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Liebe, Liebe, Liebe – der märchenhafte Aufstieg von DJ Solomun

Liebe, Liebe, Liebe – der märchenhafte Aufstieg von DJ Solomun
Niels Freiheit
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit17 Min · 3.329 Wörter

Von der Teeniedisco in Eimsbüttel bis ins Pacha auf Ibiza: Die Geschichte des DJs und Produzenten Solomun klingt wie ein Märchen. Im Sommer erscheint Solomuns erst zweites Album – das soll ihn endgültig in die Weltstar-Riege führen.

Das DJ-Pult steht inmitten der barfuß tanzenden Crowd. Neben dem Pult: ein Glas Weißwein, an dem der Mann im Mittelpunkt immer wieder nippt. Die Tracks sind melodisch, haben dennoch Biss, die Beats werden von Vocals begleitet. Der Mann scheint konzentriert. Zwischendurch klatscht er in die Hände, streckt seine Arme nach oben. Harmonie! Euphorie! Zwei Begriffe, die mit Mladen Solomun Hand in Hand zu gehen scheinen.

Mehr als 48 Millionen Aufrufe hat Solomuns Boiler Room Set auf Youtube, es ist das meistgesehene Set nach dem von Technolegende Carl Cox und eines der bekanntesten DJ-Sets überhaupt. Solomun ist bei Aufzeichnung des Sets im Jahr 2015 39 Jahre alt, groß, bärtig und trägt sein graues Haar zurückgekämmt. Die schwarzen Shorts und sein Shirt passen perfekt zu seiner schwarzen Sonnenbrille. Fast wie ein Geheimagent – ein Geheimagent der Liebe.

Der Junge mit der Kassette

Auch sechs Jahre später ist dieser Boiler-Room-Auftritt noch Solomuns Visitenkarte. „Er hat etwas Besonderes, eine gewisse Aura, mit der er jeden Raum füllt. Mladen hinterlässt immer einen bleibenden Eindruck“, sagt der Schauspieler Elyas M’Barek, ein guter Freund von Solomun, über den DJ und Musikproduzenten. Auch im Gespräch strahlt Solomun von der ersten Minute an genau diese Freundlichkeit und Harmonie aus. Er ist einer der populärsten DJs der Welt. Ein mittlerweile großer Name in der elektronischen Musikwelt. Und wirkt doch durch und durch bodenständig. Weil er bodenständig aufgewachsen ist und ihm nichts geschenkt wurde.

Doch Ende Februar sitzt der freundliche Mann, dem nichts geschenkt wurde, am anderen Ende der Welt in der mexikanischen Küstenstadt Tulum in der Sonne. Er trägt eine rote Badehose, ein schwarzes Shirt, keine Sonnenbrille. Sein Bart und seine Haare sind lang und grau. Gemütlich fläzt er in einem Sessel und grinst in die Laptopkamera. Im Hintergrund Sonnenstrahlen und Palmen, die sich im Wind wiegen.

Im Dezember 2020 ist Solomun in Tulum gestrandet. Kurz zuvor war er auf Ibiza, dann in Portugal. In Mexiko wollte er anschließend nur einen Monat bis Weihnachten bleiben, doch daraus wurden mittlerweile drei. „Ich wollte hier immer schon mal etwas länger Urlaub machen. Und das Leben hier ist auf jeden Fall anders als in Europa. Es ist normaler. Und ich hatte die Möglichkeit, länger zu bleiben“, sagt Solomun.

Seine Routine in Tulum beschreibt er so: „Ich stehe auf, mache mir meinen Kaffee, habe drei, vier Telefonate, checke meine E-Mails. Nach ein paar Stunden Arbeit entspanne ich den Rest des Tages.“ Der legendäre weiße Sandstrand, das kräftige türkisblaue Wasser scheinen Solomun zufrieden und gelassen zu machen, trotz Pandemie, trotz des verordneten Stillstandes. Seine Stimme ist warm und ruhig.

