„Luxus ist heute eine Frage der Haltung.“
Mit dem Rosewood Munich hat die internationale Edelmarke ein stilvolles Zuhause in der bayerischen Hauptstadt gefunden – mitten in der Altstadt, zwischen Prunk, Geschichte und Espresso aus Dinzler-Bohnen. Kein seelenloses Fünf-Sterne-Gehabe, sondern ein Hotel, das Teil der Stadt sein will: offen, nahbar, präzise kuratiert. Ein Gespräch mit Roland Dürr, Managing Director des Rosewood Munich, über emotionale Nähe statt Bling-Bling, das Vertrauen der Münchner und warum ein Dackel schon mal zum Gamechanger werden kann.
Herr Dürr, Luxus ist heute für viele Menschen mehr als nur Bling-Bling. Wie definieren Sie Luxus im Jahr 2025 – im Kontext des Rosewood Munich?
Roland Dürr: Luxus hat sich komplett verändert. Früher ging es um Quadratmeterzahlen, Goldarmaturen und wie viele Limousinen vor der Tür stehen. Heute geht es um emotionale Verbindung. Der wahre Luxus liegt darin, dass wir Teil eines persönlichen Moments sein dürfen – sei es ein Gespräch, eine Geste oder ein Erlebnis, das bleibt. Manche Gäste wollen vollkommen zurückgezogen sein, andere suchen Nähe. Es geht darum, diese Wünsche zu lesen. Luxus ist, wenn sich jemand verstanden fühlt, ohne viel erklären zu müssen.

Rosewood gilt als Marke mit starker internationaler Identität – und gleichzeitig wollen Sie Teil der kulturellen DNA Münchens sein. Wie gelingt dieser Spagat?
Dürr: Indem man auf Augenhöhe mit der Stadt spricht – nicht von oben herab. Für uns war von Anfang an klar: Wir müssen das Vertrauen der Münchner gewinnen, nicht nur das Lob internationaler Gäste. Deshalb haben wir Räume geschaffen, die offen sind – räumlich und kulturell. Unsere Restaurants, unsere Bar, unser Schanigarten und unser Asaya Spa: Sie funktionieren als eigenständige Orte. Viele kommen einfach spontan vorbei. Und genau so soll es sein. Das Haus soll kein Fremdkörper sein, sondern ein Ort, an dem sich auch die Münchner zuhause fühlen

Das Rosewood-Credo lautet „A Sense of Place“. Wie lebt München in Ihrem Haus?
Dürr: Ganz konkret. Die Geschichte unserer Gebäude – vom Haus der bayerischen Staatsbank bis zur Frauenkirche im Blickfeld – fließt überall mit ein. Dazu kommen Details wie Kunstwerke lokaler Künstler, regionale Materialien oder kleine kulinarische Referenzen. Unsere Barkarte erzählt Geschichten aus München, unsere Möbel wurden von Handwerkern aus der Region gefertigt. Es ist kein folkloristisches Bayern-Remix, sondern ein respektvoller, moderner Ausdruck des Ortes, an dem wir sind.

Geschichte trifft auf Moderne – wie spürt man die Historie, ohne dass es nach Museum aussieht?
Dürr: Indem man sie nicht inszeniert, sondern integriert. Die alten Banktresore wurden nicht ausgestellt, sondern zum Teil des Vestibüls und Eingangsbereich gemacht. Die Fassade des Palais Neuhaus-Preysing bleibt erhalten – aber innen trifft sie auf zeitgenössisches Interior. Wir kombinieren lokale Designer wie Caroline Dippold mit internationalen wie Tara Bernerd. So entsteht ein spannender Dialog. Das Ziel ist nicht Nostalgie, sondern Zeitlosigkeit.

Rosewood arbeitet eng mit lokalen Künstlern und Handwerkern. Was bedeutet Ihnen diese Verbindung?
Duerr: Die Bedeutung ist groß – persönlich wie strategisch. Vor der Eröffnung haben wir monatelang mit potenziellen Partnern aus der Region aus der Region gesprochen: Bauern, Fischer, Käser, Künstler. Wir wollten keine Lieferanten, sondern echte Beziehungen. Heute entstehen daraus gemeinsame Produkte, Kunstwerke, sogar Events. Unsere Partner sind Teil des Hauses – und wir Teil ihrer Welt. Das macht das Erlebnis für den Gast authentisch und unverwechselbar.
Viele Reisende suchen heute nicht nur ein Hotel, sondern eine Verbindung. Wie erzeugen Sie diese emotionale Nähe?
Duerr: Wir bieten nicht nur Räume an, sondern Haltung. Unsere Mitarbeiter führen keine Checklisten ab – sie stellen Fragen: Warum ist der Gast in der Stadt? Gibt es einen besonderen Anlass? Daraus entstehen oft Gespräche, die weit über den Hotelalltag hinausgehen. Und ja, auch kleine Dinge zählen: der Name, der erkannt wird. Der Espresso, der beim zweiten Besuch schon wartet. Es geht nicht um Show, sondern um echte Aufmerksamkeit.

Sie bringen internationale Erfahrung mit – von Abu Dhabi bis Europa. Was haben Sie mitgenommen, das Sie hier bewusst anders machen?
Duerr: In Abu Dhabi haben wir gelernt, wie wichtig kulturelle Sensibilität ist. Dort waren es Themen wie Datteln, Perlentauchen oder Wüste. Hier sind es andere Geschichten – Käse aus Bad Tölz, Alpine Fischzucht, ein Künstler aus Haidhausen. Der gemeinsame Nenner ist: Man muss tief in die lokale Kultur eintauchen – egal wo auf der Welt. Nur so entsteht echte Authentizität.
Rosewood Munich ist das erste Haus der Marke in Deutschland. Welche strategische Rolle spielt es für Europa?
Dürr: Eine sehr wichtige. München war für Rosewood ein bewusstes Statement. Wir wollten in eine Stadt, die sowohl international vernetzt, als auch kulturell tief verwurzelt ist. Seit der Eröffnung spüren wir, wie stark die Marke hier verankert wurde – auch, weil viele europäische Gäste bewusst von Amsterdam oder Paris weiter nach München reisen. Und wir merken: München funktioniert. Nicht nur wegen Oktoberfest und Alpenkulisse, sondern wegen seiner Eigenständigkeit und dem vielfältigen Angebot.
Auch wohlhabende Gäste erwarten heute Nachhaltigkeit. Wie bringen Sie Umwelt und Luxus unter einen Hut?
Dürr: Nachhaltigkeit beginnt für uns nicht beim Etikett, sondern bei unserem Handeln. Wir verwenden keine Plastikverpackungen in der Minibar, verzichten auf Einzelportionen im Bad und setzen auf nachfüllbare Systeme – ohne sie an die Wand zu ketten. Unsere Fahrräder bestehen zum Teil aus recyceltem Aluminium von Nespresso-Kapseln. Und wir arbeiten mit Produzenten, die unsere Werte teilen. Das ist nicht Greenwashing, das ist gesunder Menschenverstand.

Wenn Sie Ihren Gästen beim Verlassen des Rosewood nur einen Gedanken mitgeben könnten – welcher wäre das?
Dürr: Wenn du München wirklich spüren willst – mit seinen Menschen, seinem Stil, seinem Lebensgefühl – dann komm ins Rosewood. Denn hier trifft sich die Stadt.