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Klimafreundlich & günstiger: Warum E-Autos Verbrenner alt aussehen lassen

Elektroautos sind nicht nur klimafreundlich, sondern auch wirtschaftlich.
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Wissenschaftliche Analysen des Fraunhofer ISI räumen mit Elektroauto-Mythen auf: 40-50% weniger CO₂-Ausstoß, wirtschaftlicher Betrieb und geringe Brandgefahr sprechen für die Stromer. Die Fakten im Check.

Die Debatte um Elektroautos wird oft emotional geführt. Während Kritiker gerne auf hohe Anschaffungskosten, angeblich schlechte Umweltbilanzen und praktische Einschränkungen verweisen, zeichnet die Wissenschaft ein anderes Bild. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat nun in einem umfassenden Policy Brief den aktuellen Forschungsstand zu Elektrofahrzeugen zusammengefasst. Das Ergebnis von mehr als 70 ausgewerteten Studien ist eindeutig: Die E-Mobile schneiden in fast allen relevanten Bereichen besser ab als ihre Verbrenner-Pendants.

Klimabilanz: Stromer deutlich besser als ihr Ruf

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ein modernes Elektroauto der Mittelklasse verursacht über seinen gesamten Lebenszyklus 40 bis 50 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als ein vergleichbarer Verbrenner. Zwar entstehen bei der Produktion – insbesondere durch die Batteriefertigung – zunächst 60 bis 130 Prozent mehr Emissionen, doch dieser „ökologische Rucksack“ wird während der Nutzungsphase mehr als kompensiert.

Bezüglich der Skepsis gegenüber Elektroautos erklärt Professor Martin Wietschel, Leiter der Abteilung Energietechnologien und Energiesysteme am Fraunhofer ISI in einem ZDF-Bericht: „Viele Gründe dafür können wir aus wissenschaftlicher Perspektive aber nicht nachvollziehen.“

Besonders interessant: Mit fortschreitender Energiewende verbessert sich die Klimabilanz von E-Autos automatisch weiter. Jedes bereits produzierte Elektrofahrzeug profitiert vom steigenden Anteil erneuerbarer Energien im Strommix – ein systemischer Vorteil, den Verbrenner nicht bieten können.

Die Studie verschweigt allerdings nicht, dass es Ausnahmen gibt: Schwere E-SUVs mit überdimensionierten Batterien, die selten gefahren und ausschließlich mit dem aktuellen deutschen Strommix geladen werden, bieten kaum Klimavorteile gegenüber Verbrennern.

Wirtschaftlichkeit: Die Gesamtrechnung zählt

Der höhere Anschaffungspreis von Elektroautos schreckt viele potenzielle Käufer ab. Doch die Gesamtkostenrechnung sieht anders aus. „Schon heute kann ein Elektroauto günstiger sein als ein Verbrenner, wenn Sie auf die kompletten Kosten schauen – nicht nur auf den in der Regel höheren Anschaffungspreis“, betont Wietschel.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass E-Fahrzeuge bei durchschnittlicher Fahrleistung bereits nach drei Jahren Haltedauer wirtschaftlicher sein können als vergleichbare Verbrenner – vorausgesetzt, man verfügt über eine Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz. Die niedrigeren laufenden Kosten resultieren nicht nur aus den günstigeren Energiekosten, sondern auch aus geringeren Wartungsaufwendungen.

Durch die Trends zum gesteuerten und bidirektionalen Laden, bei dem das Auto als Stromspeicher für das Haus dienen kann, sowie durch sinkende Fahrzeugpreise dürfte sich diese Wirtschaftlichkeit in Zukunft noch verbessern.

Sicherheit: Brennen E-Autos häufiger?

Ein häufig genanntes Argument gegen Elektroautos ist die angeblich höhere Brandgefahr. Die wissenschaftliche Analyse kommt jedoch zu einem anderen Schluss: „Vergleicht man die Häufigkeit von Bränden von Elektro-Pkw mit denen von konventionellen Pkw, ist nach heutigem Stand nicht von einer höheren Brandgefahr auszugehen“, heißt es in der Studie.