Die Vorgeschichte geht so: Solomuns Eltern, die aus Jugoslawien nach Deutschland ausgewandert sind, lernen sich in Hamburg kennen. Für die Geburt ihres Sohnes fahren sie 1975 jedoch in ihr Heimatland nach Travnik im Lašva-Tal, 100 Kilometer nordwestlich von Sarajevo zwischen den Gebirgszügen Vlaši und Vranica. Dort sollte der kleine Mladen dann zur Welt kommen und getauft werden, erzählt Solomun am Strand von Tulum. Schon zwei Wochen nach Solomuns Geburt reiste die kleine Familie wieder zurück nach Hamburg.

Dort wächst Solomun in einfachen Verhältnissen auf und hat als Kind eigentlich nur eines im Kopf: Fußball. Bis eines Tages, als Solomun zehn oder elf Jahre ist, sein älterer Cousin ihm eine Kassette in die Hand drückt. Darauf: ein Mitschnitt eines DJ-Sets aus einer Diskothek. Elektronische Musik der 80er, neu und unbekannt. „Das war der Aha-Moment, in dem ich gemerkt habe, dass es da draußen noch viel mehr Musik zu entdecken gibt“, sagt Solomun heute. Er ist angefixt.

„Ich habe schon damals erkannt, wie kraftvoll Musik ist.“

Danach wird das Haus der Jugend in Hamburg-Eimsbüttel Solomuns zweites Zuhause, vor allem die Teenie-Disco, jeden Mittwoch von 18 bis 22 Uhr. Einmal die Woche übernimmt er die Aufsicht der Disco, verdient damit 100 Mark und kauft damit direkt wieder neue Musik. Zwei Jahre lang ist Solomun im Haus der Jugend für die Musikauswahl verantwortlich, ab und zu darf er selbst an die Turntables. Nach der Schule entscheidet sich Solomun aber für die Filmbranche, arbeitet als Kameramann, dreht Kurzfilme. Und doch sagt er heute: „Ich habe schon damals erkannt, wie kraftvoll Musik ist.“

In Hamburg ist damals Hip-Hop groß, alle hören Rap, aber Solomun ist kein großer Fan. Die Partys, auf die seine Freund:innen gehen, sind zu unentspannt und testosterongeladen. Mit Anfang 20 schleppt ein Freund ihn mit auf eine Party, auf der DJ Antonelli Electr. des Kölner Technolabels Kompakt auflegt. Und dieser Abend ändert alles für ihn.

Die Musik hat genau den Vibe, der ihn glücklich macht, elektronisch und leicht. „Die Party war wie eine Erweckung. Von da an habe ich jede Woche etliches Geld in Musik investiert“, sagt Solomun. „Ich war jede Woche im Plattenladen und habe mir immer mehr Musik gekauft.“ Den Job in der Filmbranche behält er aber, zumindest vorerst. Schließlich musste er seine explodierende Plattensammlung irgendwie finanzieren.

Als er einige Zeit später gefragt wird, ob er bei einem Geburtstag in einer Wohnung auf der Reeperbahn auflegen kann, sagt er sofort zu. Eigentlich sollen an diesem Abend mehrere DJs spielen, am Ende aber bleibt Solomun die ganze Nacht an den Turntables und beschallt nicht nur die Wohnung, sondern die halbe Reeperbahn: „Das war ein krasses Bild“, sagt Solomun und grinst. „Ich erinnere mich, dass sich Menschen vor der Wohnung auf der Straße versammelten und zu meiner Musik tanzten.“

Sein Talent spricht sich von da an rum, immer öfter legt Solomun auf Partys auf. Doch Solomun will aus seinen Auftritten ein stetiges Einkommen machen, und so gründet er gemeinsam mit einem Freund die Partyreihe DIY Electronics.

