AnlagePunk · Bafin

KI-Hype, Dollar, Schulden: BaFin sieht den großen Knall kommen

Raisin im Fokus der Bafin
Shutterstock
Erschienen
Lesezeit5 Min · 1.004 Wörter

Deutschlands oberster Finanzaufseher Mark Branson schlägt Alarm: KI-Hype, US-Verschuldung und Dollar-Risiken – die Märkte blenden Gefahren aus. Seine Prognose ist eindeutig.

Mark Branson ist nicht für Panik bekannt. Der BaFin-Präsident gilt als nüchterner Schweizer, der seine Worte abwägt. Umso bemerkenswerter, was er Ende Januar 2026 auf einer Pressekonferenz in Frankfurt sagte: „Wenn es so weitergeht, dann muss es irgendwann knallen.“ Keine vage Warnung, sondern eine klare Ansage. Die Finanzmärkte feiern trotz geopolitischer Verwerfungen Rekorde, der DAX kratzt an der 25.000er-Marke, Gold kostet erstmals über 5.300 Dollar. Und genau das macht Branson nervös.

Die Rechnung ist simpel: Handelskonflikte eskalieren, Staatsschulden explodieren, die Unabhängigkeit der US-Notenbank wackelt – aber die Risikoaufschläge an den Anleihemärkten sinken. Das passt nicht zusammen. Entweder haben die Märkte recht und alle Sorgen sind übertrieben. Oder Anleger, Banken und Versicherer verdrängen gerade massiv Risiken. Branson tippt auf Letzteres.

Der KI-Boom als Zeitbombe

Technologieaktien auf Rekordniveau, Rechenzentren und Stromversorger im Höhenflug – der KI-Hype treibt die Bewertungen in schwindelerregende Höhen. Doch was, wenn die Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz hinter den Erwartungen zurückbleiben? Branson sieht „Enttäuschungspotential“. Die Investitionen in KI sind gigantisch, die Renditen bisher überschaubar. Meta, Microsoft und Tesla müssen bei ihren Quartalszahlen erklären, wann sich die Milliarden auszahlen. Die Geduld der Investoren ist endlich.

Die Parallelen zur Dotcom-Blase drängen sich auf. Damals wie heute: Technologie-Euphorie, astronomische Bewertungen, die Überzeugung, dass diesmal alles anders ist. Spoiler: War es nicht. Der Unterschied zu 2000: Diesmal hängen nicht nur Privatanleger drin, sondern ganze Volkswirtschaften.

Dollar-Abhängigkeit wird zum Problem

Europas Großbanken refinanzieren sich zu großen Teilen in Dollar. Funktioniert, solange die US-Notenbank Fed als stabiler Anker gilt und in Krisen Dollar-Liquidität bereitstellt. Doch Branson warnt: Die wiederholten Attacken von Donald Trump auf Fed-Chef Jerome Powell untergraben das Vertrauen. Die Unabhängigkeit der Fed – jahrzehntelang das Fundament der Dollar-Stärke – steht zur Disposition.

„Die Märkte könnten die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung infrage stellen“, so Branson. Historisch sei die USA immer der Stabilitätsanker in Finanzkrisen gewesen. Aber was, wenn nicht mehr? Die BaFin fordert deutsche Banken auf, ihre Refinanzierungs-Profile in jeder Währung genau zu kennen. Im Klartext: Bereitet euch auf den Ernstfall vor.

Die Deglobalisierung schreitet voran. Swap-Linien der Fed, über die in Krisen Dollar bereitgestellt werden, funktionieren bisher. Eine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt es nicht. Branson formuliert vorsichtig: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie es nicht tun werde.“ Das ist keine Garantie.

Immobilienfonds und Schattenbanken

Wenigstens eine gute Nachricht: Der Wohnimmobilienmarkt in Deutschland hat sich normalisiert. Moderate Preissteigerungen, solide Kreditvergabe. Gewerbeimmobilien bleiben dagegen fragil. Büros und Shopping-Center kämpfen mit strukturellen Problemen. Offene Immobilienfonds verlieren massiv Mittel, kleinere Fonds müssen schließen. Der Fall Wertgrund zeigt: Wenn die Liquidität fehlt, können Anleger nicht mehr raus.

