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KI-Jobs: Arbeitsagentur widerspricht der Panik-Prognose

Büroarbeiter unter Kamera-Überwachung, leere Stühle im Vordergrund symbolisieren Job-Verlust durch KI
Business Punk by KI KI frisst Jobs – und Gewerkschafter fordern die 32-Stunden-Woche
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Die Bundesagentur für Arbeit sieht IT-Jobs trotz KI-Disruption als sicher an. Während das Ifo-Institut warnt, dass jedes fünfte Unternehmen Fachkräfte durch KI ersetzen will, bleibt die Behörde gelassen.

Die Bundesagentur für Arbeit gibt Entwarnung: IT-Jobs bleiben auch im KI-Zeitalter sicher. Markus Behrens, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, hält düstere Prognosen für übertrieben. Während Einsteigeraufgaben künftig zwar vermehrt von Algorithmen übernommen werden könnten, entstünden parallel neue Tätigkeitsfelder. Die Digitalisierung durchdringe alle Branchen – und genau das sichere langfristig Jobs in der IT-Branche. „Aber es werden auch andere Jobs entstehen, die vielleicht KI nicht in dem Maße nutzen werden“, so Behrens im Gespräch mit der dpa.

Ifo-Studie zeigt radikale Ersetzungspläne

Das Ifo-Institut zeichnet allerdings ein anderes Bild: 19,2 Prozent der deutschen Unternehmen halten es für machbar, akademische Fachkräfte durch ungelernte Mitarbeiter mit KI-Unterstützung zu ersetzen. Die Forscherin Anna Ruffert formuliert es diplomatisch: KI könne formale Qualifikationen teilweise ersetzen. Übersetzt heißt das: Unternehmen planen, teure Hochschulabsolventen durch günstigere Arbeitskräfte mit Software-Support auszutauschen. „KI verändert die Arbeitswelt und kann in manchen Bereichen auch formale Qualifikationen und Erfahrungen teilweise ersetzen“, bringt es Ruffert auf den Punkt

Arbeitsagentur nutzt selbst 23 KI-Tools

Die Bundesagentur praktiziert bereits, was sie predigt. 23 KI-Anwendungen laufen intern – von der Matching-Software für Stellenangebote bis zur Event-Organisation. Behrens betont, es gehe nicht um Jobabbau, sondern um Arbeitserleichterung. Die Tools prüfen beispielsweise, ob Arbeitssuchende zu offenen Positionen passen. Ein klassischer Use Case für Automatisierung: repetitive Aufgaben verschwinden, strategische Tätigkeiten bleiben.

Digitalisierung als Job-Motor statt Killer

Die zentrale These der Arbeitsagentur: Digitalisierung vernichtet keine Jobs, sondern verschiebt sie. Während einfache Tätigkeiten wegfallen, entstehen komplexere Rollen. Behrens gibt zu, dass niemand die KI-Auswirkungen abschließend vorhersagen könne: „Die Potenziale und die tatsächlichen Auswirkungen der KI können wir noch gar nicht abschließend beschreiben“, sagte er. Diese Ehrlichkeit unterscheidet seine Einschätzung von den üblichen Tech-Prognosen – sowohl von den Untergangspropheten als auch von den blinden Optimisten.

Business Punk Check

Die Wahrheit liegt zwischen Panik und Schönfärberei. Die Arbeitsagentur hat recht: IT-Jobs verschwinden nicht komplett. Aber sie verschweigt, dass sich Jobprofile radikal wandeln. Wer heute noch manuelle Tests schreibt oder Standard-Code produziert, sollte nervös werden. Die Ifo-Studie entlarvt die Fantasien vieler Unternehmen: 19,2 Prozent glauben an den billigen KI-Ersatz – die meisten werden scheitern, weil sie Komplexität unterschätzen. Die 23 KI-Tools der Bundesagentur zeigen die Realität: Automatisierung frisst repetitive Aufgaben, strategische Tätigkeiten bleiben menschlich.

Das Problem? Viele IT-Einsteiger stecken genau in diesen gefährdeten Rollen fest. Die Lösung ist unbequem: radikale Weiterbildung statt Verdrängung. Wer KI-Architektur, Prompt Engineering oder Datenethik beherrscht, bleibt gefragt. Wer auf alte Skills setzt, wird ersetzbar. Behrens‘ Ehrlichkeit ist erfrischend: Niemand kann die KI-Auswirkungen präzise vorhersagen. Diese Unsicherheit erfordert Agilität statt Sicherheitsdenken. Early Adopters investieren jetzt in KI-Kompetenz und sichern sich Marktvorteile. Abwarten ist keine Strategie – es ist Selbstaufgabe.

Quellen: Heise, Golem

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.