Damit kommt 2002 der ersehnte Wendepunkt: Mit 27 Jahren schmeißt er seinen Job in der Filmbranche. „Von meinem letzten Geld habe ich mir einen Computer mit Speakern gekauft“, erzählt er. Sein Konto danach? Bei null. Die Meinung seiner Eltern zu diesem harten Schwenk? „Denen war in erster Linie wichtig, dass ich gesund und munter bin“, sagt Solomun. „Aber die haben nie richtig verstanden, was ich da eigentlich mache.“

Er erinnert sich an einen ganz bestimmten Abend beim alljährlichen Hamburger Schanzenfest. Mitten auf dem Schulterblatt gab es einen türkischen Gemüsehändler, neben dem Solomun auflegen soll. Die Party geht früh los. Das Straßenfest ist vor allem ein Treffpunkt für Kreative aus St. Pauli, aber auch Solomuns Eltern kommen. Denn für diesen Abend hat er sich vorgenommen, ihnen zu beweisen, dass sie sich überhaupt keine Sorgen um ihren Sohn machen müssen.

Doch die Reaktion von Mama Solomun lautete so: „Bum, bum, aber nichts in der Tasche.“ Heute lacht der 45-Jährige herzlich und lange über diesen Satz. „Damit hat sie mich schachmatt gesetzt“, sagt er. Solomun ist dennoch drangeblieben. Heute kommt seine Mutter gerne zu seinen Auftritten. „Meine Mama ist eine absolute Lebefrau. Sie mag Musik, Tanzen, Singen und ist voller Lebensfreude.“

Der Name DIY Electronics ist tatsächlich Programm: Solomun machte nicht nur die Musik, er kümmerte sich auch um die Dekoration und die Werbung. In Nacht-und-Nebel-Aktionen plakatieren sie die Straßen Hamburgs. Mit derselben Haltung gründet Solomun 2006 auch das Label Diynamic, gemeinsam mit seinem Freund Adriano Trolio und Solomuns jüngerer Schwester Magdalena, die ebenfalls DJ ist.

Durch die Tore zur House- und Technowelt

Und tatsächlich: Diynamic öffnete Solomun die Tore zur House- und Technowelt. Er produzierte unzählige Singles und Remixes, 2009 erscheint schon sein Debütalbum „Dance Baby“. „Ich hatte schon so viel produziert und Material gesammelt, dass ich mich langsam damit anfreundete, ein Album zu bringen“, sagt Solomun heute.

Doch es gab auch einen persönlichen Grund: Sein Vater war sehr krank und hatte nicht mehr lang zu leben. Solomuns letzte Single auf dem Album taufte er „Story of My Life“. Sie stand für den Abschluss der langen Reise seines Vaters, die nun vorbei war. „Aber mit jedem Ende kommt auch ein Anfang. Das ist der Zirkel des Lebens“, sagt er vor der Laptopkamera in Tulum.

Sein Debütalbum ist persönlich, emotional, tiefgründig. Elf Songs, die einen in Nostalgie und gleichzeitig in Tanzlaune versetzen. Rhythmische Bässe, federleichte Vocals. Melodien, die die Füße zum Wippen bringen. Songs mit Ohrwurmgarantie. Das Onlinemagazin „Groove“ schreibt kurz nach Veröffentlichung: „Die große Stärke Solomuns, die einem auf allen elf Titeln gleichermaßen entgegenspringt, ist eine Herzlichkeit, die man sonst selten zu genießen in der Lage ist.“

Diese unglaubliche Herzlichkeit. Die schon vor zwölf Jahren die größten Raver zum Hüftenschwingen brachte. Und die noch heute Menschen auf der ganzen Welt in Tanzlaune versetzt.

Doch sein Album war nicht die einzige Wendung im Jahr 2009. Gemeinsam mit seiner Schwester Magdalena und Adriano Trolio eröffnete er den Club Ego, der sich zu einer festen Größe im Hamburger Nachtleben etablierte. Und Solomun mittendrin.

2012 kam Solomun dann nach Ibiza. Die spanische Insel, die für ihr pulsierendes Nachtleben bekannt ist. Ein Stück Erde, das jährlich Menschen aus aller Welt in seine Diskotheken und an seine Sandstrände lockt.

Ein Fan von Ibiza war Solomun lange Zeit nicht. In seinem Bekanntenkreis gab es damals kaum jemanden, der Teil der internationalen Clubszene auf Ibiza war. Doch die Insel zählt seit den 90ern nun mal zum Hotspot der weltweiten Clubszene. Goa-Partys in den Bergen. DJs an den Stränden. Mit 5 000 leicht bekleideten Menschen und guten Drinks nächtelang durchtanzen.

