Länger leben mit vegetarischer Ernährung: Warum Fleisch nicht ganz vom Speiseplan muss
Neue Studien zeigen, dass eine rein vegetarische Ernährung im Alter nicht optimal für die Gehirngesundheit ist. Experten empfehlen, zweimal pro Woche fetten Fisch wie Lachs zu essen, um das Risiko von Demenz und Schlaganfällen zu senken.
Eine pflanzliche Ernährung gilt als Schlüssel zu einem langen und gesunden Leben. Doch eine neue Studie wirft Fragen auf: Ist eine 100-prozentige vegetarische Ernährung wirklich das Beste für unser Gehirn im Alter? Ein Arzt empfiehlt, regelmäßig fetten Fisch wie Lachs oder Sardinen in den Speiseplan aufzunehmen.
Die Blaue Zone von Loma Linda
In Loma Linda, Kalifornien, lebt eine Gruppe von Siebenten-Tags-Adventisten, Angehörige einer Glaubensgemeinschaft der protestantischen Freikirche, die durchschnittlich bis zu zehn Jahre länger leben als andere Amerikaner. Diese „Blaue Zone“ zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Gesundheit im hohen Alter aus. Der Grund? Eine Ernährung, die stark auf pflanzliche Lebensmittel wie Bohnen, Gemüse und Vollkornprodukte setzt und wenig Fleisch oder Junkfood enthält.
Neue Erkenntnisse zur vegetarischen Ernährung
Eine aktuelle Studie mit über 88.000 Adventisten in Nordamerika legt nahe, dass eine vegetarische Ernährung zwar viele gesundheitliche Vorteile bietet, aber möglicherweise nicht die beste Lösung für ein Gehirn im Alter ist. Gary Fraser, ein adventistischer Kardiologe und Forscher im Bereich der öffentlichen Gesundheit in Loma Linda, erklärt gegenüber „Business Insider“: „Obwohl die vegetarische Ernährung viel Gutes bewirkt, sieht es so aus, als ob eine Verbesserung möglich ist, sobald die Menschen über 80 sind.“
Frasers Forschung zeigt, dass vegetarische Adventisten, die das Alter von 80 Jahren und darüber hinaus erreichen, häufiger an Schlaganfällen, Demenz und Parkinson erkranken als ihre fleischessenden Gegenstücke.
Vegetarisch in jungen Jahren
Vegetarisch oder vegan zu leben, hat natürlich einige Vorteile. So wird durch diese Ernährungsweise das Risiko, an einer lebensbedrohlichen Krankheit zu erkranken, gesenkt. „Wir sind daran gewöhnt, dass Vegetarier bei allem gut abschneiden“, sagt Fraser und führt fort: „Wir haben sehr gute Beweise dafür, dass eine vegetarische Ernährung im Allgemeinen sehr gut dazu geeignet ist, eine beträchtliche Anzahl von Todesfällen in den 50er, 60er und vielleicht frühen 70er Jahren zu verhindern“.
Auch im hohen Alter kann eine gute, entzündungshemmende vegetarische Ernährung die Wahrscheinlichkeit von Nierenversagen, Infektionskrankheiten, Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten verringern, wie Fraser in seiner Studie erklärt.
Warum Fleisch im Alter helfen kann
Doch warum sollte man im Alter Fleisch oder Fisch in die Ernährung integrieren? Frasers Vermutung ist, dass der Zusammenhang zwischen dem alten Gehirn und Fleischkonsum auf ein Absorptionsproblem zurückzuführen ist.
Wenn man älter ist, ist der Körper nicht mehr so in der Lage, Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, die nur aus pflanzlichen Quellen gewonnen werden, so gut in die für das Gehirn notwendigen Nährstoffe umzuwandeln. Fraser sieht also das Problem in einem Mangel an langkettigen Omega-3-Fettsäuren bei älteren Menschen.
Die Rolle von Omega-3-Fettsäuren und Cholin
Omega-3-Fettsäuren sind entscheidend für die Gesundheit des Gehirns. Studien zeigen, dass Erwachsene mittleren Alters, die regelmäßig Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen, besseres abstraktes Denken und größere Hirnregionen für Lernen und Gedächtnis haben.
Fisch, Fleisch und Eier sind reich an Cholin, was ebenfalls wichtig ist. Dies ist ein Nährstoff, der die Zellen gesund hält und sich positiv auf Gedächtnis, Stimmung und Gehirnfunktion auswirkt.
Frasers wöchentliche Routine
Gary Fraser, selbst praktizierender Adventist in seinen späten 70ern, hält sich an eine einfache Wochenroutine. Er verzichtet auf rotes Fleisch und Milch, setzt aber auf zwei Hauptbestandteile: fetten Fisch und Vitamin D. Fraser empfiehlt, etwa zweimal pro Woche fetten Fisch wie Lachs zu essen. Alternativen sind Sardinen, Hering, Anchovis und Forelle.
Zusätzlich nimmt Fraser täglich 4000-5000 IE Vitamin D zu sich, mehr als das Fünffache der empfohlenen Tagesdosis. Diese hohe Dosis erklärt er damit, dass die Fähigkeit, Vitamin D aus der Sonne aufzunehmen, mit dem Alter abnimmt. Vitamin D ist nicht nur gut für die Knochengesundheit, sondern auch für die Gehirnfunktion
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Art und Weise, wie der Körper Nährstoffe aufnimmt. „Wenn man das Alter von, sagen wir, 75 Jahren oder so erreicht hat, wäre es klug, etwas Fisch zu sich zu nehmen, bis wir es besser wissen“, rät Fraser. Eine ausgewogene Ernährung, die auch tierische Produkte in Maßen einschließt, könnte der Schlüssel zu einem gesunden und langen Leben sein.