gesundheit! · work wise

Lime-Deutschlandchef: “Die Zukunft der Mobilität muss klimaneutral sein“

Lime-Deutschlandchef: “Die Zukunft der Mobilität muss klimaneutral sein“
Lime
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 1.054 Wörter

Tretroller mit Elektroantrieb gehören in den USA schon lange zum Verkehrsalltag – werden aber auch kontrovers diskutiert. Denn häufig liegen sie auf Gehwegen herum oder blockieren Parkplätze. Nichtsdestotrotz haben bereits namenhafte Unternehmen wie Alphabet, Uber und Google Ventures dieses Jahr bis zu 335 Mio. US-Dollar in das Startup Lime investiert, das eben solche Leihtretroller anbietet und aktuell Marktführer ist (Update 16. Janaur 2019: Laut Branchendienst Recode soll das Scooter-Startup in einer D-Runde über 400 Millionen US-Dollar eingeholt haben. Das würde dem Magazin zufolge die Bewertung des Startups auf zwei Milliarden US-Dollar pushen). Mittlerweile ist Lime in mehr als 70 Städten in den USA und Europa vertreten. In Deutschland waren die Tretroller jedoch aufgrund der Straßenzulassungsverordnung – schönes deutsches Wort – im Straßenraum bisher nicht nutzbar.

Schaffung einer neuen Fahrzeugklasse

Doch das soll sich nun ändern. Die Bundesregierung plant nämlich die Schaffung einer neuen Fahrzeugklasse, in der die elektrisch unterstützten Last-Mile-Scooter zusammengefasst werden sollen. Zu den wichtigsten Eckpunkten des Vorhabens gehört, dass die elektrischen Kleinstfahrzeuge künftig auf dem Radweg fahren müssen. Auf der Straße dürfen sie nur dann fahren, wenn es keinen Fahrradweg gibt. Den aktuellen Plänen zufolge soll die neue Regelung Ende 2018 oder Anfang 2019 in Kraft treten.

Wir haben mit Lime-Deutschlandchef Alexander Götz gesprochen, wie sich das Startup auf den Start in Deutschland vorbereitet und wie es die Probleme aus den USA vermeiden will.

Herr Götz, letzte Woche kam das Go: Spätestens Anfang 2019 sollen auf Deutschlands Straßen Elektro-Tretroller erlaubt sein. Wie bereitet ihr euch auf den Start hierzulande vor?

Wir freuen uns über die positiven Neuigkeiten. Deutsche Städte sind gute Beispiele für die gelungene Interaktion zwischen den Bürgern und dem städtischen Verkehr. Was die Vorbereitung betrifft, teilen wir mit unseren Fahrrädern und E-Bikes bereits heute neue Mobilitätsoptionen mit den Einwohnern von Berlin und Frankfurt. Außerdem glauben wir an eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Derzeit sind wir in Kontakt mit den deutschen Entscheidungsträgern, um besser zu verstehen, wie elektrische Roller bestmöglich in die Infrastruktur deutscher Großstädte eingeführt werden können.

Wie wird sich der deutsche Markt von den anderen Märkten unterscheiden?

Das entsprechende Gesetz wurde noch nicht von der EU ratifiziert, weshalb es zu früh ist, um Deutschland mit den USA oder anderen europäischen Märkten, in denen wir bereits elektrische Scooter anbieten, zu vergleichen. Grundsätzlich sehe ich aber keinen Unterschied zwischen den westlichen Ländern: Die Menschen sind von unserem Produkt begeistert und der Freiheit, sich mit den E-Rollern durch den Stadtverkehr zu bewegen.

Sehen so bald die Straßen in Deutschland aus? (Credits: Pixabay)

Auf Instagram finden sich unter dem Hashtag #ScootersBehavingBadly Bilder von Rollern, die achtlos auf den Gehweg geworfen oder auf Parkbänken abgestellt wurden. Wie soll dieses Problem zukünftig vermieden werden?