Doch Solomun hatte nicht das dringende Bedürfnis, auf Ibiza aufzutreten. Erst als er gefragt wurde, bei einem Club-Opening auf der Insel zu spielen, sagte er zu. Es war schließlich eine Chance. Was sollte schon schiefgehen? Es stellte sich heraus, dass alles schiefging. Der Auftritt ging in die Hose. Doch er blieb noch ein paar Tage länger auf der Insel. „Ich war geflasht, so viele Menschen zu sehen, die nur auf diese Insel fliegen, um House und Techno zu hören“, sagt Solomun heute.

„Ich wollte Teil von etwas Neuem sein.“

Eine Woche später eröffnete der Club Sankeys. Er hatte Bock Teil davon zu sein. „Da kam der Eigenbrötler in mir durch. Der DIY-Ethos. Ibiza war eine gesetzte Marke, es gab genug etablierte Brands. Ich wollte Teil von etwas Neuem sein. Mit eigenen Künstler:innen. Am Anfang waren nie mehr als 600, 700 Leute auf unseren Partys, dann bei den letzten Partys bis zu 1 500 Leute“, erzählt Solomun. Jeden Dienstag veranstaltete er im Sommer 2012 die „Diynamic Neon Nights“. Von da an war Solomun nicht mehr von der Insel wegzudenken.

Ein Jahr später startete er seine erste eigene Residenz im Club Pacha unter dem Namen „Solomun +1“. Wer es nicht wissen sollte: weltbekannter Club, ganzjährig geöffnet (normalerweise). 3 000 Menschen finden dort Platz, um mit anderen gut Situierten nächtelang durchzutanzen. Um schönen und berühmten DJs beim Auflegen zuzusehen. Darunter auch Solomun. Der sympathische Star-DJ, dem die Menschen hinterherreisen.

Sein freundliches und rundes Gesicht auf Werbeplakaten am Flughafen von Ibiza. Vor dem Pacha ein lebensgroßes Bild des Musikproduzenten. Wer heute nach Ibiza fliegt, kommt an dem bärtigen Hamburger nicht vorbei. „Ich habe auch Freund:innen, die dort einfach nur in den Urlaub fahren und das auch teilweise sehr günstig. Aber klar, das Clubbing an sich ist dort natürlich schon immer sehr teuer gewesen, von daher kann ich auch verstehen, wenn Menschen nicht nach Ibiza kommen wollen, bin ich ja früher auch selber nicht“, sagt Solomun. „Aber die Magie, von der immer alle reden, die diese Insel hat, ich kann es bestätigen: Sie existiert.“

Die Menschen: glamourös. Die Partys: glamourös. Der Resident Solomun: weniger glamourös. Es ist eben diese Bodenständigkeit, für die ihn Freunde wie Elyas M’Barek lieben. Und seine Fans ebenso. „Musik ist überall zu Hause“, sagt Solomun. Für ihn spielt es keine Rolle, ob er bei Sonnenuntergang im Pacha, nachts im Berghain oder irgendwo am Strand in Beirut steht.

Weltweite Freundschaften

Apropos M’Barek: Genau hier in Tulum lernte Solomun vor einigen Jahren den Schauspieler kennen, seitdem verbindet sie eine Freundschaft. Im Sommer hängen sie auf Ibiza ab, fahren mit dem Boot rüber nach Formentera und lassen es sich im Spa oder im Restaurant gut gehen. „Ich bin von jeher begeistert, wie bodenständig, unfassbar großzügig und liebend er ist“, sagt M’Barek.

Der Schauspieler hat eigentlich einen vollen Terminkalender und steckt aktuell in Dreharbeiten, und doch nimmt er sich sofort mitten am Tag Zeit für ein kurzes Telefonat, in dem er nicht über sich oder seine nächsten Filme, sondern über seinen Freund Mladen sprechen kann.

