work wise · Arbeitsrecht

Darf der Chef einfach meine Arbeitszeit einfach so anpassen?

Kann mein Chef die Arbeitszeit ändern?
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Was das Arbeitsrecht zu flexiblen Arbeitszeiten regelt und wann der Arbeitsvertrag wichtiger ist als das Chefwort.

Der klassische Nine-to-Five-Job ist in vielen Branchen noch immer die Norm. Doch was passiert, wenn der Chef plötzlich frühere oder spätere Arbeitszeiten anordnet? Ist das überhaupt rechtens? Diese Frage beschäftigt viele Arbeitnehmer und sorgt nicht selten für Verwirrung. Ein Blick ins Arbeitsrecht kann hier Licht ins Dunkel bringen.

Das Weisungsrecht des Arbeitgebers

In der Arbeitswelt gibt es ein wichtiges Instrument, das als Direktions- oder Weisungsrecht bekannt ist. Dieses Recht erlaubt es dem Arbeitgeber, die genauen Arbeitszeiten festzulegen. Wie Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht, gegenüber „Frankfurter Rundschau“ erklärt, ist dieses Recht in Paragraf 106 der Gewerbeordnung verankert. Es gibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, die Arbeitszeiten nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Doch wie weit reicht dieses Recht wirklich?

Einfach die Arbeitszeiten ändern, ohne Rücksicht auf Verluste? So einfach ist es nicht. Oberthür erklärt, dass der Arbeitgeber „billiges Ermessen wahren“ muss. Der Chef muss also darauf achten, dass der Arbeitnehmer sein Privatleben und seine Interessen mit seinem Beruf unter einen Hut bekommt. Er muss also Dinge wie Kinderbetreuung oder andere Verantwortungen berücksichtigen.

Hierbei handelt es sich um einen Balanceakt zwischen den Bedürfnissen des Unternehmens und der Belegschaft.

In Betrieben mit einem Betriebsrat kommt eine weitere Komponente ins Spiel. Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei der Festlegung der Arbeitszeiten. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber nicht im Alleingang entscheiden kann, wann die Mitarbeiter ihre Arbeit zu verrichten haben. Der Betriebsrat dient als Stimme der Arbeitnehmer und sorgt dafür, dass deren Interessen gewahrt bleiben.

Arbeitsvertrag vs. Weisungsrecht

Der Arbeitsvertrag ist das Herzstück jeder Anstellung. Er legt die Rahmenbedingungen fest, die für beide Parteien bindend sind. Ist die Arbeitszeit im Vertrag klar definiert, hat das Weisungsrecht des Arbeitgebers keine Macht. Arbeitnehmer müssen sich dann nicht auf spontane Änderungen einlassen. Besonders für Teilzeitkräfte ist der Vertrag entscheidend, da er die Arbeitstage klar vorgibt.

Die Frage, ob der Arbeitgeber die Arbeitszeiten ändern darf, ist komplex. Es hängt von vielen Faktoren ab, darunter das Weisungsrecht, das billige Ermessen und der Arbeitsvertrag. Arbeitnehmer sollten sich ihrer Rechte bewusst sein und im Zweifel rechtlichen Rat einholen. Ein gut informierter Mitarbeiter ist der beste Schutz gegen unfaire Arbeitsbedingungen.

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.