work wise

Leonard Beck: „Wenn man heutzutage ein Verbraucherprodukt herstellt, sollte man einen Blick auf die Zukunft haben“

Leonard Beck: „Wenn man heutzutage ein Verbraucherprodukt herstellt, sollte man einen Blick auf die Zukunft haben“
Standsome
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit7 Min · 1.437 Wörter

Wie kam die Ideen zum Standsome?

Das war bei uns eigentlich ziemlich aus dem eigenen Bedarf heraus. Wir haben vorher in einem anderen Unternehmen gearbeitet und hatten da natürlich Schreibtische. Und wollten gern zwischendurch im Stehen arbeiten.

Deshalb haben wir uns umgeschaut, was es so am Markt gibt. Und haben dann relativ schnell gemerkt, dass es da nicht soviel gibt. Vor allem wenn man die vorhandenen Schreibtische behalten will. Es gibt natürlich die elektrisch verstellbaren Schreibtische, die aber doch ziemlich teuer sind. Und Aufsätze gab es eigentlich nur aus Pappe. Da haben wir gesagt: Okay, irgendwie schade, dass es da nichts gibt.

Und wie habt ihr dann mit der Umsetzung begonnen?

Da haben wir uns einfach Mal für ein Wochenende eingeschlossen und ein bisschen rumgesägt und probiert. Danach hatten wir einen ersten Prototyp, der dann auch bei Freunden und Bekannten ziemlich gut ankam. Und dann haben wir gesagt: Okay, vielleicht können wir davon noch ein bisschen mehr machen.

Ab einem gewissen Zeitpunkt haben wir dann eine befreundete Flugzeugingenieurin mit ins Boot geholt, die uns dann bei der ganzen 3D-Umsetzung geholfen hat. Und auch die Statik noch mit berechnet hat. Und dann hatten wir auch schon – also mehr oder weniger schon – den Standsome.

Das hört sich nach einer schnellen Umsetzung an.

Es hört sich am Ende schneller an, als es in Wirklichkeit war. Es hat so von der ersten Idee bis zum Produkt etwa ein Jahr gedauert.

Du redest dauernd von „Wir“. Hattest du von Anfang an Leute an deiner Seite, die dich begleitet haben?

Wir sind insgesamt drei Gründer. Die anderen Beiden sind aber nicht mehr im operativen Geschäft, sondern eher im Hintergrund, weil sie schon wieder an neuen Projekten dran sind.

War das denn dein erstes Startup, dass du auf die Beine gestellt hast?

Ja, für mich war es das erste Startup. Die anderen Beiden hatten schon Mal ein Startup. Aber für mich war das etwas ganz Neues. Glücklicherweise hatte ich eben die Expertise der anderen Zwei, die die ganze Gründung begleitet haben.

(Credits: Standsome)

Ihr habt dann auch relativ schnell einen Preis für euer Unternehmen abgestaubt.

Genau. Also wir haben das Unternehmen schon Mitte 2016 gegründet und sind Mitte 2017 bis Ende 2017 an den Markt gegangen mit dem Standsome. Und Ende 2018, also jetzt im November letzten Jahres, haben wir den hessischen Gründerpreis gewonnen.

Das war ein ganz schöner Push, gerade was die Aufmerksamkeit für das Produkt angeht. Und natürlich war es auch eine schöne Bestätigung, weil man gemerkt hat: Okay, das ist wirklich etwas Neues.

Wieso habt ihr euch denn für den Rohstoff Holz entschieden?

Holz war für uns von Anfang an klar, weil wir finden, dass es von der Haptik ein wirklich schöner Rohstoff ist. Außerdem war es uns direkt wichtig, dass es ein nachwachsender Rohstoff ist und nicht irgendwelche Kunststoffelemente verbaut werden. Wir wollten von Anfang an eben nur diesen lebendigen Werkstoff Holz nutzen. Da ist kaum ein Weg drum herum gegangen.

Und wie war der ganze Entwicklungsprozess?

Durch das Holz als Rohstoff war bei der Produktentwicklung natürlich schon Mal ein Faktor gegeben. Dann haben wir überlegt, wie wir das am besten herstellen können und haben von Anfang an – etwas blauäugig – gesagt: Wir wollen das Holz lasern. Daher kommen am Produkt auch die dunklen, verbrannten Kanten.

Blauäugig in etwas hineinzugehen, kann ja auch genau der richtige Weg sein, um als Startup eine Branche aufzumischen.

Genau. Wir hatten ein Problem und wollten das lösen. So kann man es schon sagen. Uns war es eben wichtig, dass man das Produkt sehr flexibel handhaben kann. Auf den Schreibtisch stellen kann, wieder wegstellen kann und dass es nicht zu viel Platz einnimmt. Gleichzeitig sollte es aber auch verstellbar und für alle nutzbar sein. Wir hatten im Büro Leute zwischen 1,70 Meter und 1,90 Meter und das sollte dann schon für alle passen. Und so kam dann durch die Anforderung, die wir von Anfang an hatte, auch das Produkt zu Stande.

Ihr legt auch sehr viel Wert auf die Nachhaltigkeit. Woher kommt das Holz des Produkts denn?

