Jump, jump a little higher…
Erfolgreiche Gründer? Stammen oft von Eliteuniversitäten, machen Praktika bei großen Tech-Unternehmen oder werkeln in der Berliner Startup-Szene. Geht aber auch anders: Johannes Ostwald, Geschäftsführer von Solar Süddeutschland legte per Azubi los. Hier sagt er, wie man Dank einer Handwerk-Ausbildung den persönlichen Job-Turbo startet.
Gastbeitrag von Johannes Ostwald
Es herrscht der Eindruck vor, dass nur ein akademischer Spitzenabschluss den Weg ins Unternehmertum ebnet.
Doch was ist mit denen, die lieber selbst anpacken, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen etwas bewegen? Karriere und handwerkliches Geschick schließen sich nicht aus. Der Weg zum eigenen Unternehmen kann anders verlaufen als an der Business School, aber oft genauso erfolgreich. Ich habe selbst erlebt, wie aus praktischer Erfahrung eine unternehmerische Erfolgsgeschichte wurde.
Lasst euch nix einreden
Meine Reise in die Unternehmensführung begann per handwerklicher Ausbildung. Dass ich heute Solar Süddeutschland leite und mit meinem Team in Rekordzeit Solaranlagen und Wärmepumpen installiere, war für viele nicht absehbar. Für mich schon.
Geradlinig und zielorientiert arbeiten, ohne unnötige Umwege – das war von früh an meine Stärke. Erst in der Schule, danach während meiner Ausbildung zum Industriemechaniker. Danach folgten Jahre in der Versicherungsbranche. Klingt nach einem Umweg, erwies sich aber letztlich für mich als Königsweg mit „Aha“-Erlebnis. Denn während dieser Zeit kam ich näher in Kontakt mit Immobilien – und erkannte neben all den Renditechancen, die dieser Markt bietet, vor allem das große Nachholpotenzial in Sachen energetische Ausstattung. Der Großteil der deutschen Ein- oder Zweifamilienhäuser wird noch mit veralteten Gas- oder Ölheizungen betrieben, die viel Energie verschwenden und dem Klima schaden. Die Finanzierung von Immobilien mit Fokus auf Energieeffizienz, einen geringeren Wärmeverbrauch und Einsatz von Photovoltaik – plötzlich fand ich mich in einer Welt wieder, die mir viel mehr lag als all das, was ich vorher gemacht hatte. Ich hatte meine Berufung gefunden. Meine Idee war einfach, aber wirksam: Solaranlagen schneller und effizienter umsetzen als alle anderen.
Weiterbildung? Aber sicher
Für mich war klar, dass ich, um in der Solarbranche wirklich durchzustarten, nicht nur lernen musste, sondern mein Handwerk verstehen wollte. Also habe ich, statt mich auf mein altes Wissen zu verlassen, mit Handwerkern gesprochen, mir Wissen angeeignet, und mich kontinuierlich weitergebildet. In der Solarbranche lernt man nie aus – und genau das ist das, was mich antreibt.
2024 erhielten Quereinsteiger die Möglichkeit, neben Branchenexperten wie Bauingenieuren und Architekten eine Ausbildung zum Energieeffizienz-Experten zu absolvieren. Für mich war sofort klar: Diese Chance muss ich ergreifen.
Lass dich von Absagen nie entmutigen
Woher hattest du das Geld für die Gründung? Das ist eine der häufigsten Fragen an Gründerinnen und Gründer. Und auch ich höre sie immer wieder. Zugegeben: Der Weg zu meinem Startkapital war steinig, wie in vielen Fällen. Gerade im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld schauen Banker noch genauer hin, finden Haare in der Suppe, die sonst niemand sieht. Auch meine Hausbank, die Sparkasse, hatte trotz bereits guten Eigenkapitalpolsters für meinen Businessplan nur ein müdes Lächeln parat.
Darüber kann ich rückblickend nur lächeln: Bei der Spar- und Kreditbank Bühlertal fand ich schließlich einen Banker, der meine Vision verstand. 250.000 Euro Darlehen und eine Eigenkapitalquote von 150.000 Euro gaben mir die Freiheit, endlich das zu tun, was ich mir immer vorgestellt hatte. Merksatz: Tür zu, dann tritt einfach die nächste auf!
Mach, was du gut kannst. Und brenn´ dafür!
Wenn ich eines in meiner Zeit als Unternehmer gelernt habe, dann ist es das: Verantwortung übernehmen, Teamgeist leben und nicht immer den „einfachen“ Weg suchen. Das bedeutet, dass ich als Chef vorangehe, das Team motiviere, mitreiße und gemeinsam an der unternehmerischen Vision feile. Vorbild heißt? Präsent sein. Nach 17 Uhr trefft ihr mich immer noch im Büro – und häufig auch noch nach 19 Uhr und an manchem Wochenende. Und nix da mit dem Golfplatz. Heute arbeiten 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei mir. Unser Lager ist 600 Quadratmeter groß. Wir installieren Solaranlagen und Wärmepumpen im Rekordtempo und haben das erreicht, was mir viele am Anfang ob des sehr ungewöhnlichen Karrierepfads nicht zutrauten. Viele Wege führen zum Ziel – habt keine Angst vor unbetretenen Pfaden. Es könnten die besten für euch sein.
Fazit: Das Handwerk als Fundament für mehr
Ich weiß, dass der Weg, den ich ging, nicht der Klassiker war. Aber gerade das ist es, was mir Spaß macht. Ich bin davon überzeugt, dass eine handwerkliche Ausbildung das perfekte Fundament für eine Selbstständigkeit sein kann – und dass man nicht immer den akademischen Weg gehen muss, um Erfolg zu haben. Meine Empfehlung? Nutze dein Handwerk als Sprungbrett, bilde dich weiter, höre auf deine Intuition. Und wenn dir die Banker oder jemand anderes sagt, dass es nicht geht – mach es trotzdem! Zu guter Letzt: Der Weg ist nicht nur das Ziel. Es kommt darauf an, wie du gehst – und mit wem.