Mehrere aktuelle Untersuchungen deuten sogar auf eine deutlich geringere Brandgefahr bei reinen Batteriefahrzeugen hin. Allerdings ist die Datenlage noch relativ dünn, und das Löschen brennender E-Autos gestaltet sich aufwändiger. Mit neuesten Batterietypen sinkt das Brandrisiko weiter.

Reichweite und Ladeinfrastruktur: Praxistauglich für den Alltag

Die Reichweitenangst, einst ein Hauptargument gegen Elektroautos, verliert zunehmend an Bedeutung. Aktuelle E-Pkw-Topmodelle bieten Reichweiten von mindestens 400 Kilometern – für die meisten Nutzer völlig ausreichend. Gleichzeitig verkürzen sich die Ladezeiten kontinuierlich.

Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass mit zunehmender Reichweite sowohl Kosten als auch ökologische Folgen steigen. Überdimensionierte Batterien für Reichweiten jenseits der 1.000 Kilometer, wie sie einige Hersteller anvisieren, seien daher kritisch zu betrachten.

Umweltbelastung: Nicht nur CO₂ zählt

Bei anderen Umweltaspekten jenseits der CO₂-Bilanz schneiden Elektroautos teilweise etwas schlechter ab. Ein Beispiel ist der Feinstaub: Während moderne Verbrenner kaum noch Feinstaub durch den Motor ausstoßen, entsteht dieser hauptsächlich durch Reifenabrieb – und hier ist das höhere Gewicht der Stromer ein Nachteil.

Auch bei der Nutzung kritischer Rohstoffe für die Batterieproduktion bestehen noch Herausforderungen. Die Forscher sehen jedoch positive Entwicklungen: Bis 2035 könnten bis zu 30 Prozent des Bedarfs an Lithium, Nickel und Kobalt für die Batteriezellenproduktion durch recycelte Materialien gedeckt werden.

Arbeitsmarkt: Transformation mit Chancen und Risiken

Die Umstellung auf Elektromobilität wird den Arbeitsmarkt in der Automobilindustrie verändern. Viele Studien deuten auf einen nennenswerten Beschäftigungsrückgang hin, nicht zuletzt, weil die Batteriezellenproduktion hochautomatisiert ist.

Gleichzeitig entstehen neue Jobs in anderen Bereichen, etwa bei der Stromerzeugung und Ladeinfrastruktur, die diesen Rückgang kompensieren können. Die Transformation erfordert jedoch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen für die betroffenen Arbeitnehmer.

E-Mobilität als Schlüssel zur Klimaneutralität

Elektroautos werden eine entscheidende Rolle spielen, um die ambitionierten Klimaziele Deutschlands zu erreichen. Das Bundes-Klimaschutzgesetz sieht vor, dass die CO₂-Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken müssen, damit Deutschland bis 2045 klimaneutral wird.

Die Marktentwicklung spricht für sich: Trotz temporärer Rückschläge wie dem abrupten Förderstopp in Deutschland liegt der weltweite Anteil von E-Pkw an den Neuzulassungen bereits bei knapp 20 Prozent. Bis 2030 dürfte dieser Wert auf 40 Prozent ansteigen, bis 2035 sogar auf mehr als 50 Prozent.

Für die Zukunft zeichnen sich weitere technologische Fortschritte ab – effizientere Batterien mit geringerem Rohstoffbedarf, schnellere Ladezeiten und sinkende Produktionskosten. Die Integration von E-Autos ins Stromnetz durch bidirektionales Laden wird zudem eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Netze spielen, wenn der Anteil erneuerbarer Energien weiter steigt.

Wie Professor Wietschel zusammenfasst: „Es gibt umweltfreundlichere Arten, sich fortzubewegen als ein Elektroauto. Aber ein Elektroauto ist immer noch klar umweltfreundlicher als ein vergleichbarer Verbrenner.“ Die wissenschaftliche Evidenz spricht eine klare Sprache – jetzt liegt es an Politik, Industrie und Verbrauchern, die Transformation zur E-Mobilität konsequent voranzutreiben.

Quellen: Fraunhofer-Institut, ZDF, Heise

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