AnlagePunk · Amerika

Let’s talk about Krypto 

Let’s talk about Krypto 
Erschienen
Lesezeit3 Min · 525 Wörter

Die USA lagern Kryptowährungen in Fort Knox ein. Damit ändern sie die Spielregeln. 

Wir müssen über Krypto reden. Die USA will Kryptowährungen in ihre strategische Reserve aufnehmen. Donald Trump kündigt an neben Bitcoin und Ethereum auch XRP, Solana und Cardano in einer Art Krypto Fort Knox aufbewahren. Das ändert die Spielregeln. 

Verwaltet wird das Kryptogeld durch den Exchange Stabilization Fund (ESF), der bislang Vermögenswerte wie den US-Dollar, Fremdwährungen und Staatsanleihen hält. Geplant ist ein Investitionsvolumen von voraussichtlich 20 Milliarden US-Dollar, wobei das Beschaffungsprogramm innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein soll. Die USA werden zu einem der weltweit größten Kryptowährungs-Halter aufsteigen. Das Kryptogeld soll für mindestens 25 Jahre gehalten und nur in außergewöhnlichen Krisensituationen verkauft werden. Ein Verkauf wäre ausschließlich mit präsidialer Genehmigung möglich – ein Signal für das Vertrauen der US-Regierung in die Kryptowährung. Und es gibt jetzt auch hierzulande einige, die Trump beim Blick in ihr Depot plötzlich gar nicht mehr so blöd finden.  

Bisher war der Kryptogeldhandel ein lupenreines Spekulantengeschäft. Bitcoin und Co. dienten zum Horten, zum Warten, dass sie teurer werden, und dann zum Verkaufen. Sie wurden nur dann zum guten Geschäft, wenn sich jemand findet, der bereit ist, mehr dafür zu bezahlen, als man selbst ausgegeben hatte. 

Krypto ähnelt darin Gold, das allerdings immerhin ein endlicher, seltener und ganz hübscher Rohstoff ist, der sich meinetwegen um den Hals tragen lässt. Auch die Bitcoin-Produktion ist endlich, rufen jetzt die Kryptofans. Stimmt. Aber da beinahe täglich irgendwo eine neue Kryptowährung geschürft wird, vermehrt sich der Gesamtbestand an diesen angeblichen Währungen in Blasengeschwindigkeit. Neulich las ich von einer Truppe Spaßvögel, die ihre Kryptowährung „Sackratte“ getauft hat und auch die jetzt ins Rennen schickt – was ein todsicheres Zeichen ist, dass hier etwas gründlich schiefläuft. 

In Wahrheit ist die Endlichkeit von Bitcoin der schlimmste Makel dieser Währung. Denn Wachstum kann in einer Volkswirtschaft nicht entstehen, wenn die Geldmenge nicht mitwächst. In der Menge begrenzte Währungen müssen also im Wert steigen – und sind damit als Währung letztlich ungeeignet. Ohne zentrale Geldmengensteuerung koppeln sich die Preise von der Realität ab. 

Und trotzdem gibt Trump Bitcoin und Co. jetzt den Ritterschlag. Warum? Ganz einfach: Es geht um Macht. Mit dem frühen Einstieg in Bitcoin als strategische Reserve verschaffen sich die USA einen entscheidenden Vorteil. Sie machen es anderen Nationen teurer, in Bitcoin als Alternative zu Dollar und Gold zu investieren, und reduzieren so das Risiko, dass Bitcoin gegen die Vorherrschaft des US-Dollars ins Spiel gebracht wird. Die wachsende institutionelle Nachfrage durch Staaten wird den Preis der entsprechenden Kryptowährungen in die Höhe treiben.  

Das hat Folgen dafür, wie wir über Kryptogeld nachdenken sollten. Wer Bitcoin und Co. bisher als Währung und Assetklasse gefeiert hat, die Unabhängigkeit vom Staat garantiert, erlebt jetzt sein blaues Wunder: Der vermögendste Staat der Welt ist gerade dabei, auch diese Währung zu dominieren. 

Erhaltet spannende Insights in unserem „Work Hard, Play Hard“ Email – Newsletter!

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.