Um falsches Parken und Vandalismus zu vermeiden, informieren wir die Nutzer, wie sie mit den Scootern richtig umgehen. Bevor der Roller zum ersten Mal freigeschalten werden kann, müssen alle Fahrer verpflichtend ein Tutorial in der App absolvieren, in dem die Richtlinien für Sicherheit und Parken veranschaulicht werden. Zusätzlich testen wir derzeit, wie Künstliche Intelligenz den Fahrer beim richtigen Abstellen unterstützen kann. Bevor Nutzer die Miete beenden können, müssen sie in der App ein Foto des Scooters hochladen. Die Software erkennt automatisch die Position und kann das Abschließen, wenn nötig, blockieren. Außerdem sind alle Fahrräder und Roller mit GPS und 3G ausgestattet, um den Standort lokalisieren und die Geräte bei Bedarf neu verteilen zu können.

Nach zahlreichen Verletzten und zwei Todesfällen in den USA haben Städte wie San Francisco oder Los Angeles nun Fahrverbote für die Leihroller ausgesprochen. Zudem gibt es in Kalifornien eine Sammelklage gegen die Verleiher. Wie wollt ihr das Problem dort lösen und vermeiden, dass solche Probleme in Deutschland erst gar nicht aufkommen?

Wir kommentieren keine laufenden Verfahren, aber die Sicherheit unserer Fahrer hat die höchste Priorität. Wir fordern unsere Nutzer bei jeder Gelegenheit dazu auf, sich an die Sicherheitsbestimmungen zu halten und verantwortungsvoll zu fahren. Zudem entwickeln wir laufend intelligente Tools in der App und in unseren Scootern, um die Sicherheit zu verbessern. Erst heute haben wir mit “Respect The Ride”, eine in den USA geförderte Kampagne für sicheres Fahren ausgerufen. Außerdem arbeiten wir früh mit Behörden zusammen, die noch keinen gesetzlichen Rahmen für E-Scooter haben und unterstützen diese mit unserer Expertise aus anderen Märkten.

Wie wird sich die Zukunft der Mobilität verändern? Welche Veränderung siehst du im Hinblick auf multimodale Mobilität?

Wir befinden uns an einem Wendepunkt, wenn es um die Reduzierung von CO2 geht. Die Menschen beschäftigen sich immer mehr mit Fragen rund um die Umwelt und die globale Erderwärmung. Um die Abhängigkeit von Autos zu verringern und sich mehr auf nachhaltige Alternativen zu konzentrieren, müssen die Entscheidungsträger in der Regierung und in den Städten ernsthaft neue, grünere und vor allem agilere Formen der Mikromobilität in Erwägung ziehen. Wenn die Luftverschmutzung und die Mobilitätsbedürfnisse in den schnell wachsenden Städten dauerhaft gelöst werden sollen, muss die Zukunft der Mobilität klimaneutral und modular sein.

Was bedeutet das genau?

Das bedeutet, dass Stadtbewohner in Zukunft nicht mehr an “die eine” Transportlösung denken, um von A nach B zu kommen. Stattdessen fahren sie mit dem E-Roller zur Bahnstation, springen danach in einen sogenannten Transit-Pod und fahren den letzten Kilometer mit dem Fahrrad oder E-Bike. Die Zukunft der Mobilität bedeutet auch, dass sich die Lebensqualität im Stadtverkehr deutlich verbessern wird, weil der Einzelne aus einer Vielzahl von Optionen frei wählen kann, wie er sich fortbewegen möchte. Es war von Anfang an die Vision von Lime, eine einfach zugängliche und erschwingliche Lösung für Micro-Mobilität zu schaffen, die die Art und Weise verändert, wie Menschen den ersten und letzten Kilometer ihrer urbanen Reise erleben. Dafür denkt Lime nicht nur an den Status Quo, sondern auch an die zukünftigen Bedürfnisse und wird demnächst weitere Details zum Einstieg ins Carsharing verkünden.

Portrait Julia Krempin

Julia Krempin

Julia hat Literatur, Medien & Politik studiert – ist dann aber an der Bundespräsidentschaft knapp vorbeigestolpert. Die Weltherrschaftspläne mussten deswegen erstmal verschoben werden und nach ein paar kleinen Kreativpausen in Asien, Südamerika und der Agenturlandschaft ist sie nun mit Alexander die Redaktionsleitung von Business Punk.