv, wie heise berichtet. Weitere elf Prozent ignorieren den Zugang komplett – ein Luxus, den sie sich nicht mehr lange leisten können. Die Hälfte der Unternehmen sieht hohen Qualifizierungsbedarf, aber nur jeder zweite Großkonzern bietet KI-Schulungen an. Bei kleinen Betrieben sind es magere 21 Prozent laut TÜV-Verband.

Die Botschaft ist klar: Wer sich nicht selbst kümmert, bleibt zurück. Der Arbeitgeber wird es nicht richten. Susanne Dehmel vom Bitkom verkauft das Ganze als demografische Notwendigkeit: „KI wird eine Antwort auf die sich abzeichnende Arbeitskräftelücke sein“, sagte sie laut heise. Übersetzt heißt das: Weniger Menschen, mehr Maschinen. Dass die Politik und Unternehmen die Gesellschaft „gezielt qualifizieren“ müssten, klingt gut – passiert aber nicht im nötigen Tempo.

Business Punk Check

Die Umfrage entlarvt einen kollektiven Realitätsverlust. Wer glaubt, die KI ersetze nur den Chef, nicht aber den eigenen Job, hat das Prinzip der Automatisierung nicht verstanden. Führungsaufgaben mögen komplex erscheinen, aber sie folgen Mustern – genau wie Sachbearbeitung, Reporting oder Kundenkommunikation. Der Unterschied: Der Chef sitzt in Gremien, die über KI-Budgets entscheiden. Der normale Angestellte nicht.

Die wahre Gefahr liegt nicht in der Technologie, sondern in der Passivität. 31 Prozent haben keinen Zugang zu KI-Tools, weitere 26 Prozent wissen es nicht einmal. Wer heute nicht aktiv KI-Skills aufbaut, wird morgen nicht ersetzt – er wird einfach irrelevant. Die gute Nachricht: ChatGPT, Claude und Co. sind frei verfügbar. Wer darauf wartet, dass der Arbeitgeber ihn qualifiziert, hat bereits verloren. Die KI kommt nicht – sie ist längst da.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Beschäftigte halten ihren Chef für durch KI ersetzbar?

29 Prozent der Beschäftigten trauen einer KI zu, die Aufgaben ihres Vorgesetzten zu übernehmen. Die eigene Position sehen hingegen nur 23 Prozent als gefährdet – ein Zeichen für selektive Wahrnehmung der KI-Bedrohung.

Werden bereits Stellen wegen KI abgebaut?

Ja, in 22 Prozent der deutschen Unternehmen werden Stellen wegen KI nicht mehr nachbesetzt oder aktiv abgebaut. Die Automatisierung ist keine Zukunftsvision, sondern bereits Realität im deutschen Arbeitsmarkt.

Wie viele Unternehmen bieten KI-Schulungen an?

Nur 49 Prozent der Großunternehmen und lediglich 21 Prozent der kleinen Betriebe haben KI-Schulungen angeboten. Die Qualifizierungslücke wird zum Problem, während die KI-Nutzung sich innerhalb eines Jahres verdoppelt hat.

Haben Arbeitnehmer Zugang zu KI-Tools?

38 Prozent der Erwerbstätigen haben über ihren Arbeitgeber Zugang zu KI-Anwendungen, aber nur 27 Prozent nutzen diese aktiv. 31 Prozent haben keinen Zugang, weitere 26 Prozent wissen nicht, ob ihr Unternehmen KI bereitstellt.

Quellen: heise, Bitkom Research, McKinsey HR-Monitor 2026, TÜV-Verband Forsa-Umfrage

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.