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Jeden Tag ein Bild der ganzen Erdoberfläche: Satellitenfirma Planet jetzt an der New Yorker Börse

Jeden Tag ein Bild der ganzen Erdoberfläche: Satellitenfirma Planet jetzt an der New Yorker Börse
Planet Labs CC-BY-NC 2.0
Erschienen
Lesezeit3 Min · 607 Wörter

Sie sind kaum größer als Schuhkartons, aber trotzdem ein ausgesprochen mächtiges Werkzeug: Über 180 dieser Satelliten umkreisen die Erde und fotografieren jeden Winkel unseres Planeten Tag für Tag.

Besitzer dieser Satelliten namens „Dove“ ist das US-Unternehmen Planet. Seit heute wird Planet an der New Yorker Börse gehandelt. Dafür nutzte die Firma den Weg einer Fusion mit einem sogenannten SPAC, einer „special purpose acquisition company“.

Tel Aviv
Foto: Planet Labs CC-BY-NC 2.0

Dieser Fusionspartner, dMY Technology Group, war schon vorher am NYSE gelistet. Die neu entstandene Firma wird Planet Labs PBC heißen.

PBC steht dafür für „Public Benefit Corporation“. Das bedeutet, dass sich das Unternehmen ein Ziel vorgibt, das neben den Interessen der Anteilseigner:innen in die Strategie einbezogen werden muss.

Das Ziel, oder der „purpose“, von Planet ist Chief Strategy Officer Robbie Schingler zufolge „die Entwicklung der Menschheit in Richtung einer nachhaltigeren, sicheren und prosperierenden Welt zu beschleunigen, indem man Veränderungen der Umwelt und der Gesellschaft beleuchtet.“

Feuer am Kilimandscharo
Foto: Planet Labs CC-BY-NC 2.0

Dieses Ziel werde bei einer Benefit-Corporation „in die Firmen-DNA codiert, sodass die Führungsebene gezwungen sei, nicht nur die Stockholder-Interessen zu berücksichtigen, sondern auch die anderer, auf die sich die Handlungen des Unternehmens auswirkten“, so Schingler.

Der ehemalige NASA-Mitarbeiter gründete Planet gemeinsam mit dem heutigen CEO Will Marshall, der ebenfalls bei der NASA tätig war. Das Modell der PBC wird sich bei einer so mächtigen und potenziell gefährlichen Technologie bewähren müssen, um einen Missbrauch der Daten zu verhindern.

Satellitenüberwachung wird auch für militärische und geheimdienstliche Zwecke eingesetzt. Was mit eigentlich geheimgehaltener US-Technologie möglich ist, zeigte ein Tweet des früheren US-Präsidenten Donald Trump von 2019.

Seite 2: Trumps Satelliten-Tweet

Auf der Aufnahme einer iranischen Raketenbasis sind Details zu erkennen, die in kommerziell verfügbaren Satellitenbildern nur undeutlich erscheinen.

Derzeit ist die Ausflösung der Planet-Satelliten nicht hoch genug um einzelne Menschen erkennen zu können. Neben den Dove-Satelliten betreibt Planet noch weitere Flotten, die auf andere Aufgaben ausgelegt sind.

Eine Dronenbasis in Niger
Foto: Planet Labs CC-BY-NC 2.0

Bereits im Jahr 2023 sollen mit „Pelican“ weitere Satelliten starten. Sie werden höhere Auflösung bieten, schneller auf Befehle von der Erde reagieren können und einen Ort bis zu zehn-mal täglich fotografieren können.

„Der Weltraum erlebt eine Renaissance“, so Schingler weiter gegenüber Business Punk. „Wir alle haben von den neuen Raketen von SpaceX gehört und von den suborbitalen Trips der Milliardäre, aber die echt Renaissance liegt in den Daten, die wir aus dem Weltraum sammeln können, und wie wir sie hier auf der Erde nutzen.“

-> Seite 3: Was plant Planet jetzt?

Planet betreibe derzeit etwa 200 Satelliten und erziele jährliche Einkünfte von 100 Millionen Dollar. In den kommenden Jahren wolle man neue Kund:innen gewinnen und die Daten breiter zugänglich machen, erklärt Robbie Schingler. „Planet zielt auf neue Märkte wie Versicherung, Rohstoffe und Finanzen ab.“

Washington DC
Foto: Planet Labs CC-BY-NC 2.0

Sein Unternehmen biete nie zuvor gekannte Datensets. Das ermögliche „schnelle, datengestützte Entscheidungen für globale Transparenz und Nachhaltigkeit.“ Schingler erwartet weiteres Wachstum.

„Wir sehen eine sehr nahe Zukunft, in der Wandel auf der Erde täglich erfasst und katalogisiert wird, um für Entscheidungen zugänglich zu sein – ähnlich wie Google das Internet katalogisiert hat.“

Feuer in der Nähe von Tschernobyl
Foto: Planet Labs CC-BY-NC-2.0

Google besitzt selbst Anteile an Planet. 2017 hatte Planet die Google-Satelliten-Tochter Terra Bella übernommen. Die Berliner Firma BlackBridge mit ihrer Satellitenflotte RapidEye kaufte Planet 2015.

Zwar sind die RapidEye-Satelliten mittlerweile nicht mehr im Einsatz, aber das Berliner Kontrollzentrum arbeitet weiter. Seit heute für einen NYSE-gelisteten Konzern.

Jonas Bickelmann