Mladen Solomun und Elyas M’Barek im Mittelmeer.
Copyright: ddp media

Immer wieder betont M’Barek zwei Eigenheiten von Solomun: Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Angesichts des irrsinnigen Erfolgs, den der in Bosnien geborene und in Hamburg aufgewachsene DJ in den letzten Jahren zu verzeichnen hat, keine Selbstverständlichkeit.

Auf Spotify kommt Solomun monatlich auf mehr als zwei Millionen Hörer:innen. Sein beliebtester Track, „Friends“ von 2014 wurde 23 Millionen Mal gehört. Auf Instagram zählt der DJ mehr als eine Million Abonnenten. Dabei ist der 45-Jährige dort nicht mal sonderlich aktiv. Seine einzigen Inhalte: Tracks und Musikvideos.

Anhand der Zahlen kann man sich ungefähr ausmalen, wie hoch Solomuns Gagen grob sein dürften. Laura Ewert schrieb schon 2015 in der „Welt“, dass seine Gagen über die von Musiker:innen mit Echo-Nominierungen weit hinausreichen würden. Ein Jahr zuvor sprach der Musikjournalist Alexis Waltz in der „Groove“ noch von 1 500 Euro Gage pro Gig, so viel soll Solomun bekommen haben. Nur acht Monate später war es schon das Fünffache.

„Musik ist überall zu Hause.“

Im selben Zeitraum steigt auch die Anzahl der Preise. 2012 wird Solomun bei den DJ-Awards auf Ibiza zum Best Producer gekürt, unter anderem für seinen ersten Clubhit „Kackvogel“, einen hüpfenden, funky Beat mit Kuhglocken und dieser Magie, die jeden vollgepackten Dancefloor jubeln lässt, aber auch für seinen betörenden, fast Pharrell-Williams-haften Remix von „Around“ von Noir & Haze.

Im selben Jahr ernannte ihn das britische Magazin „Mixmag“ zum „DJ of the year“, außerdem gewinnt er den brasilianischen Cool Award als „Best DJ international“. Dann kommen die großen Festivals, Coachella oder Tomorrowland. Und vor allen Dingen: die Remixe. Über 50 Versionen hat Solomun bis heute produziert, für Depeche Mode, Lana Del Rey, Paul Kalkbrenner, für die Editors, Roisin Murphy, Leonard Cohen, Apparat, Jamiroquai und Tiga. „Er ist ja nicht ohne Grund so ein großer Star”, kürzt M’Barek es ab.

Spätestens 2018 lernen ihn auch diejenigen kennen, die keine Ahnung von Techno und House, Hamburg und Ibiza haben. Seitdem nämlich legt Solomun bei „GTA Online“ auf, virtuell natürlich. Dafür hat er gemeinsam mit der „GTA“-Mutterfirma Rockstar Games den Track „Customer Is King“ gedroppt, kurz darauf veröffentlichte er einen Remix des „Babylon Berlin“-Titeltracks, und vor Kurzem wurde sein Song „Kreatur der Nacht feat. Isolation Berlin“ in der Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gefeaturt.

Das Albumcover von „Nobody Is Not Loved“ stammt
von Andreas Gursky und erscheint auf Solomuns
neuem Label NINL.

Der große Schritt raus aus den Clubs und rein in die Öffentlichkeit soll diesen Sommer kommen – mit Solomuns zweitem Soloalbum „Nobody Is Not Loved“. Mit diesem Album nämlich kommt eine lange Reise, die aus einem bosnisch-deutschen Jungen aus einfachen Verhältnissen einen Star-DJ machte, zu einem Höhepunkt.

Die Idee zu diesem Album kam Solomun bereits vor knapp sieben Jahren: Es hatte sich ein Haufen Tracks angesammelt, warum nicht langsam daraus ein Album basteln? Den Titel hatte Solomun sogar noch länger im Hinterkopf, neun Jahre. Solomun hatte einen Gig in London. Am nächsten Tag nahm sein Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen eine Abkürzung. Durch eine abgelegene Hochhäusergegend. An einer der Hauswände der Slogan „Nobody Is Not Loved“. „Dieser Satz hatte so eine Power“, sagt Solomun. „Ich wusste in dem Moment, wenn ich mal ein Album mache, dann werde ich es so nennen.“

