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Lidl-Mutter greift AWS an: 11 Milliarden für Europas Cloud-Revolte

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Die Schwarz-Gruppe investiert 11 Milliarden Euro in ein Rechenzentrum in Brandenburg und fordert Amazon, Microsoft und Google heraus. Digitale Souveränität statt US-Abhängigkeit – kann das funktionieren?

Vom Discounter zum Cloud-Herausforderer: Die Schwarz-Gruppe, bekannt für Lidl und Kaufland, will Europas Antwort auf Amazon Web Services werden. Mit 11 Milliarden Euro für ein Rechenzentrum in Lübbenau startet die Digitalsparte Schwarz Digits den Frontalangriff auf die US-Dominanz im Cloud-Geschäft.

„Das ist das Ziel, was wir haben“, bestätigt Co-Chef Christian Müller laut Heise die Hyperscaler-Ambitionen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann Europa seine digitale Unabhängigkeit zurückerobert.

Staatskunden als Türöffner

Die Strategie ist klar: Wer gegen AWS, Microsoft Azure und Google Cloud bestehen will, braucht Kunden mit höchsten Sicherheitsanforderungen. Schwarz Digits setzt auf staatliche Institutionen als Referenzkunden. Die Polizei Baden-Württemberg und die Bundesagentur für Arbeit haben bereits zugesagt.

Bis 2027 soll der erste Bauabschnitt in Lübbenau fertig sein – dann wird das größte Einzelinvestment der Unternehmensgeschichte Realität. Das Rechenzentrum verarbeitet nicht nur interne Daten aus Liefer-, Bestell- und Bezahlprozessen der 575.000 Mitarbeiter, sondern bietet Speicher und Rechenleistung für externe Kunden.

Geopolitik trifft Technologie

Die Trump-Administration hat Europa wachgerüttelt. Geopolitische Spannungen und der Ukraine-Krieg zeigen, wie gefährlich die Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen IT-Dienstleistern ist.

Co-Chef Rolf Schumann bringt es auf den Punkt: Als klar wurde, mit welcher Kompromisslosigkeit Trump amerikanische Interessen durchsetzt, habe das Wirkung gezeigt. Die Erzählung, Europa könne nur regulieren, während Innovation aus den USA komme, sei falsch. Die USA seien vielmehr ein Verkaufsmarkt – die Ideen entstünden hier.

Doppelstrategie statt Naivität

Schwarz Digits fährt zweigleisig: Google Workspace für 575.000 Mitarbeiter, aber Zendis Open Desk als Backup. Die vom Bund finanzierte Verwaltungssoftware ermöglicht Cloud-Speicher, E-Mail, Chat und Videokonferenzen ohne US-Abhängigkeit.

Selbst der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag nutzt die Lösung. Die Handelserfahrung zahlt sich aus: Immer zwei Lieferanten, falls einer ausfällt. Diese Redundanz-Strategie könnte zum Blaupause für europäische Unternehmen werden, die digitale Souveränität ernst nehmen.

Business Punk Check

Kann ein Discounter-Konzern wirklich zum europäischen Cloud-Champion werden? Die Antwort lautet: vielleicht – aber nur mit realistischen Erwartungen. 11 Milliarden Euro klingen gewaltig, doch AWS investiert diese Summe alle paar Monate in seine globale Infrastruktur. Die Schwarz-Gruppe hat einen entscheidenden Vorteil: Sie versteht B2B-Geschäft und Skalierung besser als die meisten Tech-Startups. Staatskunden als Anker sind clever – sie zahlen verlässlich und haben langfristige Verträge. Die unbequeme Wahrheit: Digitale Souveränität kostet.

Europäische Cloud-Lösungen werden teurer sein als US-Angebote, weil ihnen die Skaleneffekte fehlen. Unternehmen müssen bereit sein, diesen Preis zu zahlen – oder sie bleiben bei AWS und akzeptieren geopolitische Risiken. Die Doppelstrategie mit Google und Zendis zeigt: Selbst Schwarz Digits traut der eigenen Lösung noch nicht vollständig. Für Entscheider bedeutet das: Wer jetzt auf europäische Cloud-Anbieter setzt, investiert in strategische Unabhängigkeit, nicht in den günstigsten Deal. Die Frage ist, ob deutsche Unternehmen bereit sind, für Souveränität mehr zu bezahlen – oder ob sie weiter Kostenoptimierung über Kontrolle stellen.

Häufig gestellte Fragen

Warum investiert die Schwarz-Gruppe ausgerechnet jetzt in Cloud-Infrastruktur?

Geopolitische Spannungen und die aggressive US-Handelspolitik unter Trump haben europäischen Unternehmen die Risiken der Cloud-Abhängigkeit vor Augen geführt. Der Ukraine-Krieg verstärkte das Bewusstsein für digitale Verwundbarkeit. Schwarz Digits nutzt dieses Momentum, um sich als europäische Alternative zu positionieren – mit staatlichen Institutionen als ersten Großkunden, die höchste Sicherheitsanforderungen haben.

Welche Branchen profitieren am meisten von europäischen Cloud-Lösungen?

Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen, Finanzdienstleister und kritische Infrastrukturen haben den größten Bedarf an souveränen Cloud-Lösungen. Diese Sektoren unterliegen strengen Datenschutzauflagen und können sich geopolitische Abhängigkeiten nicht leisten. Auch der Mittelstand profitiert, wenn er sensible Produktionsdaten oder Kundeninformationen verarbeitet und regulatorische Risiken minimieren will.

Ist die Doppelstrategie mit Google und Zendis nicht widersprüchlich?

Im Gegenteil – sie ist pragmatisch. Schwarz Digits setzt auf bewährte US-Technologie für den Alltag, hat aber eine europäische Backup-Lösung für den Ernstfall. Diese Redundanz-Strategie minimiert Ausfallrisiken und geopolitische Abhängigkeiten gleichzeitig. Unternehmen sollten diese Herangehensweise kopieren: Primärsysteme können US-basiert sein, kritische Prozesse brauchen europäische Alternativen.

Was müssen Unternehmen für digitale Souveränität investieren?

Europäische Cloud-Lösungen werden 15-30 Prozent teurer sein als US-Angebote, weil ihnen die globalen Skaleneffekte fehlen. Dazu kommen Migrations- und Schulungskosten. Entscheider müssen diese Mehrkosten als Versicherungsprämie gegen geopolitische Risiken verstehen. Die Frage ist nicht, ob man sich Souveränität leisten kann, sondern ob man sich die Abhängigkeit leisten will.

Kann Schwarz Digits wirklich mit AWS, Microsoft und Google konkurrieren?

Direkte Konkurrenz auf globaler Ebene ist unrealistisch – dafür fehlen Jahrzehnte Vorsprung und Hunderte Milliarden Dollar Infrastruktur-Investment. Aber als regionaler Champion für Europa mit Fokus auf Datenschutz, Compliance und staatliche Kunden? Absolut machbar. Der Erfolg hängt davon ab, ob europäische Unternehmen bereit sind, strategische Unabhängigkeit über Kostenoptimierung zu stellen.

Quellen: Heise, Stern

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.