Branson kritisiert die Regulierung scharf. Immobilienfonds würden als schwankungsarme Anlage verkauft, obwohl sie illiquide Assets enthalten. „Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand.“ Banken und Sparkassen stufen sie in niedrige Risikokategorien ein – trotz anhängiger Rechtsverfahren bis zum Europäischen Gerichtshof.

Noch größer ist die Sorge um Private Credit. Kreditfonds wachsen rasant, weil sie weniger reguliert sind als Banken. J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon hat das öffentlich gesagt – und Branson nimmt ihn ernst. Der Schattenbankensektor ist eng mit regulären Banken vernetzt. Die Insolvenz des US-Autozulieferers First Brand löste Kreditausfälle bei Regionalbanken aus. Das Muster ist bekannt, die Lehren daraus fehlen.

Stablecoins als neue Gefahr

Tether und Circle versprechen einen stabilen, an den Dollar gekoppelten Wert. Dafür halten sie Reserven in US-Staatsanleihen. Klingt solide, birgt aber Risiken. In einer Krise könnten Stablecoin-Anbieter gezwungen sein, massiv US-Anleihen zu verkaufen. Das würde die Märkte zusätzlich unter Druck setzen. Die Regulierung hinkt der Entwicklung hinterher.

Branson fordert, aus vergangenen Krisen zu lernen. Nach den Verwerfungen 2022 durch den starken Zinsanstieg gebe es noch keine globalen Schlüsse. Dabei stellen sich längst neue Fragen. Die Insolvenzzahlen in Deutschland sind 2025 gegenüber 2023 um über 30 Prozent gestiegen. Viele Banken sehen noch keine konkreten Kreditausfälle, sind aber profitabel genug, um jetzt vorzusorgen. Branson ermuntert Wirtschaftsprüfer, höhere Risikovorsorge zuzulassen.

Die Warnung ist klar: Die Mischung aus geopolitischen Unsicherheiten, hoher Verschuldung, KI-Hype und Schattenbanken-Wachstum ist explosiv. Wann es knallt, weiß niemand. Dass es knallt, davon ist Branson überzeugt.

Business Punk Check

Branson sagt laut, was viele denken: Die Märkte leben in einer Fantasiewelt. Während Trump die Fed attackiert, Handelskriege eskalieren und Staatsschulden explodieren, steigen die Kurse. Das ist keine rationale Bewertung, sondern Verdrängung. Wer profitiert? Kurzfristig alle, die investiert sind. Banken kassieren Gebühren, Fondsmanager Boni, Privatanleger fühlen sich reich. Wer verliert? Alle, die im Crash drin bleiben.

Die BaFin kann warnen, verhindern kann sie nichts. Immobilienfonds zeigen bereits, wie schnell Liquidität verschwindet. Private Credit wächst unkontrolliert, Stablecoins sind regulatorisches Niemandsland. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Korrektur kommt. Bransons Timing ist politisch klug: Wenn es knallt, kann niemand sagen, er hätte nicht gewarnt. Die eigentliche Frage: Warum ändert sich nichts, obwohl alle Warnsignale blinken? Weil in der Euphorie niemand der Spielverderber sein will. Bis es zu spät ist.

Häufig gestellte Fragen

Warum warnt die BaFin gerade jetzt vor einem Crash?

Die Diskrepanz zwischen steigenden Risiken und sinkenden Risikoaufschlägen ist extrem. Geopolitische Spannungen, hohe Staatsverschuldung und KI-Überbewertungen werden ausgeblendet. Branson sieht eine gefährliche Mischung, die historisch immer zu Korrekturen führte.

Sind deutsche Banken auf eine Dollar-Krise vorbereitet?

Die BaFin fordert Banken auf, ihre Refinanzierungs-Profile genau zu kennen. Bisher gibt es keine akuten Probleme, aber die Abhängigkeit von Dollar-Liquidität ist hoch. Wenn die Fed in einer Krise nicht wie gewohnt Dollar bereitstellt, wird es eng.

Sollte man jetzt aus Immobilienfonds aussteigen?

Wohnimmobilienfonds haben sich stabilisiert, Gewerbeimmobilien bleiben problematisch. Branson zeigt Verständnis für Mittelabflüsse – es gibt bessere Renditechancen. Kleinere Fonds könnten schließen müssen, größere haben mehr Spielraum beim Verkauf von Objekten.

Quellen: BaFin, Tagesschau, Manager Magazin

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.