Hatte Solomuns erstes Album „Dance Baby“ eine gewisse Leichtigkeit, hat „Nobody Is Not Loved“ nun vor allem Power. Es ist stärker, facettenreicher. „Jedes Album ist persönlich und steht für eine gewisse Zeit. Aber dieses Album ist über die Jahre gewachsen“, erzählt Solomun. „Für mich war es wichtig, den Dancefloor-Solomun zu präsentieren. Ich bin aber auch ein Kind der 80er. Ich liebe Techno und House. Ich habe alle Facetten aus einem großen Teich aufgesaugt.“

Zu den vielen Facetten kommen die vielen Kollaborationen: der Hollywoodschauspieler Jamie Foxx, die deutsche Musikgruppe Ätna, die britische Dichterin und Songwriterin Anne Clark, die deutsche Rockband Isolation Berlin, Tom Smith, der Frontmann von den Editors. Sie alle kommen aus unterschiedlichen Musikrichtungen, doch alle verbindet die Musik. Und jetzt auch Solomuns Album.

Das Albumcover stammt vom Fotografen Andreas Gursky, den Solomun vor Jahren auf einem Festival traf. Gursky erzählte von einem Foto, das er vor über zehn Jahren bei einem Auftritt von Solomun geschossen hatte. Jetzt ziert es das Plattencover von Solomuns zweitem Album. „Wenn ich das Gefühl habe, eine Tür öffnet sich, und ich merke, ich habe meinen Fuß dazwischen, entwickelt sich so eine Art Energie. Dann geht alles von allein. Egal, wie lange es dauert“, sagt Solomun.

„Mein einziger Anspruch an mein Album war, dass es zugänglich ist und dass man es auch zu Hause hören kann. Mit einem Auge auf den Dancefloor. Aber auch mit dem Mut, Kooperationen einzugehen. Eine Art Crossover zu schaffen, aber trotzdem noch dahinterstehen“, sagt er.

Nächster Schritt Hollywood?

Doch wie fühlt es sich an für den Boy aus Eimsbüttel, mit Hollywoodgrößen zusammenzuarbeiten? „So ein Künstler wie Jamie Foxx ist natürlich absoluter Wahnsinn.“ Solomun lacht. Definitiv ohne Ironie. „Klassische R’n’B-Künstler:innen interessieren mich eigentlich nicht. Aber Jamie Foxx ist ein absolut krasser Sänger.“

Im Februar 2018 sollte Solomun nach Los Angeles fliegen, um Foxx kennenzulernen. Doch auch hier kam wieder der unglamouröse und bescheidene Solomun zum Vorschein: „Ich fühlte mich komisch, nach Los Angeles zu fliegen, nur um so jemanden kennenzulernen. Das war mir zu viel Hollywood. Ich bin dann doch irgendwo norddeutsch.“

Doch die Kollaboration klappte trotzdem. Solomun produzierte dem Schauspieler und Sänger einen Track. Schickte ihn rüber. Dann dauerte es eine Weile. Am Ende sang Foxx den Songtext innerhalb eines Tages ein.

Ein halbes Jahr später flog Solomun dann doch nach Los Angeles, um Foxx persönlich zu treffen. Schließlich wollte er den krassen Typen, der ihm die Vocals für seinen Track „Ocean“ eingesungen hatte, kennenlernen. Die beiden waren in einem Restaurant zum Essen verabredet. Foxx hatte eine Boombox dabei.

Er spielte den gemeinsamen Track über sein iPhone ab und sang laut mit. „Er hat mich mit seiner Energie und seiner Freundlichkeit absolut umgehauen. Und auch mit seinem musikalischen Wissen. Da kann ich gar nicht mithalten“, sagt Solomun über Foxx.

Er grinst wieder. Für den Hamburger ist es heute immer noch absurd, als House- und Technoproduzent mit so einem Künstler zusammengearbeitet zu haben. Dabei ist Solomun längst selbst ein Weltstar. Und mit „Nobody Is Not Loved“ setzt er sich völlig verdient selber die Krone auf.

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Portrait Katharina Boecker

Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.