Uns war das Thema Nachhaltigkeit von Anfang an wichtig. Wenn man im Jahr 2019 ein Verbraucherprodukt herstellt, sollte man schon ein bisschen einen Blick auf die Zukunft haben. Und ich finde, da geht kein Weg um das Thema Nachhaltigkeit drum herum. Den Rohstoff den wir jetzt nutzen, das ist italienisches Pappelsperrholz. Das Pappelholz hat den großen Vorteil, dass es in Plantagen angebaut wird. Das heißt: Die Pappel wird gepflanzt und nach 10 Jahren einfach geerntet und wieder angepflanzt.

Wir haben da keinen Einfluss in irgendwelche Wälder, oder ähnliches, sondern haben wirklich einen Rohstoff der einfach abgeerntet wird. Und immer nach der Ernte wieder neu angepflanzt wird.

Auf eurer Seite erzählt ihr auch über euer Plantsome Projekt. Was ist das genau?

Wir haben zufällig Leute gefunden, das ist der „Life-Giving-Forest“ Verein, die sich für die Aufforstung des philippinischen Regenwalds einsetzen. Gemeinsam mit dem „Life-Giving-Forest“-Team haben wir das Plantsome-Projekt realisiert.

Das bedeutet, dass für jeden verkauften Standsome im philippinischen Regenwald ein Baum gepflanzt wird. In einem inklusiven Projekt, dort vor Ort. Und dann wird der Baum für ein Jahr gepflegt. Es wird also nicht nur aufgeforstet, sondern auch darum gekümmert, dass die ganzen Bäume auch anwachsen.

Habt ihr eine eigene Produktion bei euch? Oder lagert ihr das aus?

Wir lassen die Standsomes fertigen. Das wird aber alles hier in Deutschland gemacht. Wir haben zwei Zulieferer, das sind ganz normale Schreinerbetriebe, mit denen wir im regen Kontakt und Austausch stehen. Die ganze Produktentwicklung kommt von uns und das wird dann im Auftrag dort gefertigt. Weil es doch relativ aufwendig ist.

Was hat denn der Standsome allgemein für Vorteile für die Unternehmen?

Der größte Anteil an Krankschreibungen und Krankheitsfehltagen geht zurück auf Muskel- und Rückenerkrankung. Und ganz viele dieser Erkrankungen kommen davon, dass man acht Stunden am Tag sitzt. Das Wichtige ist, dass man sich abwechselt. Es geht nicht darum dann den ganzen Tag zu stehen, sondern dass man einfach laufend seine Position verändert.

(Credits: Standsome)

Ihr richtet euch in der Kommunikation sehr auf Unternehmen aus. Habt ihr auch den Plan in Zukunft mehr Privatpersonen anzusprechen?

Es ist auch jetzt schon bunt gemischt. Fast 50 Prozent unserer Kunden sind Privatkunden, die sagen: Okay, ich will auch zuhause nicht darauf verzichten, im Stehen arbeiten zu können. Oder auch Selbstständige, die von Zuhause aus arbeiten. Für die ist das spannend, dass sie ein Möbelstück haben, mit dem man sich auch an den Küchentisch stellen kann, um von dort zu arbeiten. Der wird dann zwischen durch auch als Couchtisch verwendet. Es ist also ein sehr flexibles Möbelstück.

Ihr predigt den Unternehmen, dass sie auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter achten sollen. Was macht ihr, als Unternehmen, um die Work-Life-Balance eurer Mitarbeiter auszugleichen?

Das ist auch eine Sache, die ich versuche meinen Mitarbeitern mitzugeben: Dass man selbst erst einmal nicht zu viel arbeitet. Mir ist wichtig, dass man neben dem Job auch genug Freizeit hat. Und dass man flexibel ist, bei der Arbeit. Bei uns kann sich jeder aussuchen, ob er lieber von Zuhause aus arbeitet, oder im Büro ist.

Wie klappt das dann mit der Kommunikation im Team?

Wir haben einen Tag in der Woche, als unseren Team-Tag, wo es gut ist wenn auch alle da sind, um sich austauschen zu können. Ansonsten kann sich jeder aussuchen, ob er vom Cafe aus arbeitet oder lieber im Büro sitzt. Für die Gestaltung vom Arbeitsalltag im Büro ist es natürlich wichtig, dass sich alle unterhalten und austauschen, so wie es ihnen passt. Und sich dabei bewegen. Sei es nur der Wechsel vom stehend arbeiten zum sitzend arbeiten.

 Welche Pläne habt ihr für Standsome in der Zukunft?

Unser großer Traum ist es, dass Standsome eine Marke für gesundes Bürozubehör wird. Wir sind gerade dabei, auch ein paar weitere Produkte zu entwickeln. Wir wollen nach und nach immer mehr ergonomisches, einfaches Zubehör für einen gesunden Arbeitsalltag zur Verfügung stellen.

Das Ganze soll aber aus der medizinischen Ecke herausgeholt werden, denn ergonomisches Arbeiten wird häufig als ein medizinischer und uncooler Prozess gesehen. Die meisten Produkte gehen da auf kleinste Gradzahlen ein aber das Wichtigste ist, dass man sich bei der Arbeit wohl fühlt und zwischendurch einfach Mal bewegt.

Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!