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Kampf um Influencer: Facebook lockt mit Geld

Kampf um Influencer: Facebook lockt mit Geld
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Lesezeit2 Min · 417 Wörter

Facebook greift nach den Stars der Creator-Szene. Mit einem neuen Programm will die Plattform gezielt Influencer von TikTok und YouTube abwerben. Geld, Reichweite und weniger Einstiegshürden sollen den Wechsel besonders attraktiv machen.

Schneller Einstieg mit Geldgarantie

Mit dem neuen Programm „Creator Fast Track“ setzt Facebook auf einen direkten Anreiz: Creator erhalten garantierte Einnahmen und zusätzliche Reichweite, ohne sich mühsam eine neue Community aufbauen zu müssen. Wer bereits auf anderen Plattformen erfolgreich ist, kann diesen Vorteil direkt mitbringen. Konkret bedeutet das: Creator mit mindestens 100.000 Followern auf Instagram, TikTok oder YouTube bekommen 1.000 US-Dollar pro Monat. Wer über eine Million Follower hat, erhält sogar 3.000 US-Dollar monatlich – zunächst für drei Monate.

Reichweite statt Neustart

Ein zentrales Problem beim Plattformwechsel ist normalerweise der Neustart bei null. Genau hier setzt Facebook an: Inhalte, insbesondere Reels, werden aktiv gepusht, um schneller neue Follower zu gewinnen. Selbst wenn der Community-Aufbau länger dauert, will Facebook weiter unterstützen. Zwar endet die garantierte Bezahlung nach drei Monaten, doch die algorithmische Reichweitenhilfe bleibt bestehen, bis Creator ihr Publikum gefunden haben.

Alte Inhalte, neue Chancen: Milliarden für Creator

Interessant ist auch: Creator müssen nicht zwingend neue Inhalte produzieren. Auch bereits veröffentlichte Videos können genutzt werden. Das senkt die Einstiegshürde deutlich, denn erfolgreiche Inhalte aus der Vergangenheit lassen sich einfach erneut verwerten und monetarisieren. Facebook betont, wie ernst es das Geschäft mit Creatorn nimmt: 2025 wurden insgesamt rund 3 Milliarden US-Dollar ausgeschüttet – ein Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark wächst das Kurzvideo-Format: 60 Prozent der Auszahlungen entfallen inzwischen auf Reels. Der Rest verteilt sich auf Stories, Fotos und klassische Posts.

Neue Metriken für mehr Transparenz

Zusätzlich führt Facebook neue Kennzahlen ein, damit Creator ihre Einnahmen besser verstehen können. Die „Qualified Views“ zeigen, welche Aufrufe tatsächlich monetarisierbar sind. Kurz angeschaut und sofort weggewischt? Dann zählt der View nicht. Die „Earnings Rate“ gibt an, wie viel Geld pro 1.000 qualifizierten Views verdient wird. Ergänzend erklärt die Kennzahl „Non-Qualified Views“, warum bestimmte Aufrufe nicht vergütet werden – und wie sich das verbessern lässt.

Angriff auf die Konkurrenz

Mit dem neuen Programm macht Facebook klar, dass es im Wettbewerb um Creator offensiv mitspielt. Statt nur auf organisches Wachstum zu setzen, wird gezielt investiert – in Geld, Sichtbarkeit und niedrigere Einstiegshürden. Für etablierte Creator könnte das ein lukratives Angebot sein. Für TikTok und YouTube bedeutet es vor allem eins: mehr Konkurrenz um die wichtigsten Köpfe der Szene.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.